Hans Jürgen Hoeck legt neuen Band zur NS-Kulturpolitik vor

Mehrere dicke Aktenordner füllen das Material, das Hans Jürgen Hoeck für seinen neuen Band zur NS-Kulturpolitik gesammelt hat. – Foto: Dahm

Soest –-„Ich erwarte nicht, dass Kunstliebhaber das Buch lesen. Aber für Wissenschaftler dürfte es interessant sein“, sagt Hans Jürgen Hoeck, kritischer Soester Kunstfreund, akribischer Autor und Sohn des Malers Vollrath Hoeck, über seinen neuen Beitrag zur Kulturgeschichte der Region, über seine 80-seitige Schrift: „Kunstpolitik und Ausstellungspraxis im Nationalsozialismus – Zur Chronologie mit Beispielen für Westfalen“.

Der Band versteht sich als zweite erweiterte Auflage des gleichnamigen Aufsatzes in der Veröffentlichung „Vollrath Hoeck (1890-1968) – Sein Leben als Maler“ von 2010, ist aber gleichzeitig eine Weiterführung der Monografie „Der Kunstring Soest 1935 – 1961 : eine nationalsozialistische Gründung und was daraus Hoecks Interesse für das Thema wurde erneut geweckt, als im vergangenen Jahr die Tagebücher des NS-Ideologen Alfred Rosenberg veröffentlicht wurden. Die Aufzeichnungen von Joseph Goebbels hatte er schon zuvor gelesen. Jetzt wühlte sich Hoeck durch die rund 560 Seiten umfassenden biografischen Aufzeichnungen und konnte einmal mehr die bekannten Kontroversen zwischen den beiden führenden Nazis nachvollziehen.

Vor diesem Hintergrund arbeitete Hoeck seine Befunde erneut auf und erweitere den Radius seiner Nachforschungen. Viele Stunden verbrachte er vor allem im Bochumer Archiv.

Mit dem aktuellen Band will der Autor an Beispielen zeigen, wie die Nazis von 1933 bis 1945 von der Reichsebene über die Landes- und Gauleitungen bis zur kommunalen Ebene die Kontrolle und Zensur der bildenden Künste organisierten und durchsetzten. Alle wurden gleichgeschaltet.

Zu Soest heißt es unter anderem: „In der westfälischen Provinz, in der Kleinstadt Soest [...] verzögerte sich die Organisation des kulturellen Umbruchs im Sinne der Nationalsozialisten. Die zahlreichen Presseberichte über das nationalsozialistische Kunstverständnis und die flankierenden reichsweiten Agitationen und Bildersturmaktionen erklären möglicherweise, dass die Soester städtischen Behörden [...] unsicher darüber waren, was zu tun sei. Sie warteten vielleicht ab, was die sich überschlagende, überregionale Pressepropaganda und die Vorgaben und Ankündigungen der Reichsregierung und der NSDAP auf nationaler Ebene für die zukünftige lokale Organisation von Kunstveranstaltungen an Auswirkungen haben.“

Die Fülle der Daten, Fakten und Zitate, die Autor Hoeck anführt, ist geradezu atemberaubend. Er schöpft aus umfangreichen Kenntnissen und fast unübersehbarem Material, Unter anderem zitiert er die gesetzlichen Vorgaben und die Bestimmungen und Anordnungen zu deren Ausführung, die Grundlage für den von den Nazis gleichschalteten Kunstbetrieb wurden. Zudem hat er für mehr als 50 westfälische Künstler eine Liste ihrer Ausstellungstätigkeit zwischen 1933 und 1944 erstellt.

„Es ist nicht das erste Buch zu diesem Thema“, darüber ist sich der Autor im klaren. Für ihn, Hoeck, sei es auf jeden Fall der letzte Beitrag. Er hofft er, dass er mit seiner Forschung viele neue Aspekte zutage gefördert hat, die langfristig zu einer objektiveren (Kunst)-Geschichtsschreibung führen.

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