Widersprüchlich

Hohes Fieber - aber keiner will sie testen

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Einen Corona-Test zu bekommen, ist gar nicht so einfach.

Kreis Soest - Elf Prozent aller Corona-Fälle seien bei Menschen in Gesundheitsberufen festgestellt worden, meldet eine große überregionale Tageszeitung. „Sicherlich wären es deutlich mehr, wenn alle getestet würden“, vermutet Sabine Schulte (Name von der Redaktion geändert) nach ihren Erfahrungen.

Die 60-Jährige, die ebenfalls im medizinischen Bereich tätig ist, bekam Fieber, die Temperatur stieg auf 39,5 Grad. Die Frau meldete sich bei ihrem Arbeitgeber krank und erklärte auch den Grund. Der registrierte die Mitteilung zwar, reagierte aber keineswegs alarmiert oder schickte sie gar zu einem Corona-Test. 

Als das Fieber nicht sinken wollte, wurde Sabine Schulte unruhig. Sie arbeitet zwar nicht direkt auf einer Corona-Station, hat aber viel mit allen möglichen Patienten zu tun. Ein Erkennungszeichen für die Infektion mit dem neuartigen Virus kann hohes Fieber sein, wusste sie. Und sie hatte gelernt dass es daneben auch atypische oder gar keine weiteren Symptome geben kann. Also rief sie bei ihrem Hausarzt an und anschließend bei zwei weiteren, berichtete von dem Fieber und ihrer Arbeitssituation, dass sie in einem Gesundheitsberuf tätig ist und mit Kranken zu tun habe. 

Die Auskunft, die sie bekam, war immer die gleiche: Kein Grund zur Sorge, kein Grund für einen Tests, erst mal abwarten. Einmal wurde Sabine Schulte ein Mittel gegen einen Harnwegsinfekt verordnet. Die Nachfrage unserer Zeitung beim Kreis-Gesundheitsamt ergab: Einen definierten, einheitlichen „Kriterienkatalog“, der zwingend zu erfüllen und abzuarbeiten ist, gibt es nicht. Die Behörde richte sich nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI), teilte sie mit. 

In dessen Schriften heißt es aber unter anderem „Infektionen von Mitarbeitern im Gesundheitswesen stellen eine außerordentliche Herausforderung in großen Ausbrüchen wie SARS-CoV-2 dar.“ Der „Leitfaden für den öffentlichen Gesundheitsdienst zum Vorgehen bei Häufung von Covid-19 sagt: „Im Rahmen von Ausbrüchen ist es wichtig, dass auch asymptomatische Personen auf SARS-Cov-2 getestet werden. Gerade in spezifischen Settings wie Alten- und Pflegeheimen oder in Krankenhäusern ist die Fallfindung von großer Bedeutung.“ Daher sollen in solchen Situationen vor allem medizinisches Personal getestet, empfiehlt der Leitfaden.

 Das Kreis-Gesundheitsamt bestätigt, dass jeder Arzt den Test aufgrund der Anamnese und Symptomatik vornehmen kann. Wichtig sei der Testzeitpunkt. Sabine Schulte hat noch immer Fieber. Sie will jetzt abwarten. Was bleibt ihr anderes übrig?

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