Gartenserie mit Klaus Fischer

Ohne Regentonne geht es nicht: Mit klugem Wasser-Management im Garten in den nächsten Dürre-Sommer

Gartenserie mit Klaus Fischer Regenwasser
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Irgendwo muss das Wasser ja herkommen, das die Blumen im nächsten Sommer dringend brauchen.

Was sich die meisten vor Jahren nicht vorstellen konnten, wird uns seit drei Jahren drastisch vor Augen geführt: Wasser ist auch bei uns ein kostbares Gut. Wenn wochen- und monatelang der Regen ausbleibt und der Grundwasserspiegel immer weiter absinkt, dann leidet besonders unser Garten.

Soest - Kein Problem, wird sich so mancher denken und den Wasserhahn aufdrehen. Sicher, mit dem Leitungswasser kann man sein Grün auch im trockensten Sommer bewässern. Aber das wird zum einen sehr teuer. Denn wenn im Hochsommer die Sonne so richtig knallt und vielleicht dazu noch ein trockener Ostwind weht, dann verdunstet im Nu das Wasser, noch eh die Pflanzen sich daran so richtig bedienen konnten. Diese Wetterkonstellation hatten wir seit einigen Jahren immer häufiger und extremer. Wir verspritzen dann Unmengen an Trinkwasser.

Und das ist der andere Aspekt: Leitungswasser ist in erster Linie für die Versorgung der Menschen gedacht. Dafür werden große Talsperren gebaut und wird jede Menge Aufwand betrieben, damit wir immer ausreichend Trinkwasser für unsere eigene Versorgung zur Verfügung haben. Im Zweifelsfalle ist das wichtiger als ein grüner Garten.

Regenwasser-Nutzung im Garten: Jede Dachfläche zählt

Wir sollten also jetzt vorsorgen, um möglichst viel Regenwasser für die Bewässerung unserer Beete und Rasenflächen zur Verfügung haben. Sammeln können wir es mit Hilfe unserer Dächer.

Bei vielen Häusern wird die Dachrinne direkt in den Abwasserkanal geleitet. Damit ist es für uns verloren und verteuert obendrein noch die Wasserrechnung. Die Idee ist also, das Wasser der Dachrinnen umzuleiten in große Sammelgefäße. Entweder leiten wir das Fallrohr direkt in ein Regenfass. Oder wir bauen in das Fallrohr einen Filterautomaten oder eine Regenwasserklappe ein.

Dieses blaue Regenfass (links) war früher ein Behälter für Waschlauge in einem Großbetrieb und ist deshalb besonders stabil. Gut zu erkennen ist der Überlauf direkt in den Kanal.

Wenn wir das Fallrohr direkt in eine Regentonne leiten, müssen wir unbedingt einen Überlauf an der Tonne anbringen, der das Regenwasser wieder in die Kanalisation leitet, wenn das Fass voll ist. Ansonsten kann es bei ergiebigen Regenfällen kräftig überlaufen, was schnell zu Wasserschäden am Haus führen kann.

Bei den Klappen oder Filterautomaten gibt es verschiedene Systeme. Die Klappe wird in das Fallrohr gesetzt, das entsprechend der Höhe der Klappe eingekürzt werden muss. Soll das Fass gefüllt werden, klappt man die Klappe einfach herunter. Ist das Fass voll, muss man sie hochklappen, und das Regenwasser verschwindet wieder im Kanal.

Regenwasser-Nutzung im Garten: Behälter aus dem Baumarkkt

Bequemer sind da die Filterautomaten, die bei gefülltem Behälter von selbst das Wasser wieder in den Kanal leiten. Es gibt sogar Systeme, für die das Fallrohr nicht eingekürzt werden muss und die man leicht selber montieren kann. Baumärkte halten ein breites Sortiment an Regenfässern bereit in Größen von 100 Litern bis fast einem Kubikmeter.

