Hauptschulen in Soest geschlossen: Doch geht es wirklich ohne?

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Auslaufmodell: Die Paulischule dreht ihre letzte Runde. Ausgerechnet jetzt taucht die Frage auf, ob nicht vielleicht potenzielle Hauptschüler demnächst die Realschule besuchen könnten, die einen Bildungsgang speziell für diese Schüler einrichten soll.

Soest – Kehrt die gerade erst in Soest abgeschaffte Hauptschule jetzt durch die Hintertür wieder zurück? Es sieht fast danach aus. Die Schulverwaltung prüft derzeit, ob an der Realschule ein „differenzierter Bildungsgang“ für Schüler mit Hauptschul-Empfehlung aufgemacht werden kann. 

Die Idee mit einem Hauptschulzweig hatten die Grünen ins Spiel gebracht. 

Der Anzeiger hatte im Juni über den Fall einer Zwölfjährigen berichtet, deren Leistungen auf der Realschule für einen Verbleib nicht reichten. Sie sollte also die Schule wechseln. Weil die Sekundar- und die Gesamtschule keinen freien Platz für die Quereinsteigerin hatten und die letzte der einst drei Soester Hauptschulen gerade ausläuft und nächstes Jahr geschlossen wird, muss das Mädchen nun jeden Tag den Bus nehmen, um die Schule in Körbecke zu besuchen. 

„Noch haben wir es immer geschafft, Lösungen zu finden, auch wenn die nicht immer den Wünschen der Eltern entsprachen“, sagte jetzt Beigeordneter Peter Wapelhorst im Schulausschuss. Vor Beginn eines jeden neuen Schuljahrs gebe es „offene Fälle“, ergänzte Thomas Nübel, der für Schule und Weiterbildung zuständige Abteilungsleiter im Rathaus. Der Fall mit der Zwölfjährigen sei „zwar nicht schön, aber längst geheilt“. 

Dennoch: Die Herausforderung ist da, sich passende Lösungen einfallen zu lassen. Mal ganz abgesehen davon, dass die Soester Gesamtschule in allen 27 Jahren ihres Bestehens immer mehr Anmeldungen als freie Plätze hat und auch die noch neue Sekundarschule inzwischen von drei auf vier Klassen pro Jahrgangsstufe aufgestockt worden ist, kommen noch die Wechsler hinzu: in diesem Sommer 21 Kinder, in den Jahren davor sogar 29 beziehungsweise 31 untergebracht und beschult werden müssen; außerdem die Kinder aus Familien, die frisch nach Soest gezogen sind und folglich in der Planung zuvor nicht aufgetaucht sind. 

Das Schulgesetz, so Nübel, verlangt von den Schulen, alles zu unternehmen, um die Kinder an den einmal gewählten Schulen zu halten und ihnen einen Wechsel möglichst zu ersparen. „Ich unterstelle, dass die Schulen (mit diesem Auftrag) verantwortungsvoll umgehen“, sagt Nübel. 

Tatsächlich habe man auf Schulleiter-Konferenzen dieses Thema mehrfach behandelt, die Wechselzahlen lagen an Soester Schulen schon mal weitaus höher. Nübel berichtete von „sehr guten Gesprächen“ mit der Christian-Rohlfs-Realschuleüber den Aufbau eines zusätzlichen Bildungsgangs speziell für Kinder mit Hauptschul-Empfehlung. Noch aber ist das Vorhaben nicht perfekt. 

In diesem Jahr haben die Soester Grundschulen 106 Mädchen und Jungen eine solche Empfehlung mit auf den Weg gegeben. Die Mehrzahl von ihnen hat sich einen Platz in der Sekundar- oder Gesamtschule gesucht, manche sind in Bad Sassendorf und Möhnesee untergekommen. 

„Wir müssen jetzt Tempo machen“, verlangte Grünen-Ratsfrau Jutta Maybaum. Bis zum Winter, wenn sich die weiterführenden Schulen in Soest den Viertklässlern präsentieren und danach die Anmeldeverfahren laufen, sollte die Sache geklärt sein. Andre Hänsch (CDU) ist nach dem Bericht Nübels und den darin aufgezeigten Anstrengungen der Soester Schulverwaltung „jetzt ein Stück beruhigter“. 

Edgar Fischer (SPD) verlangte, alles zu unternehmen, um Schüler nicht vom Gymnasium oder der Realschule „abzustufen“. So eine Entscheidung bedeute „eine Demütigung“ für die Betroffenen. Schließlich stecke in jedem mehr Talent, als man vermute.

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