Gartenserie

Gefahr im Garten: Pilz befällt Kartoffeln und Tomaten - was bei Krautfäule hilft

Die Krautfäule wird durch einen Pilz verursacht. Hat er Kartoffeln und Tomaten erst richtig befallen, besteht kaum noch Hoffnung auf Rettung für das Gartengemüse - oder doch?

Soest – Kartoffeln und Tomaten geht es in diesem Jahr sehr schlecht. Sie werden von der Krautfäule befallen, wie hier schon mal ausgeführt. Ursache ist ein Pilz, der griechisch/lateinisch Phytophthora infestans heißt, was so viel bedeutet wie der gefährliche Pflanzenzerstörer - mit anderen Worten eine Gefahr für den Garten.

PilzPhytophthora infestans
ArtEipilz
BefallNachtschattengewächse
SynonymKraut- und Knollenfäule

Pilz zerstört Pflanzen wie Tomaten und Kartoffeln im Garten - auch das Wetter spielt eine Rolle

Den was sich übertrieben anhört, trifft tatsächlich zu. Hat der Pilz erst einmal richtig Fuß gefasst auf einer Pflanze, gibt es meistens keine Rettung mehr. In diesem Jahr hat der Pilz wegen des feuchtkühlen Wetters ideale Wachstumsbedingungen. Hobby-Gärtner sollten also aufpassen.

Phytophthora stammt aus Amerika und wurde im 19. Jahrhundert in Europa eingeschleppt. 1845 und in den Folgejahren vernichtete er in Irland die gesamte Kartoffelernte und damit das Grundnahrungsmittel der Iren. In Folge starben über eine Millionen Menschen an einer Hungersnot und wanderten mehrere Millionen Iren in die USA aus.

Krautfäule: Rechtzeitig handeln gegen Pilzbefall im Garten

Nun erhebt sich die Frage, ob wir Gartenfreunde diesem Angreifer wehrlos ausgeliefert sind, oder besser gesagt unsere Kartoffeln und Tomaten. Tatsächlich kann man etwas gegen den Befall tun, wenn man rechtzeitig handelt. Für unsere Kartoffeln dürfte es in den meisten Fällen zu spät sein. Dann hätte man schon im Mai/Juni handeln und vorsorglich mehrfach spritzen müssen. Es gibt einige Fungizide, die auch für den Garten zugelassen sind. Ob man Chemie in seinen Garten lassen will, muss man natürlich vorher bedenken.

Unser Hauptaugenmerk sollten wir jetzt auf die Tomaten richten, das liebste Gemüse der Deutschen und deshalb bei Gartenfreunden, die einen Nutzgarten betreiben, besonders hoch im Kurs. Es tut weh, wenn man mit ansehen muss, wie ein solcher Pilz eine ganze Ernte vernichten kann.

Pilz verursacht Krautfäule: Infektion möglichst vermeiden

Zunächst einmal müssen wir einige Vorsorgeregeln beachten, um eine Infektion möglichst zu vermeiden. Ganz wichtig: die Nähe zu Kartoffeln meiden. Der Pilzbefall beginnt in der Regel im Juli immer bei den Kartoffeln und springt dann später auf die Tomaten über. Wir sollten immer auf Hygiene unserer Arbeitsgeräte achten und sie, wenn wir bei den Kartoffeln waren, vorm Einsatz bei den Tomaten sterilisieren (ins Feuer halten, kochendes Wasser, Alkohol etc.). Tomaten müssen regensicher stehen, also sollten wir sie mit einer Haube abdecken oder unter einem Dach anbauen.

Da ist nichts mehr zu retten: Die Tomaten sind von der Krautfäule befallen, werden braun, matschig und ungenießbar. Die Ernte ist vernichtet.

Die unteren Blätter der Tomaten, Haupteintrittspforte für den Pilz, etwa 50 Zentimeter hoch entfernen und in der grünen Tonne entsorgen. Tomaten regelmäßig entgeizen (Seitentriebe entfernen), um Kraftverschwendung zu vermeiden und offene luftdurchflutete Bestände zu haben. Tomatenblätter sollen immer trocken sein. Deshalb auch nur unten das Erdreich vorsichtig gießen, Spritzer vermeiden. Entdecken wir braune Flecken auf Blättern und an Trieben, diese sofort großzügig abschneiden und entsorgen (grüne Tonne, nicht auf den Kompost). Mindestens zweimal pro Woche sollten wir so unsere Tomaten kontrollieren. Sind erst einmal die Stängel befallen, dann gibt es keine Rettung mehr für die Pflanze.

Haben wir erste brauen Flecken entdeckt und entfernt, können wir außerdem die Tomaten mit einem natürlichen Spritzmittel behandeln, einem Tee aus Ackerschachtelhalm. Der ist eigentlich ein im Garten ziemlich lästiges Wildkraut, in diesem Fall aber sehr nützlich. Wir sammeln einen Eimer voll Ackerschachtelhalm und gießen mit Wasser auf, bis alles benetzt ist. Das lassen wir einen Tag stehen und kochen alles am nächsten Tag etwa eine halbe Stunde lang sanft aus. Dann lassen wir den Sud abkühlen, filtern ihn und spritzen damit die Tomaten möglichst morgens ab, damit sie schnell wieder trocken werden. Das wiederholen wir regelmäßig alle drei bis vier Tage.

So geht der beste Schutz gegen Krautfäule bei Tomaten: Sie stehen unter Dach (Folientunnel) mit weitem Abstand (ca. 70 Zentimeter), sind eintriebig erzogen und regelmäßig entgeizt (die Luft kann viel besser zirkulieren), unten entblättert (50 Zentimeter hoch) und werden nur von unten gegossen.

Krautfäule an Tomaten und Kartoffeln: Spritzmittel aus Wasser und Backpulver

Ein anderes Spritzmittel besteht aus Wasser und Backpulver, zwei Päckchen auf einen Liter Wasser. Im Backpulver befindet sich Natron, das macht das Spritzmittel basisch (Ph-Wert höher als 7), was der Pilz gar nicht mag. Ähnlich funktioniert auch das Einstäuben mit Kalkstein- oder Urgesteinsmehl. Diese Mehle sorgen ebenfalls für eine basische Oberfläche auf den Tomatenblättern.

Wir können das Spritzmittel noch verbessern. Dafür benötigen wir für einen Liter Wasser einen gehäuften Esslöffel Natron, einen Spritzer Spülmittel, das die Oberflächenspannung des Wassers aufhebt, und einen Esslöffel Rapsöl. Natron vertreibt den Pilz, das Spülmittel sorgt dafür, dass alle Pflanzenteile benetzt werden, das Öl ist für eine bessere Haftung auf den grünen Teilen zuständig. Gleichzeitig hilft das auch gegen saugende Insekten, die allerdings an Tomaten eher selten sind. Mit diesem Mittel spritzen wir die Tomaten mehrfach ein, aber nicht unbedingt vor der Ernte.

Zukünftig sollten wir unsere Tomaten immer unter einem Dach (Vordach, Gewächshaus, Folienhaus) anbauen, das ist der beste Schutz vor Krautfäule. Außerdem haben Versuche ergeben, dass Tomaten, die in einem Gewächshaus stehen, einen bis zu zehnfach höheren Ernteertrag haben gegenüber Freilandtomaten.

Weitere Folgen unserer Gartenserie mit Experte Klaus Fischer können Sie hier nachlesen.

Rubriklistenbild: © Fischer

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