Die einfachen sind grün oder grau und werden nach oben breiter. Man kann oben (Überlauf) und unten Ventile (Zapfstelle) montieren. Leichter lässt sich das Wasser abzapfen, wenn das Regenfass auf einem passenden Untergestell steht, dann kann man eine Gießkanne direkt unter den Hahn stellen. Es gibt solche Behälter auch in Schmuckformen, etwa als Säule, Kiste, Baumstamm und vieles mehr – bei entsprechendem Aufpreis.

Regenwasser-Nutzung im Garten: IBC-Tank fasst 1.000 Liter

Günstig ist es, wenn die Fässer nach oben breiter werden (konisch). Sollte es im Winter doch mal strenger frieren und wir vergessen haben, das Fass zu leeren, dann kann sich die Eisschicht leichter nach oben herausdrücken.

Großküchen und andere Betriebe haben oft Fässer, meistens blau, mit 200 oder mehr Litern Fassungsvermögen über, in denen Waschmittel oder andere Chemikalien transportiert wurden. Oftmals kann man solche „Verpackungen“ günstig ergattern, die sich sehr gut als Regenfässer eignen, weil sie sehr stabil sind. Da sie oft aber nicht konisch geformt sind, sondern oben enger werden, besteht bei diesen im Winter die Gefahr des Berstens, wenn wir das Fass nicht geleert haben und das Wasser komplett durchfriert.

IPC-Behälter fassen satte 1000 Liter, sind aber ziemlich hässlich und riesig (1,2x1,2x0,8 Meter). Man braucht entsprechend Platz. Mit einer Holzverkleidung, Gabionen oder einer Hecke kann man sie aber „unsichtbar“ machen.

Wer sehr viel Wasser sammeln möchte, kann auf Gitterboxen auf Paletten zurückgreifen (IBC-Tank). Diese fassen 1000 Liter. Man kann sie neu kaufen oder auch günstig gebraucht bei Industriebetrieben, die große Mengen Flüssigkeiten verarbeiten, etwa die Papierindustrie.

Gitterboxen sind zugegeben „potthässlich. Aber man kann auch Verkleidungen für die großen Behälter bekommen. Man kann auch eine Holzverkleidung selber zimmern, oder man kann Hüllen aus Kunststoffgewebe kaufen, manchmal mit schönen Motiven bedruckt. Inzwischen gibt es auch passende Gabionen, die mit Steinen gefüllt werden, um die IBC-Behälter zu verkleiden.

Regenwasser-Nutzung im Garten: Wie viel Wasser brauche ich im Sommer?

Wie groß sollten Regentonnen sein, damit wir damit gut über den Sommer kommen. Nun, die einfache Antwort ist, so groß wie möglich. Angesichts der Erfahrungen der letzten drei Jahre sollten wir so viel Regenwasser sammeln, wie nur irgend möglich. Eine kleine Beispielrechnung macht deutlich, wie viel Wasser wir im Sommer zum Gießen benötigen. Ich habe auf meiner Terrasse fünf Balkonkästen stehen, die einen kleinen Wassertank haben, damit ich nur einmal pro Woche gießen muss. Jeder Kasten schluckt dann zehn Liter, macht zusammen 50 Liter.

Dann habe ich noch einige Kübelpflanzen, die darauf angewiesen sind, dass wir sie bei großer Hitze regelmäßig gießen. Je nach Kübelgröße gehen dann fünf bis zehn Liter Wasser drauf, bei Extremwetter sogar bis zu 20 Liter. Bei fünf Kübelpflanzen benötigen wir dann pro Woche bis zu 100 Liter Gießwasser.

Regenwasser-Nutzung im Garten: 2.500 Liter Wasser in einem Monat

Dazu kommen dann noch Blumenbeete mit Jungpflanzen, die wir ebenfalls regelmäßig wässern müssen, bis sie gut eingewurzelt sind. Dafür setze ich mal 50 Liter pro Woche an, macht dann zusammen an die 200 Liter Gießwasser pro Woche. Will ich mit meinen Vorräten einen trockenen Monat überbrücken können, muss meine Regentonne schon fast einen Kubikmeter Wasser fassen. Deshalb habe ich in meinem Garten an jedes verfügbare Dach (Wohnhaus, Garage, Gartenhaus, Schuppen, Gewächshaus) Regenfässer angeschlossen, die zusammen 2500 Liter fassen. Leider hat das in den letzten trockenen Sommern nicht gereicht.

