Fünf Jahre „Kochpott“ in Soest

Gold-Köchin Gudrun Dröge will Leute mit Essen bei Laune halten

Gudrun Dröge
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Kleine Pause nach getaner Arbeit. Gudrun Dröge sitzt allein am großen Tisch. Gäste darf sie im Lockdown nicht bewirten

Gudrun Dröge hat schon für die deutsche Ruder-National-Mannschaft am Olympia-Stützpunkt in Dortmund gekocht. Seit fünf Jahren begrüßt sie ihre Kundschaft in Soest. Im Lockdown darf sie ihnen nur Essen außer Haus mitgeben. Sie lässt sich etwas einfallen, um sich in der Corna-Krise zu behaupten.

Soest – Mal ein süßer saftiger Apfel als kleines Extra zum Menü in der Tüte, mal ein knuspriger Corona-weg-Keks! „Man muss sich etwas einfallen lassen“, meint Gudrun Dröge, die in diesen Tagen mit ihrem „Kochpott“ am Markt das Fünfjährige in Soest feiert.
Ihre Devise: „Gutes Essen hält Leib und Seele zusammen“, auch – und besonders – in schwierigen Zeiten. Denn: „Wir müssen die Leute bei Laune halten.“ (News zum Coronavirus im Kreis Soest)

Deshalb steht die langjährige Chef-Köchin der deutschen Ruder-Nationalmannschaft in ihrem Tages-Restaurant und trotzt, unterstützt von ihrem Team, der seit Monaten andauernden Krise. Kunden kommen und holen über die Straße ab, was täglich frisch auf der Speisekarte steht.

Doch der gemütliche Tisch am Fenster muss leer bleiben. Gudrun Dröge vermisst den Kontakt zu einem Großteil der Mittagsgäste, die sonst Platz nahmen, um sich die Gerichte aus der leckeren, traditionellen und gehobenen Küche schmecken zu lassen und dann wieder zur Arbeit zu gehen. Die Stadt ist beinahe gespenstisch leer, im Lockdown fehlt die Lauf-Kundschaft. Mitarbeiter der umliegenden Geschäfte, die in der Pause gern zum „Kochpott“ gehen, um Suppe, westfälischen Eintopf, Salat und die anderen beliebten und bekannten Spezialitäten zu bestellen, sitzen zuhause.

Das Stamm-Publikum weiß: Bei Gudrun Dröge geht es familiär, locker und völlig unkompliziert zu. Jeder wird satt, und jeder bekommt das, was er mag, egal, ob er feine, leichte oder lieber handfeste, deftige Genüsse bevorzugt. Eine Fritteuse und eine Tiefkühl-Truhe gibt es im „Kochpott“ nicht. Wie so viele Soester wünscht sich die tatkräftige Gastronomin, die im Moment insbesondere auf Abhol-Station und Liefer-Service baut, den gewohnten Alltag wieder. Sie sagt aber auch: „Ich bin hartnäckig.“ Das bedeutet für sie: Nur nicht den Kopf hängen lassen, sondern kreativ sein. Das komme in Soest gut an, berichtet Gudrun Dröge, die sich an ihrem Standort mitten in der Stadt zwischen Venezia und Engel-Apotheke sehr wohlfühlt.

Gebürtig aus Hamm, gehöre sie zu dem Menschenschlag, der das Herz auf der Zunge trage und im Umgang mit anderen direkt und geradeaus sei, meint sie. Die Soester seien da generell etwas zurückhaltender. „Sie fallen nicht gleich mit der Tür ins Haus“, erzählt sie mit einem Schmunzeln, „es dauert eine Weile, sie zu packen, aber wenn man sie dann einmal hat, dann richtig.“ „Hier möchte ich bleiben“, fügt Gudrun Dröge hinzu und erinnert sich im Rückblick auf einen langen, schweren Weg an die Anfänge 2016 in der kleinen Suppen-Werkstatt in der Brüderstraße. Was sie anbot, ging weg wie warme Semmeln, so dass Kunden sie ermunterten, sich doch zu vergrößern. Sie wussten zu überzeugen, denn 2018 erfolgte der Umzug zum Markt 8.

Mut zum unternehmerischen Risiko und immer wieder neue Ideen sind für die ehemalige „Galeeren-Köchin“ am Olympia-Stützpunkt in Dortmund so wichtig wie die richtige Prise Salz in der Suppe. Deshalb setzt sie gerade mit einem weiteren Projekt auf ein gutes Gelingen: „Goldköchin feat. Meisterkoch“ lautet der Titel: Dahinter steht das Konzept, zu den Leuten nach Hause zu gehen, um bis zu sieben Gänge einschließlich Fingerfood zuzubereiten und im Wohnzimmer zu servieren. Ein Rezept gibt Gudrun Dröge besonders gern weiter. Es lautet: Nicht ewig meckern, denn das nützt überhaupt nichts, sondern nach vorn schauen. Betrachtet sie die bisher durch Corona geprägten Monate, dann stellt sie fest: „Es war arbeitsreich und anstrengend.“ Sie sei aber auch dankbar, etwa dem Vermieter, der Hausbank, dem Stadtmarketing: „Sie alle haben uns nicht im Regen stehen lassen.“ 

Schon über 1000 Mahlzeiten gerettet

„Wir haben bereits fast 1000 Portionen leckeres Essen vor der Vernichtung gerettet“, meldete Gudrun Dröge im vorigen Herbst. Sie macht mit bei „Too Good To Go“. Dabei handelt es sich um eine Initiative, die sich dafür einsetzt, dass überschüssiges Essen noch einen Abnehmer findet, statt weggeschüttet zu werden. Die App ermöglicht gastronomischen Betrieben, übrig gebliebene Speisen zu einem vergünstigten Preis an Selbstabholer zu verkaufen. So müssen Restaurants, Cafés, Supermärkte und Hotels Lebensmittel, die noch gut sind, nicht entsorgen.

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