Großer Teich noch immer verschmutzt

Soester "Milchsee": Empörung nach Ursachenforschung

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Der Große Teich ist noch immer milchig-trüb.

Soest - Der Große Teich gleicht seit drei Wochen einem Milchsee. Doch wenn die Theorie des Landesumweltamts zutrifft, müsste der Teich ab sofort wieder aufklaren.

Denn die Bohrarbeiten auf dem Gelände der alten Thomäschule, die nach Ansicht der Wasserexperten für die Trübung des Teichs verantwortlich sein sollen, sind seit Mitte der Woche abgeschlossen. „35 Röhren sind in den Grund neben der alten Thomäschule gebohrt worden, jede 99 Meter tief“, berichtet der Soester Architekt Horst Holt, der die Arbeiten an der Thomäschule leitet. 99 Meter deshalb, weil Bohrungen ab 100 Metern einer Genehmigung des Bergamts bedürfen. 

Wie berichtet wird das über 100 Jahre alte, unter Denkmalschutz stehende Gebäude grundlegend saniert und zu Wohnungen umgebaut. Daneben entstehen zwei Neubaukomplexe – ebenfalls mit Eigentumswohnungen. Alle drei Häuser sollen künftig die Energie zum Heizen und fürs Warmwasser aus der Erde beziehen; eine Extra-Heizung für den Normalbetrieb ist überflüssig. 

Eine Spezialfirma hat dazu 33 Röhren gebohrt, in denen Wasserschläuche hinabgeführt werden; das durch sie strömende Wasser wird in 99 Metern Tiefe erwärmt und speist die Wärmepumpen für die drei Gebäude. Die letzten beiden Röhren werden mit Messfühlern bestückt, um die Temperaturdaten tief unten im Erdreich zu messen und zu dokumentieren. 

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Zum Bohren der Löcher wird ein Dichtmittel aus Kalzium eingesetzt, so die Auskunft des Landesamts für Umwelt und Naturschutz. Reagiert das Kalzium mit dem im Wasser befindlichen Sulfat, entsteht Kalziumsulfat, besser bekannt als Gips. Und genau diese Lösung sei über die tief in der Erde verlaufenen Wasserschichten bis in den Großen Teich geströmt – und habe dort für den „weißen Anstrich“ gesorgt. Bei der Wasserbehörde beim Kreis spricht man aber nach wie vor von einer „Theorie“. 

Deshalb warte die Behörde gespannt die nächsten Tage ab. Wenn also das Wasser in den kommenden Tagen wieder klar wird und (vor allem) bleibt, sehen sich die Experten in ihrer Annahme bestätigt, so Behördensprecher Wilhelm Müschenborn. „Wir werden das beobachten.“

Auf jeden Fall hätten alle Untersuchungen keinen Hinweis auf eine andere Quelle für den weißen Teich ergeben. Investor Wilhelm Friesleben, der die alte Thomäschule gekauft hat und umbauen lässt, reagiert empört auf die vermeintliche Theorie: „Eine Frechheit; wir bohren seit Januar dort, und erst seit drei Wochen ist das Wasser weiß.“ 

Niemand von den Aufsichtsbehörden habe bis heute das Gespräch mit ihm gesucht. Der weiße Stoff im Teich könnte „von Jotwede stammen“. Das Landesamt hatte nach den ersten Untersuchungen etwaige Schäden ausgeschlossen; beim Kalzium handele es sich um natürlich vorkommende Mineralien, die sich rasch wieder auflösen würden. 

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