Kunst im Internet

Wie im Science-fiction-Film 

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Technikbetonte Kunst zeigt Horst Rellecke im Internet.

Möhnesee - Wer Lust auf Kunst von Horst Rellecke, aber kein Museum in der Nähe hat, kann sich im Internet bedienen. Denn der Architekt und Künstler hat jetzt eine 45-minütige Videoanimation bei Youtube eingestellt, die alle Aspekte seines Gesamtwerks vereint

Kühle Farben, technische Details, menschenleere Szenen mit elektronischer Musik unterlegt: Die Animation mutet an wie ein Science-Fiction-Film. Gleichwohl passen das futuristische Medium und die Darstellungsweise perfekt zu den technikbetonten Arbeiten des promovierten Architekten und preisgekrönten Künstlers.  Typisch ist auch die Prise Ironie. 

Kein Wunder, hat er den Film doch komplett selber hergestellt. In aufwendiger 3D-Technik durchschreitet die virtuelle Führerin Su mit dem Zuschauer die Bildersäle eines imaginären Museums. Auf gläsernen Wänden werden Original-Abbildungen von existierenden Bildern gezeigt. Vorbild für dieses gläserne Gebäude war das Pola-Museum im japanischen Hakone am Fuße des Fujijama, das den Künstler stark beeindruckt hat. 

Die Kunst-Präsentation über Youtube geht einerseits über die Möglichkeiten einer realen Ausstellung hinaus. Rellecke hat mit dem Computer Bildwelten erzeugt, die er mit traditionellen künstlerischen Mitteln nicht hätte erschaffen können: Bilder öffnen sich und erzählen ihre Geschichten. Architektur-Konzepte jenseits der baubaren Realität geraten in Bewegung, und die Kunstmaschinen entwickeln ihr Eigenleben losgelöst von physikalischen Bedingungen. 

Andererseits ist es in dem Film nicht – wie in einer realen Ausstellung – möglich, nahe an ein Bild heranzutreten, um es genauer zu betrachten. Es gibt auch keine Informationen zu einzelnen Bildern oder Szenen. In einer echten Ausstellung würde man sie vielleicht im Begleitkatalog finden. Der Film ist nicht interaktiv. 

Doch begegnen dem Betrachter immer wieder bekannte Figuren und Planskizzen. Darunter befinden sich selbstverständlich der Hammer Glaselefant und seine skurrilen kinetischen Insassen, aber auch Entwürfe für einen „Lippenstift“-Bunker aus den 80er Jahren, hochbeinige Dickhäuter aus den 90ern, technische Erfindungen und konstruierte Fabelwesen aus den 2000ern. 

Viele Konzepte und Ideen führen zu den Anfängern der künstlerischen Produktion Relleckes zurück. Darum kann der Künstler auch nicht beziffern, wie viel Zeit er tatsächlich für die aufwendige Produktion gebraucht hat. Die sphärischen Klänge, welche die Präsentation untermalen, stammen von Relleckes Freund Lutz Gerlach, der bereits bei den Drüggelter Kunst-Stückchen auftrat. 

Nach Relleckes Recherchen gibt es keine ähnliche Präsention von Kunstwerken im Netzt. Er betont: „Nie war bei der Erstellung einer Szene eine Kamera beteiligt. Selbst wenn eine Glaskugel durch das Bild rollt und dabei ihre Umgebung verzerrt oder ein Video als Bild im Bild eingespielt wird, ist alles nur Computerwerk.“ Zum Schluss kann sich der Zuschauer auf eine kleine Überraschung gefasst machen, die aber hier nicht verraten wird.

Die Animation findet sich auf der Homepage des Künstlers, www.horst-rellecke.de

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