Konjunkturklima insgesamt im positiven Bereich

Wirtschaft ist zwiegespalten: IHK Arnsberg hat Unternehmen zu Lage und Erwartungen befragt

Sie stellten die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage gemeinsam mit zugeschalteten Branchenvertretern vor.
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Sie stellten die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage gemeinsam mit zugeschalteten Branchenvertretern vor: Geschäftsführerin Dr. Ilona Lange, Präsident Andreas Rother und Pressesprecher Stefan Severin.

Alles andere als spurlos ist bislang die weltweit grassierende Coronapandemie an der heimischen Wirtschaft vorübergegangen. Aber trotz aller Probleme blicken die meisten Unternehmen in der Region bereits wieder nach vorn. Beides findet sich wieder in den Ergebnissen der traditionellen Konjunkturumfrage der IHK Arnsberg, deren Ergebnisse jetzt vorgestellt wurden.

Kreis Soest – Monatelanger Lockdown, kollabierte Lieferketten, Verunsicherung in vielen Sektoren der Gesellschaft – und das über Monate hinweg. Angesichts dieser Rahmenbedingungen klingt das Ergebnis der IHK-Umfrage, an der zwischen Mitte Dezember und Mitte Januar rund 520 Mitgliedsunternehmen der IHK teilnahmen, erstaunlich optimistisch.

Über alle Branchen hinweg liegt der aus den Antworten ermittelte Index für das „Gesamtklima“ mit einem Wert von 104,9 im positiven Bereich – dahinter aber verbirgt sich eine tiefe Spaltung zwischen Branchen, und teilweise auch zwischen einzelnen Betrieben in den Branchen. Besonders deutlich wird das in den Einzelhandel, Verkehrswirtschaft, Dienstleister und Gastgewerbe.

Einzelhandel

Der ohnehin mit der Online-Konkurrenz kämpfende stationäre Einzelhandel kann den aufkeimenden Optimismus anderer Branchen angesichts lang anhaltender Zwangsschließungen und damit verbundenen Einnahmeausfällen nicht teilen: Fast 40 Prozent beurteilen ihre aktuelle Lage als schlecht, fast die Hälfte erwartet sogar noch schlechtere Zeiten.

Dabei gibt es auch hier Ausnahmen wie den Briloner Fahrradhändler Dominic Neumann. Seine Branche boomt, sein größtes Problem: „Wir bekommen kaum genug Ware, die wird uns sofort aus den Händen gerissen“.

Verkehrswirtschaft

Speditionen wie das Arnsberger Unternehmen A.L.S., die vorwiegend für die Industrie Transporte anbieten, sind bislang gut durch die Pandemie gekommen und rechnen auch damit, dass das so bleibt. Ein großes Problem sind allerdings die Kosten für Container, gerade im Überseegeschäft. „Da sind die Preise regelrecht explodiert“, erklärt A.L.S.-Geschäftsführer Christoph Dahlmann und rechnet vor: War ein Container im März noch für 2000 Euro zu mieten, kostet er jetzt bis zu 11 000 Euro.

Solche Sorgen hätten Kollegen in Busunternehmen möglicherweise gerne: Ihnen sind die Aufträge für touristische Fahrten komplett weg gebrochen.

Dienstleister

„Die Lage ist desaströs“, lässt Rüdiger Franz Dirksen keinen Zweifel daran aufkommen, wie er die aktuelle Situation bewertet. Er betreibt das „Lippe-vi-tal Gesundheitszentrum“ in Herzfeld, musste bereits monatelange Einnahmeausfälle verkraften, die nur zu Teilen ausgeglichen werden – und tröstet sich damit, dass die Bevölkerung insgesamt gesundheitsbewusster geworden sei und sich damit für seine Branchen in der Zukunft Perspektiven eröffnen müssten. Jedenfalls für die, die so lange durchhalten werden.

Am anderen Ende der Zufriedenheitsskala befinden sich dagegen Dienstleister wie Andreas Rother, IT-Unternehmer aus Ense und IHK-Präsident. Mit dem Homeoffice-Boom florieren seine Geschäfte so gut, dass er „nur in stiller Demut dankbar dafür sein kann“.

Gastgewerbe

Heitere Gastronomen sind in diesen Tagen eine ausgesprochen seltene Unternehmergattung: 87 Prozent beurteilen die Situation ihrer Betriebe als schlecht, fast 9 Prozent sehen sogar die akute Gefahr einer Insolvenz. Immerhin 41,6 Prozent schwant auch für die kommenden Monate nichts Gutes.

Wenn in der Streberbranche der vergangenen Jahre 65,8 Prozent der Betriebe „schlechte Erwartungen“ äußern, dann ist das weniger ein Zeichen eines unmittelbar bevorstehenden Einbruches bei den Aufträgen, als eine Folge des exorbitant hohen Niveaus der Auftragslagen in der Vergangenheit.

Solange die Pandemie nicht auch die Produktionsstätten flächendeckend zu Schließungen zwingen wird, laufen hier die Geschäfte weitgehend ungestört. Allerdings wird in der Branche mit zeitversetzen Effekten gerechnet. Sehr positiv: Der Export nimmt wieder deutlich Fahrt auf.

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