Herzberg

Landkreis von Soests Partnerstadt: Inzidenz 1693, dreimal so viele Tote, Bürgermeister verzweifelt

Von Daniel Schröder

In der Soester Partnerstadt Herzberg verzweifelt der Bürgermeister an der Corona-Lage in seinem Landkreis.

Die Soester Partnerstadt Herzberg steht mit ihrem Landkreis Elbe-Elster in Brandenburg derzeit auf einem traurigen Treppchen: Der Kreis liegt deutschlandweit auf Platz 3 der höchsten Corona-Inzidenzen – mit einem Wert von 1693,6.

Soest/Herzberg – Als Herzberg 2013 vom Elbe-Hochwasser betroffen war, eilten Einsatzkräfte aus Soest zur Unterstützung herbei. Doch bei dieser Katastrophe im Jahr 2021 kann auch überörtliche Hilfe nicht für Besserung sorgen: Bürgermeister Karsten Eule-Prütz berichtet von der schlimmen Lage in seiner Stadt und dem Landkreis Elbe-Elster.

101.085 Einwohner hat der Landkreis, 12.843 von ihnen, fast 13 Prozent, haben sich bereits mit dem Virus infiziert. 270 von ihnen starben. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl rund dreimal mehr als im Kreis Soest. Alle wichtigen News zur Corona-Pandemie im Kreis Soest finden Sie hier.

Corona im Kreis Elbe-Elster: „Wir leben nicht viel anders als im Rest des vergangenen Jahres“

Man habe im Laufe der Zeit gelernt, mit der Situation umzugehen, berichtet Eule-Prütz. „Wir leben nicht viel anders als im Rest des vergangenen Jahres. Unter 2G-Regeln findet der Wochenmarkt statt, man kann einkaufen, man kommt ins Rathaus.“

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Ein großes Problem sei in seinen Augen die „relativ geringe Impfquote.“ Die lag zuletzt bei 55 Prozent. Es gebe aber noch andere Ursachen für die schlimme Entwicklung. Eule-Prütz: „Aus meiner Sicht wurde in Brandenburg unter anderem ein großer Fehler gemacht: Man hat die Schul-Tests den Eltern überlassen. Die Eltern sollten die Testungen der Schüler übernehmen, anstatt, dass die Tests in Schulen beaufsichtigt durchgeführt wurden. In vielen Fällen wussten die Kinder nicht, wann Mama das letzte Mal mit ihnen einen Test gemacht hat.“ Die Test-Bestätigungen, die in den Schulen vorgelegt werden mussten, waren trotzdem frisch und unterschrieben von einem Elternteil.

Corona im Kreis Elbe-Elster: „Anfang Oktober stiegen die Zahlen“

„Anfang Oktober stiegen die Zahlen, da hatten wir allein an unserer Grundschule über 100 positive Fälle.“ Zudem kritisierte Karsten Eule-Prütz, dass im Fall eines infizierten Schülers nur das betroffene Kind selber in Quarantäne musste: „Jeder weiß, was passiert. Ist ein Schüler infiziert, dann hat es auch der Sitznachbar. Dann ist die Mutti dran und so geht es weiter. Über manche Dinge braucht man sich wirklich nicht wundern.“ Die Grundschule sei mittlerweile durchseucht.

28 Prozent der zur Verfügung stehenden Intensivbetten sind im Kreis Elbe-Elster von Covid-Patienten belegt. Eines der drei Krankenhäuser im Landkreis sei zur „Covid-Klinik“ gemacht worden. Dort werden ausschließlich Corona-Fälle aufgenommen und behandelt. „Die anderen zwei Krankenhäuser versuchen, den regulären Betrieb abzuarbeiten. Doch dort werden bereits die Operationen verschoben. Das Personal ist am Ende. Vor allem der Kontakt zu Impfverweigerern macht es immer schwieriger.“ Auch der Bürgermeister hat solche Fälle in seinem direkten Bekanntenkreis: „Die Situation ist extrem verhärtet. An diese Menschen gibt es kein Herankommen mehr.“ Wenn es möglich sei, werde in Gesprächen ein Bogen um das Thema Impfen gemacht. „Das macht keinen Spaß mehr. Ich verstehe nicht, wo das herkommt. Im Osten haben die Leute alles gespritzt gekriegt und jetzt auf einmal sind sie strikt gegen eine Impfung?“

Diese Spaltung mache sich gesellschaftlich stark bemerkbar. „Im Zusammensein gibt es mittlerweile so viel Sprengstoff.“

Die Stadt kontrolliere mittlerweile streng, ob Gaststätten die 2G-Regel umsetzen. „Es gibt natürlich auch den ein oder anderen Gastronomen, der der anderen Seite zuzuordnen ist und die Regeln nicht umsetzt. Andere sind so konsequent und lassen ihren Betrieb gleich ganz geschlossen. Mittlerweile arbeiten wir da konsequent mit Bußgeldern, wenn die Regeln missachtet werden.“

Auch die Städte-Partnerschaft mit Soest leide unter der Pandemie: „Wir hatten im Punkt Digitalisierung gute Kontakte zum Stadt-Labor aufgebaut. Ich wollte dieses Jahr noch nach Soest kommen, wäre zwei Tage auf dem Weihnachtsmarkt gewesen, um Kontakte zu pflegen. Das ist auch außerhalb der Arbeit nett, Gesichter wiederzutreffen. Ich hoffe, dass das im Frühjahr wieder geht.“

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