Glaskunst von Jochem Poensgen

Der Glaskünstler Jochem Poensgen bei der Arbeit.

Soest - Das schönste Geschenk zum 85. Geburtstag am 30. Juni machen das Vitromusée im schweizerischen Romont und das Deutsche Glasmalerei-Museum im rheinischen Linnich dem Soester Künstler Jochem Poensgen. Mit der Ausstellung „Affinité – Wahlverwandt“ zeigen sie zum ersten Mal in einer gemeinsamen Museumsschau Glasbilder und Hinterglasmalereien des international renommierten Meisters.

Die Idee zu diesem künstlerischen Dialog ist über lange Zeit gewachsen. Ursprünglich wollte man nur dem glasmalerischen Werk eine Einzelausstellung widmen. Aber als sich Poensgen mehr und mehr der Hinterglasmalerei zuwandte, wurde ein neuer Plan gefasst. Zu der Ausstellung ist ein unbedingt empfehlenswerter, zweisprachiger Katalog erschienen mit Beiträgen ausgewiesener Poensgen-Kenner wie dem Kunsthistoriker Holger Brülls, der Hinterglasspezialistin Elisa Ambrosio und ihres Kollegen Yves Jolidon und der Übersetzerin Catherine Dietl sowie von Poensgen selber.

Der Meister selber schreibt zur „Doppelausstellung“: „Jahrelang habe ich das Zustandekommen meiner Beziehung zur (architekturbezogenen) Glasmalerei als Liebesheirat bezeichnet, um deutlich zu machen, dass sie für mich nicht eine zur Absicherung meiner bürgerlichen Existenz geschlossene Vernuftehe ist. Diese Beziehung ist mit den Jahren keineswegs abgekühlt“. Gleichwohl entbrannte er vor rund 15 Jahren in Leidenschaft für die Hinterglasmalerei. Er nennt die se Passion „Libertinage“ und wünscht sich: „Vielleicht kann diese Ausstellung dazu beitragen, Gemeinsamkeiten und Trennendes der beiden Gattungen deutlich zu machen Sie sie entfernte Verwandte?“

In Soest kennt man den gebürtigen Rheinländer vor allem als Gestalter der Fenster in der Hohnekirche, die in den Jahren 1993 bis 2007 entstanden. Die Fenster greifen Details der Wandbemalung auf und lassen aus anderer Perspektive neu erstrahlen. Gerade in dieser romanischen Kirche wird deutlich, was Holger Brülls beschreibt: „Jochem Poensgen gilt vielen als der Konstrukteur, Serialist, Minimalist und Technokrat zeitgenössischer Glasgestaltung . Sein Atelier, ein „Labor von geradezu unheimlicher Aufgeräumtheit“ unterstütze diesen Eindruck.

Brülls kommt zu dem Schluss, dass dieses „ausgesprochen unromantische Image“ zwar einseitig, wenn auch nicht ganz falsch sei. Die Coolness Poensgens sei eine hervorstechende und besonders beeindruckende Facette seiner vielschichtigen Künstlerpersönlichkeit. Die zahlreichen Fotos im Anhang, die zum Teil aus Poensgens Privatarchiv stammen, unterstützen diese Feststellung. Poensgens Biografie, von ihm selber beschrieben, runden das 108 Seiten starke Begleitwerk zur Ausstellung ab. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare