Auf der Walz zu den Zentren des Glasmachens

Soest  "Walzhochzwei" nennen Pia Hoff und ihr Freund udn Kollege, der Spanier Prosper Viladell ihr Projekt, das sie zu den Zentren der Glaskunst führen soll. 

Pia Hoff streicht über die Pressnaht des Industrieglases. „Früher wäre mir so etwas nie aufgefallen“, sagt sie. Aber seit sie zum ersten Mal mit dem Werkstoff Glas gearbeitet und vor einem glühend heißen Ofen gestanden hat, ist sie gefesselt von dem transparenten, doch eigenwilligen Material. Sie will alles darüber wissen. 

Darum bricht die Glasmacher-Gesellin jetzt zusammen mit ihrem Kollegen und Freund, dem Spanier Prosper Vilardell, auf zu einer Reise rund um die Welt zu den Zentren ihrer Kunst. „Walz²“ nennen die beiden ihr Projekt, auf das sie sich seit Monaten vorbereiten.

 „Wir machen allerdings eine moderne Walz“, erläutet Pia, Wie bei der klassischen Gesellenwanderung sind auch die beiden unterwegs zu Meistern ihrer Zunft, um sich professionell weiterzubilden und zu lernen, was es zu lernen gibt. Wie andere wandernde Gesellen kommen auch sie ihrem Zuhause nicht näher als 50 Kilometer. Aber sie wollen nur zwei Jahre unterwegs sein und dabei auch Flugzeuge nutzen. Wie sonst sollten sie zu den wichtigen Museen und Studios in den Vereinigten Staaten kommen? 

Die „Walz²“ ist für die beiden kein kopfloses Abenteuer, sondern exakt durchgeplant. Jedes Ziel und jede Aufenthalt sind festgelegt, die Gastgeber benachrichtigt.

 Arbeiten, Informationen sammeln, vorausschauend denken – das haben die jungen Glasmacher längst gelernt. Denn beide haben bereits eine Ausbildung hinter sich. Prosper ist Designer und Pia studierte Lehrerin. Während ihres Studiums war es auch, dass die junge Frau erstmals in Kontakt mit dem Werkstoff Glas kam. Da war es um sie geschehen.

 Auf der Stelle wollte sie das Glasmacher-Handwerk erlernen. Nur mit Mühe konnte die Familie sie dazu bringen, ihr Studium mit einem Examen zu beenden. Gleich danach ging’s ins bayrische Zwiesel zu einer der wichtigsten Glas-Ausbildungsstätten im deutschsprachigen Raum. Pia Hoff ist glücklich, auch wenn ihre Umwelt eher verständnislos reagiert. „Kind, ist das denn gesund?“, fragte die Mutter besorgt angesichts des 1200 Grad heißen Ofens, vor dem die Tochter arbeitet. „Es ist unglaublich harte Knochenarbeit“, schildert die Schwester, nachdem sie in der Werkstatt war. 

Glas zu bearbeiten heißt, den ganzen Körper einzusetzen. „Wenn die Ausbilder und Meister arbeiten, sieht es aus wie ein Tanz mit dem Material“, schildert Prosper. „Bei uns wirkt das eher wie ein Kampf mit dem Glas“, lacht Pia und berichtet, wie oft sie wütend und verzweifelt war, weil der Werkstoff nicht so wollte wie sie. 

„Das Glas wartet nicht – so wie es Ton tut, den man kurz stehen lassen kann. Glas ist flüssig. Da muss es schnell gehen. Wenn ich mit dem Glas arbeite, bin ich voll konzentriert. Dann denke ich an nichts anderes, nicht an das, was ich noch erledigen muss, oder was um mich herum vorgeht. Es geht nur ums Glas“, sagt die 31-Jährige. 

Den „Tanz“ mit dem Glas zu lernen, dass ist ein Ziel ihrer Walz. Pia mag vor allem Glasprodukte im puristischen skandinavischen Design. Das berühmte Murano- Glas ist ihr zu überladen. Gleichwohl werden die beiden Gesellen auch nach Italien fahren – und außerdem in viele andere europäische Länder, nach Japan und Australien.

 Glasmacher und Glaser sind weltweit vernetzt und fühlen sich als große Community. Pia und Prosper freuen sich, dass sie überall ohne Probleme aufgenommen werden als Gegenleistung für ihre Arbeit. Geld gibt’s nicht. Die Reise ist jedoch ein kostspieliges Unternehmen, darum nehmen die beiden jede Hilfe an, die sie bekommen können. „Es geht nicht nur um finanzielle Unterstützung“, sagt Prosper „Auch Reisetipps hilfreich können hilfreich sein“, ergänzt Pia. Ebenso wie Hinweise auf Fahr- und Übernachtungsmöglichkeiten.

Information: Wer die beiden bei ihrer „Walz²“ unterstützen möchte, erreicht sie unter walzhochzwei@gmail.com; @walzhochzwei auf Instagram, Telefon 0160 97735115 oder 0034638924039. Zu Information haben die beiden Gesellen ein achtseitiges Heftchen herausgegeben, in dem sie von ihrer Arbeit und ihren Zielen berichten.

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