Coronavirus im Kreis Soest

Heiraten in Corona-Zeiten: Standesamt sofort, Kirche frühestens 2021

Brautmoden-Verkäuferin Lydia Russell Soest
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Das Brautkleid ist fertig, der Hochzeitstermin verschoben – das erlebt Brautmoden-Verkäuferin Lydia Russell dieses Jahr immer wieder.

„Der schönste Tag“ in Corona-Zeiten. Ja, den gibt es (fast) wie gehabt, heißt es aus dem Soester Standesamt. In den Kirchen aber herrscht in Sachen Hochzeit absolute Flaute. Und die bekommen auch die Restaurants hautnah zu spüren.

Soest – „Zu Beginn der Corona-Lage“, so Rathaus-Sprecher Thorsten Bottin, haben die Standesbeamten einen leichten Rückgang bei den Eheschließungen registriert. „Viele Paare mussten ihre Pläne erst einmal neu durchdenken.“ Inzwischen laufe alles beinahe wie normal. In Zahlen: Von Januar bis September sind dieses Jahr rund 90 Prozent der Ehe-Anmeldungen im Vergleich zum Vorjahr zusammengekommen. Tatsächlich „Ja“ gesagt haben aber nur 70 Prozent der Paare im Vergleich zum Vorjahr.

„Zu Beginn der Lage war da schon eine große Enttäuschung zu spüren, weil die Paare oftmals lange im voraus geplant hatten“, schildern die Standesbeamten. Mittlerweile sage kaum noch ein Paar ab. Wer wegen des Bunds fürs Leben im Rathaus vorspreche, bekomme auch sofort reinen Wein eingeschenkt und die „geltenden Rahmenbedingungen“ aufgezeigt. Wie die aktuelle Corona-Lage im Kreis ist, lesen Sie in unserem Ticker.

Corona im Kreis Soest: Hochzeiten mit großen Partys sind derzeit unmöglich

„Seit März hat noch keine einzige Hochzeit stattgefunden“, zieht Petri-Pauli-Pfarrer Bernd-Heiner Röger Zwischenbilanz, gleiches gelte wohl auch für andere Kirchen. Die Gemeinden hätten zwar längst Routinen für die Gottesdienste in Corona-Zeiten entwickelt und könnten mühelos größere Gesellschaften in der Kirche begrüßen. Doch für die Brautpaare sei die kirchliche Trauung stets mit der anschließenden großen Party in einem Lokal eng verknüpft. Dazu kommen nicht selten Gäste aus dem ganzen Land – unmöglich gerade.

Der Pastor erwartet, nach diesem Null-Trauungen-Jahr werde wohl 2021 ein „Doppel-Jahrgang“ anstehen. Denn die meisten Paare haben versichert, die kirchliche Trauung im kommenden Jahr nachholen zu wollen. Und sie haben bereits die Termine festgelegt, manche sogar für den gleichen Tag: Wer sich ursprünglich am 1. August 2020 das Ja-Wort geben wollte, holt dies nun am 1. August 2021 nach.

Corona im Kreis Soest: Bräute holen ihre Hochzeitskleider trotzdem ab

Von wegen langer Vorlauf. Wer ein stilvolles Brautkleid, womöglich maßgeschneidert oder geändert, haben möchte, muss bei Zeiten kommen, sagt Lydia Russell, die bei „Ulrike Guthof“ Brautmoden verkauft. Die Kundinnen kämen oft ein halbes Jahr vor dem Termin – oder gar noch früher. Und selbst ohne kirchliche Trauung in diesem Jahr: Viele holen ihre Hochzeitskleider ab, um sie vielleicht sogar im Standesamt, spätestens danach zur Feier des Tages zu tragen, wie groß oder klein sie unter den besonderen Umständen in diesem Jahr auch immer ausfallen mag.

Hochzeiten, Jubiläen, runde Geburtstage: „Sie haben bei uns mindestens 50 Prozent des Geschäfts ausgemacht“, schildert Barbara Sauerwald, die das „Paradies“-Café im Soester Stadtpark betreibt. Doch in diesem Jahr sind diese Einnahmen komplett weggebrochen. „Schon beim ersten Lockdown im Frühjahr sind alle Feste abgesagt worden.“ Die Brautleute sprachen zwar von „Verschieben“, aber sie haben sich nicht festgelegt, wann sie möglicherweise ihre Feier nachholen werden.

Corona im Kreis Soest: Geblieben sind die Beerdigungen

Schon jetzt, sagt Sauerwald, sieht es auch für das kommende Jahr düster aus. In sonstigen Jahren würde sich im Herbst gerade der Terminkalender füllen – mit Festen, die man „langfristig plant, damit sie richtig schön werden“. Doch es tue sich nichts. Allein ein einziges Hochzeitspaar habe vor Tagen nachgefragt: Man wolle nur standesamtlich heiraten und am Abend im engsten Kreis mit den Lieben zusammensitzen wollen.

Geblieben sind im „Paradies“ die Beerdigungen. Das Kaffeetrinken lasse sich schließlich genauso wenig wie die Beisetzung selber aufschieben. Das Bild von der traurigen Stimmung ist symptomatisch für die Geschäftslage des Cafés.

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