Über die Runden bin ich gekommen, weil ich noch eine Regenwasserzisterne im Boden habe, die sechs Kubikmeter fasst. Eigentlich sollte jeder Gartenbesitzer eine solche Zisterne auf seinem Grundstück haben. Am einfachsten ist es, gleich beim Hausbau diese mit einzubauen, wenn der Bagger schon vor Ort ist und alles durchwühlt hat. Will man sie nachträglich einbauen, ist das schon ein erheblicher Eingriff in den Garten, der recht teuer kommt.

Von einer Beton-Zisterne sieht man nicht mehr als einen Deckel im Rasen. Darunter schlummert ein Wasservorrat von sechs Kubikmetern in der Erde.

Zisternen gib es aus Betonteilen oder als Plastiktank. Will man eine anlegen, dann empfehle ich ein Mindestvolumen von 5000 Litern. Nach oben gibt es kaum Grenzen. Diese Zisterne, egal ob Beton oder Kunststoff, benötigt außerdem vorgeschaltet einen Filter, der Laub und andere Verschmutzungen abhält. Außerdem muss die Zisterne an den Abwasserkanal angeschlossen werden für den Fall, dass sie überläuft. Und wir benötigen ein Pumpensystem, um das Wasser aus dem Vorrat im Boden herausholen zu können.

Das kann eine Schwengelpumpe per Hand sein oder eine elektrische, für die dann auch noch ein Stromanschluss fällig wird. Je nach System kostet ein nachträglicher Einbau mehrere tausend Euro. Für eine Amortisation dieser Investition sollten wir mindestens 25 Jahr ansetzen, eher deutlich länger. Aber es geht beim Regenwassersammeln nicht nur ums Geld, sondern vor allem auch um eine Entlastung unserer Trinkwasservorräte. So gesehen lohnen sich jede Zisterne und Regentonne.

Regenwasser-Nutzung im Garten: Zweiter Wasserzähler

Gleich noch ein Tipp: Man sollte beim Wasserversorger nachfragen, ob ein zweiter Wasserzähler möglich ist, der festhält, wie viel Trinkwasser wir abgezapft haben für das Gießen im Garten. Denn üblicherweise wird für jeden entnommenen Liter Trinkwasser auch eine gleich große Menge an Abwasser angesetzt, das mittlerweile oft deutlich teurer ist als das Frischwasser. Alles Frischwasser, das wir zum Gießen nehmen, belastet schließlich nicht den Abwasserkanal.

Im Internet gibt es mehrere Programme, die berechnen, wie groß eine Zisterne (oder allgemein ein Wasservorrat) mindestens sein sollte (Schlagwort für die Suchmaschine: Zisterne berechnen). In diese Berechnung gehen verschiedene Größen ein, wie etwa die Dachfläche, die Grundstücksgröße und auch der Jahresniederschlag am Wohnort. Den kann man im Internet unter wetterkontor.de/Rückblick nachschauen.

Zwei Regentonnen wurden mit einem Schlauch verbunden, was ein Volumen von fast 700 Litern ergibt.

Für Soest beträgt er für die letzten fünf Jahre 650 Millimeter, 100 Millimeter weniger als der langjährige Durchschnitt, der bei 750 Millimetern liegt. Eine einfach Faustregel sagt, dass wir pro 1000 Quadratmeter Garten mindestens fünf Kubikmeter Regenwasser vorhalten sollen, wenn wir auch Büsche, Bäume und Rasen wässern wollen.

Und zum Schluss noch ein Hinweis: Entschließen wir uns tatsächlich für den nachträglichen Einbau einer Zisterne, sollten wir daran denken, dass dann ein großer Erdhaufen anfällt. Den können wir zur Erddeponie abfahren lassen (teuer), oder wir nutzen ihn zur Gestaltung eines neuen Gartenelements, etwa einer Hügellandschaft. Aber das ist eine andere Geschichte.

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