Gericht stellt Ticket-Prozess ein - mit Paukenschlag

Heiße Ware: Tickets für Fußball-Spitzenspiele.

SOEST - Der Soester Ticketprozess, der seit zehn Monaten die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Arnsberg beschäftigt hat, ist eingestellt worden. Mit einem Paukenschlag: Die Staatsanwaltschaft reichte eine neue Anklage mit 102 Betrugsfällen ein, die eine weitaus höhere Strafe dem 44-jährigen Angeklagten einbringen könnte, als sie ihm im ersten Verfahren gedroht hatte.

Gerichtssprecherin Dorita Henkel sagte gegenüber dem Anzeiger, die jetzt angeklagten 102 Fälle seien allesamt vom neuen Soester Büro des Angeklagten Michael J. aus eingefädelt worden. Der soll wie auch schon zuvor bei der in Oestinghausen ansässigen Ticket- und Event-Vermittlungsgesellschaft Karten für Konzerte und Fußballspiele übers Internet angeboten, das Geld dafür per Vorkasse eingestrichen und die Karten nicht geliefert haben.

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Um solche Vorwürfe – allerdings nur in drei Fällen – war es auch im ersten Prozess gegangen. Dabei kam noch der Vorwurf der Untreue hinzu: J. soll seinen Lippetaler Arbeitgeber um mehrere hunderttausend Euro betrogen haben. Unter anderem soll er hinter dem Rücken des Chefs eine Lebensversicherung für seinen Arbeitgeber abgeschlossen, die Unterschriften gefälscht und die Provision eingestrichen haben. Weil nun dieser Prozess eingestellt worden ist, dürften die Vorwürfe wohl niemals restlos aufgeklärt werden.

Eigenes Büro verboten: Mutter als Strohfrau

Auf jeden Fall warf der mühsame Prozess um die Ticket-Mauscheleien reichlich Schlaglichter auf die Fußball- und Eventszene. Mehrere Zeugen berichteten von den windigen und fragwürdigen Ticket-Geschäften für beliebte Großereignisse, von den schwarzen Kanälen, durch die oftmals die Eintrittskarten wandern, bis sie am Ende für teures Geld bei den Fußball- und Konzertfans landen – oder eben auch nicht.

Nach der Berichterstattung über den Prozess meldeten sich immer neue Ticket-Interessenten, die ebenfalls berichteten, von J. geprellt worden zu sein. Das blieb natürlich auch der Staatsanwaltschaft nicht verborgen, die den Hinweisen nachging und nun ein Gesamtpaket mit 102 Einzeldelikten geschnürt hat.

Der jetzt erneut Angeklagte ist seit nunmehr 20 Jahren in diesem Ticket-Geschäft aktiv. Unter anderem versuchte er dreimal mit eigenen Agenturen in Unna sein Glück, doch jedesmal endete das Abenteuer mit einer Pleite. Weil er mehrfach vorbestraft ist – unter anderem wegen Betrugs in 16 Fällen – durfte er am Ende auch keinen eigenen Laden mehr aufmachen.

Deshalb heuerte er gleichsam als Angestellter in Lippetal an. Zunächst waren der Chef und sein Ticketverkäufer ein Herz und eine Seele; doch später ging die Kooperation in die Brüche - J. flog raus.

Als der Prozess lief, startete J. mit seinen Tickets dann in der Soester Thomästraße noch einmal durch – auf den Namen seiner Mutter. - hs

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