Immer mehr Schüler setzen sich schon vor Ferienbeginn in den Urlaub ab

Auffällige Lücken in die Klassen kurz vor und kurz nach den Ferien.

Soest –  Wenn heute am letzten Schultag nicht mehr jeder Platz in der Klasse besetzt ist, muss das nicht unbedingt an der Grippewelle liegen. Vielmehr nimmt von Jahr zu Jahr die Zahl der Eltern zu, die ihre Kinder direkt vor oder nach den Ferien vom Unterricht abmelden – um etwa ein preisgünstigeres Ticket für die Urlaubsreise zu ergattern oder sich verstopfte Autobahnen zu ersparen.

Soester Schulleiter versichern gegenüber dem Anzeiger: Wir drücken keinesfalls ein Auge zu, sondern leiten Bußgeldverfahren ein.

„Leider nein!“, sagt Andreas Heihoff, Schulleiter am Conrad-von-Soest-Gymnasium, wenn man ihm die Frage stellt, ob Eltern verständnisvoll reagieren, wenn er ihnen das Schulgesetz und das Befolgen von allgemeinen Regeln erläutert. „Die Zahl der Eltern nimmt zu, die nicht bereit sind, grundlegende Regeln anzuerkennen.“ Weil denen offenbar mit guten Worten nicht beizukommen sei, „habe ich auch kein Problem mit einem Bußgeld.“

Das wiederum könnte Frühstarter durchaus beeindrucken. Denn das Schnäppchen für den Flug könnte schnell „verfrühstückt“ sein, wenn man sich die Bußgelder ansieht, die die Schulaufsicht verhängt: 80 Euro pro Tag und Kind und Elternteil. Reist also eine Familie mit drei Kindern zwei Tage früher in die Ferien, werden knapp 1000 Euro „Frühbucher-Zuschlag“ fällig.

Sabine Baukmann von der Pauli-Hauptschule sieht zwar nicht, dass die Fallzahlen der Schwänzer deutlich steigen. Doch den Mangel an Einsicht, bis zum letzten Schultag aushalten zu müssen, stellt auch sie fest: „Da werden schon mal deutliche Standpunkte ausgetauscht.“

Nicht in jedem Fall kommt es überhaupt zum Streit zwischen Lehren, Schulleitern und Eltern. Manche Mütter und Väter schicken einfach eine Krankmeldung in die Schule. Doch die Aufsichtsbehörden mahnen die Schulleiter, sich diese Krankmeldungen genau anzusehen und sie zu hinterfragen.

Der Regierungsbezirk Arnsberg, zu dem auch die Soester Schulen zählen, ist übrigens Spitzenreiter bei den Vorab-Reisenden. Waren es 2015 noch 268 Schnellstarter, kletterte die Zahl im vergangenen Jahr auf 453. Dass die Zahlen steil nach oben gehen, könnte an der „größeren Sensibilität“ liegen, die Schulen heute an den Tag legen, vermutet Benjamin Hahn, der Sprecher der Bezirksregierung. „So lange das nur Einzelne gemacht haben, ist das nicht aufgefallen“ – und vermutlich nicht gemeldet worden.

„Auch wenn heute nicht an jeder Schule ein voller Unterrichtstag stattfindet, ist er ein ebenso wichtiger Schultag wie jeder andere auch“, meint Hahn. Es gebe in vielen Schulen Aktionen, die das soziale Miteinander fördern.

Wer meint, Lehrer und Direktoren mit Hinweis auf Hautjucken, Husten oder Temperatur bereits ausgetrickst zu haben und am vorletzten Schultag sorglos in die Ferien düsen zu können, den erwartet womöglich am Flughafen noch ein böses Erwachen. „Wenn uns auffällt, dass ein Kind oder Jugendlicher eigentlich in der Schule sein müsste, sprechen wir die Eltern an und kontrollieren die Angaben wie Alter und Wohnort“, sagt ein Mitarbeiter der Bundespolizei am Flughafen Paderborn/Lippstadt. „Wenn es keine glaubwürdigen Erklärungen gibt, melden wir den Fall der Schulaufsicht.“

Die Bundespolizei freilich schaut nur bei Flügen in Länder außerhalb des SchengenRaums hin, wenn also die Osterferien in der Türkei oder in Ägypten verbracht werden sollen. Bei Flugreisen in EU-Länder ist die Bundespolizei außen vor.

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