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Homophobie-Vorwürfe: Streit zwischen Stadt Soest und Monika Dobberstein eskaliert - Bürgermeister: "Beispiellos und unerhört"

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Von: Achim Kienbaum

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Soester Rathaus: Dort soll es bald eine Reaktion auf die Vorwürfe Dobbersteins geben. © Niggemeier

Der Streit zwischen Prof. Dr. Monika Dobberstein und der Stadt Soest eskaliert ungewöhnlich schnell. Die Noch-Geschäftsführerin von Wirtschaft und Marketing Soest erhebt schwere Vorwürfe gegen Kollegen und Politiker

Update, 23. Juni, 13.33 Uhr: Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer weist die Vorwürfe von Monika Dobberstein, insbesondere dass Homophobie und Frauenfeindlichkeit in der Soester Politik bezüglich der möglichen Nichtverlängerung ihres Arbeitsvertrages als Geschäftsführerin der Wirtschaft und Marketing Soest GmbH eine Rolle spielen, „persönlich sowie im Namen von Rat und Verwaltung auf das Schärfste“ zurück. 

Ruthemeyer in einer Mitteilung aus dem Rathaus: „Sämtliche Beteiligte haben sich in der Vergangenheit um eine konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Frau Prof. Dobberstein bemüht. Diesen Weg hat sie nun selber mit ihren auf Facebook veröffentlichten Äußerungen verlassen.“

Diese Aussagen, die sie noch dazu über den offiziellen Kanal der Wirtschaftsförderungsgesellschaft getroffen habe, seien für seine persönliche Erfahrung "beispiellos und unerhört". Ruthemeyer: „Wir nehmen diese Aussagen so nicht hin, insbesondere weil sie auch frühere Beschäftigte der WMS betreffen, und werden rechtliche Konsequenzen prüfen“, kündigte der Bürgermeister an.

Dobberstein: Homosexualität "hat wichtige Rolle gespielt"

Prof. Monika Dobberstein ließ am Montag zwar eine Anzeiger-Anfrage mit der Bitte um eine Stellungnahme zur Nichtverlängerung ihres Vertrages über September 2021 hinaus unbeantwortet, stellte am Abend aber ein langes Interview auf die Facebook-Seite der Wirtschaftsförderung, in dem sie schwere Vorwürfe sowohl gegen die Politik, als auch gegen einzelne ihrer Mitarbeiter erhebt.

Obwohl sie „herausragende Ergebnisse“ abgeliefert habe, so Dobberstein, solle sie den Posten räumen, weil sie als Frau und bekennende Homosexuelle offenbar für die politische Mehrheit nicht tragbar sei. Das habe „eine wichtige Rolle gespielt“. Als Beleg dafür führt sie unter anderem an, dass in der Vergangenheit Verträge mit männlichen Geschäftsführern mehrfach verlängert worden seien, „obwohl es gute Gründe gegeben hätte, sich von ihnen zu trennen“. Namen nennt sie nicht.

Defizite in der Mitarbeiterführung

Dobberstein wehrt sich auch gegen Vorwürfe, sie habe Defizite in der Mitarbeiterführung. Stattdessen führt sie ihrerseits vermeintliche Beispiele für Defizite bei einzelnen Mitarbeitern als Grund dafür an, dass sie sich von ihnen habe trennen müssen. Alle Vorwürfe gegen sie selber seien „Gerüchte, üble Nachrede und Verleumdungen“ geblieben, schreibt sie. Es habe natürlich „Unruhe“ in der Mitarbeiterschaft gegeben, räumt Dobberstein ein, sie habe aber bei ihrem Dienstantritt im September 2016 „schwerwiegende Probleme mit einzelnen Mitarbeitern“ vorgefunden, die bereits „lange geschwelt“ hätten. Sie habe diese Probleme gelöst, heute sei das Team der Wirtschaftsförderung „weitgehend schlagkräftig und hochprofessionell“.

Die 52-Jährige äußert sich auch zu ihren Zukunftsplänen: Bis zum Ende ihres Vertrages im kommenden Jahr werde sie sich noch „wie gewohnt für die Belange der Wirtschaftsförderung einsetzen“ und in dieser Zeit „in aller Ruhe nach spannenden neuen Aufgaben suchen“.

Es könnte allerdings sein, dass sie weder für das eine noch das andere so viel Zeit haben wird: Aus dem Rathaus ist zu vernehmen, dass dort eine Stellungnahme zu Dobbersteins Vorwürfen vorbereitet wird. Ob es darin auch um zeitnahe personelle Konsequenzen gehen wird ist derzeit unklar.

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