Homöopathie und Corona

Coronavirus: Heilpraktiker aus Soest spricht sich klar für die Corona-Impfung aus

Heilpraktiker für Corona-Impfung
+
Kein Mindestabstand? In diesem Fall drückt Rüdiger Lamprecht ein Auge zu.

Die Impfkampagne läuft, aber nicht alle wollen sich impfen lassen. Ausgerechnet ein Heilpraktiker geht jetzt als Impfbefürworter an die Öffentlichkeit. Er sagt: „Die Impfung ist genial.“

Ein Heilpraktiker, der sich deutlich für die Corona-Impfung ausspricht: Handelt so ein Vertreter eigentlich gegen die Berufsehre? Und das in deutlich mehr als homöopathischen Dosen? Mit solchen und ähnlichen Fragen sieht sich Rüdiger Lamprecht immer wieder konfrontiert. Grund genug für Redakteur Jürgen Vogt, den 60-Jährigen gründlich mit Vorurteilen zu überschütten und nach dem Grund für seine Impf-Entscheidung zu fragen.

Wie halten Sie es eigentlich mit Vorurteilen? Ist ein Westfale immer wortkarg? Sind Frauen besser beim Multitasking und Männer die besseren Autofahrer? „Also an allem ist ein Körnchen Wahrheit dran.“

Aha. Nehmen wir jetzt Sie als geborenen Hammer, der lange in Berlin gelebt hat. Wie ist er denn so, der Berliner im Gegensatz zum Westfalen? „Ich finde, es gibt eine Ähnlichkeit zwischen Berlinern und Westfalen. Beide sind geradeaus und nicht verschnörkelt. Wobei der Berliner, der ist etwas offener. Aber das ist stadtbedingt. Es gibt ja das Vorurteil, dass man mit einem Westfalen erst einen Sack Salz essen muss, ehe man sein Freund wird. Daran ist ja auch ein Körnchen Wahrheit. Und in Berlin hat man wegen der Anonymität der Großstadt einfach mehr Narrenfreiheit.“

Heilpraktiker für Corona-Impfung: „ich trage keinen Alu-Hut

Kommen wir zu ihrem Beruf: Sie sind Heilpraktiker. Das bedeutet doch, dass Sie auch Impfgegner, ehemaliger Waldorfschüler und Träger eines Alu-Hutes gegen böse Strahlen sind, oder? „Alle drei Punkte sind schlichtweg falsch. Ich trage keinen Alu-Hut, habe ihn auch nicht kurz vor Ihrem Besuch hastig abgenommen. Ich bin absoluter Impfbefürworter. Ich ärgere mich über Menschen, die die Impfungen problematisieren anstatt glücklich darüber zu sein, dass wir jetzt endlich eine haben.“

Und wie war das mit der Waldorfschule? „Nee, ich habe mein Abis auf dem Conrad von Soest-Gymnasium in Soest gemacht.

Mal unter uns: Eigentlich gibt es das Virus ja gar nicht. Aber falls doch: Haben Sie ein paar Globuli für mich? „Nein. Ich bin untröstlich.“

Sie wenden sich ziemlich entschieden gegen das Schwarzweiß-Denken. Welche Graustufe haben Sie selbst? „Das erinnert mich an Loriot: „Hätten sie lieber mausgrau oder schiefergrau?“ Ich persönlich denke eher in Farben als in Graustufen. Jedenfalls fände ich das schön wenn ich es täte.“

Heilpraktiker für Corona-Impfung: Impfung ist eine gute Errungenschaft der Medizin

Wir wollen also einmal alle Vorurteile beiseite legen und Sie ganz unvoreingenommen fragen: Was halten Sie von der Corona-Impfung? „Ich finde die Impfung gut. Ich finde grundsätzlich, dass Impfung eine gute Errungenschaft der Medizin ist. Und ich finde es großartig, dass die Forschung das so schnell hinbekommen hat.“

Es gibt Einwände gegen eben diese kurze Zeit der Entwicklung. Was sagen sie dazu? „Das ist verständlich, aber wir haben eine Pandemie. Deshalb dürfen wir froh sein, dass es so schnell geklappt hat. Ich habe das Gefühl, dass es trotz der Schnelligkeit achtsam gemacht wurde. Ich habe an dieser Stelle Vertrauen in die oft gescholtene Pharmaindustrie.“

Der Impfstoff basiert auf eine genetischen Veränderung. Ist das nicht ungewöhnlich oder gar gefährlich? „Es ist neu und insofern ungewöhnlich. Und der Impfstoff ist genial.“

Warum? „Weil es auf dieser Basis gelungen ist, etwas zu finden, das wirkt. Und die Befürchtungen stimmen nicht, die davon ausgehen, das ein genetisch veränderter Impfstoff auch das genetische Material des Impflings verändert. Diese Befürchtung ist einfach quatsch.“

Warum? „Ich bin kein Wissenschaftler, finde aber die Begründungen der Wissenschaftler an diesem Punkt seriös.“

Heilpraktiker für Corona-Impfung: Mut und Zuversicht

Viel Menschen haben Angst vor der Impfung. Wie begegnen Sie den Ängstlichen? „Ich erlaube mir, Zuversicht zu verbreiten und Mut zu machen. Da fällt mir ein beispiel ein. Zu mir kam eine Frau, die Angst vor einer Hüft-Operation hatte. Sie wollte mit mir gemeinsam andere Wege suchen. In diesem Fall sah ich aber meinen Job darin, die Frau zu ermutigen, die OP zu machen und sich nicht länger zu quälen.“

Es gibt für die Corona-Impfung keine Langzeitstudien. Ist das schlimm? „Wie soll es die denn bitte geben? Es wäre schön, wenn wir die hätten. Ich halte es aber trotzdem für vertretbar und sinnvoll, sich jetzt impfen zu lassen. Es hat ja strenge Prüfungen gegeben, deshalb darf man dem Impfstoff vertrauen.“

Wie empfinden Sie als Heilpraktiker die Arbeit der Kollegen der Schulmedizin? „Ich empfinde mich weniger als Alternativ-, sondern eher als Komplementärmediziner. Das heißt, dass ich einen großen Respekt vor der Schulmedizin habe. Es gibt Fälle, die delegiere ich zu den Kollegen. Es ist wichtig zu wissen, was man kann und was man nicht kann – und wo die Grenzen sind.“

Heilpraktiker für Corona-Impfung: Komplementärmedizin ist wichtig

Und was können Sie was die Kollegen nicht können? „Die Schulmedizin ist oft in der chronischen Schmerztherapie an ihren Grenzen. Das führt dazu, dass solche Patienten sich nach anderen Wegen umschauen. Ich habe das Gefühl, dass ich mich als Heilpraktikermehr einlassen kann, weil ich viel Zeit investieren und prozessorientiert arbeiten kann. Und dazu gehört eben auch, dass es nicht nur um Schmerzreduktion und -auflösung geht, sondern manchmal auch darum, eine lebbare Form mit dem Schmerz zu finden. Auf diesem Feld sind Komplementär-Mediziner wichtig - genauso wie die Physiotherapeuten.“

Können sich ihre Patienten mit dem Schmerz dauerhaft arrangieren? „Ich hatte mal einen Anruf einer Mitarbeiterin einer gesetzlichen Krankenkasse. Die hatte meine Rechnung für eine Patientin vorliegen. Die hätte sie gerne beglichen, aber das durfte sie nicht. Darüber äußerte sie ihr Bedauern, weil diese Patientin nun deutlich geringere Kosten verursachte, denn sie hatte das „Therapeuten-Hopping“ beendet. Bei mir kam sie zur Ruhe.“

Zurück zur Corona-Empfehlung: Lassen Sie selbst sich impfen wenn Sie die Möglichkeit haben? „Ja, wenn ich dran bin, dann mache ich das.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare