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Frühblüher im Wintergarten: Das blüht alles im Januar

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Garten Serie Frühblüher Winter Januar Gewächse Erklärung
Einen starken Kontrast zum Braun der winterlichen Rotbuchenhecke bilden die strahlend gelben Blüten des beliebten Winterjasmins. © Klaus Fischer

Auch im Winter gibt es Gewächse, die Mitte Januar blühen. Garten-Experte Klaus Fischer gibt wichtige Informationen über die Frühblüher 2023.

Soest – Wenn es einen Monat im Jahr gibt, an dem im Garten gar nichts läuft, dann ist das der Januar. Das zumindest glauben die meisten Menschen. Denn mitten im Winter wächst nichts, keimt nichts, blüht nichts, die Natur ruht, der Boden ist gefroren – manchmal liegt sogar Schnee. Aber das ist zu kurz gedacht. Denn es gibt tatsächlich eine Reihe von Gewächsen, die sich gerade den Winter ausgesucht haben, um zu blühen.

Frühblüher im Wintergarten: Was blüht denn da im Januar 2023?

Eine Erklärung dafür ist nicht ganz einfach. Denn die Blüte einer Pflanze dient eigentlich nur einem einzigen Zweck, nämlich das Fortbestehen der Art zu sichern. Dass wir sie schön finden und uns oftmals an ihrem Duft betören, ist eigentlich überhaupt nicht wichtig für die Pflanze. Blüten sind in erster Linie dazu da, bestäubt zu werden, damit sich der Samen bilden kann. Die meisten Blüten werden von Insekten besucht, allen voran Bienen und Fliegen, die sich an Nektar und Pollen laben und im Gegenzug den Pollen von Blüte zu Blüte transportieren.

Bienen und Fliegen im Januar? Eigentlich haben diese Insekten jetzt auch Winterruhe. Aber es gibt auch milde, sonnige Tage im Januar. Und da kann man tatsächlich schon frühe Insekten sehen. Die allerdings haben ein Problem bei der Futtersuche, da ja so gut wie nichts blüht – außer die wenigen Spezialisten, die somit durch ihre Blüte im Winter der tausendfachen Konkurrenz der anderen Gewächse aus dem Wege gehen. Eine Winterblüte kann also durchaus von Vorteil sein.

Klassische Winterblüher: Christrosen und Lenzrosen gehen „an den Start“ im Garten

Klassische Winterblüher bei den Stauden sind die Christ- und Lenzrosen, erstere mit weißer Blüte, letztere mit dunkelroter, bräunlicher Blüte. Christrosen gehen schon im Dezember „an den Start“, Lenzrosen folgen ab Januar. Derzeit werden sie in den Gärtnereien in verschiedenen Größen und Variationen reichlich angeboten. Wir sollten sie aber nicht ins Haus nehmen, sondern am besten sofort draußen auspflanzen. Das ist problemlos, wenn der Boden offen ist. Das Pflanzloch sollte tief ausgeschachtet werden, die Erde wird mit viel Kompost verbessert. Der Standort sollte halbschattig bis schattig sein. Gerne stehen sie in Nachbarschaft von Büschen, die sie tagsüber beschatten. Natürlich sollte der Standort auch so gewählt werden, dass wir im Winter die ungewöhnliche Blütenpracht bewundern können. Christrosen können locker 30 Jahre am gleichen Standort alt werden.

Einen starken Kontrast zum Braun der winterlichen Rotbuchenhecke bilden die strahlend gelben Blüten des beliebten Winterjasmins.
Auch wenn es friert und schneit, öffnet die Christrose ihre strahlend weißen Blüten. © Klaus Fischer

Weitere winterblühende Stauden sind Schneeheide, Vorfrühlings-Alpenveilchen und natürlich die Klassiker Schneeglöckchen, Krokus und Winterling. Die haben in diesem Jahr schon an geschützten Standorten ihre Blüten seit Tagen geöffnet – die beiden ersten, extrem milden Januarwochen sind der Grund dafür.

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Es gibt neben diesen Stauden auch noch einige Gehölze, die im Winter ihre Blütenpracht entfalten. Derzeit kann man überall in Vorgärten das leuchtende Gelb des Winterjasmins bewundern. Er ist ein Spreizklimmer, was bedeutet, dass er eine Rankhilfe benötigt. Das kann ein Rankgitter aus Holz oder Metall sein. Aber auch in Begleitung von stützenden Heckenpflanzen entfaltet er seine Winterpracht.

Frühblüher im Wintergarten 2023: Duftschneeball im Januar

Ebenfalls bekannt und beliebt ist die Zaubernuss (Hamamelis), die ebenfalls gelb oder auch rötlich blüht mit interessanten fadenförmig geformten Blütenblättern. Sie steht gerne an einem sonnigen Standort, wird bis zu drei Meter hoch und braucht einen lockeren, nährstoffreichen Boden.

Ebenso sollte der Standort für den Duftschneeball (Viburnum farreri) beschaffen sein, der ebenfalls bis zu drei Meter hoch werden kann. Er zeigt nicht nur bezaubernde weiß-rosa Blütenbälle, sondern verströmt auch einen intensiven Duft, wie schon sein Name verrät. Der dient natürlich ebenfalls dazu, bestäubende Insekten anzulocken. Und wir freuen uns selbstredend über diese List der Natur.

Für kleinere Grundstücke ist die Wintermahonie (Mahonia media „Winter sun“) besser geeignet, die bis zu 1,5 Meter hoch wird. Sie bildet ab Januar zahlreiche lange gelbe Blütentrauben. Im Sommer sind ab Juni an dem immergrünen Strauch dann die dunkelblauen Beeren ein Blickfang, während im Herbst das Laub sich gelb-rötlich verfärbt, aber nicht abgeworfen wird. Insekten laben sich an den Blüten, Vögel verzehren gerne im Sommer die Beeren.

Mit bis zu zwei Meter Höhe, ist die Winter-Heckenkirsche (Lonicera purpusii), wenngleich größer im Wuchs, für kleinere Gartengrundstücke geeignet. Sie bringt weißgelbe Blüten hervor, die wie der Duftschneeball ein intensives Aroma verströmen. Gelb blüht die ebenso hohe Chinesische Winterblüte (Chimonanthus praecox). Sie benötigt einen geschützten Standort, weil sie klirrenden Frost mit zweistelligen Minusgraden nur bedingt verträgt. Ihre Blüten sind eine reiche Bienenweide und duften intensiv.

Frühblüher im Wintergarten 2023: Schneekirsche

Die Schneekirsche (Prunus subhirtella „Autumnalis“) öffnet besonders früh in der kalten Jahreszeit ihre Blüten. Wir können sie schon im Dezember bewundern. Je nach Witterung reicht die Blühsaison noch in den Januar hinein, wird aber durch strengen Frost schnell beendet. Dafür gibt es eine Nachblüte im März/April. Die Schneekirsche ist ein Baum, der fünf Meter hoch und breit werden kann, einen nährstoffreichen lockeren Boden benötigt und am liebsten vor Wind geschützt in der Sonne steht.

In den Gärtnereien und Baumschulen erhalten wir die Winterblüher in der Regel als Containerware. Die können wir somit über einen weiten Zeitraum pflanzen. In einer Frostperiode wie derzeit oder auch im Hochsommer sollten wir jedoch von einer Pflanzung absehen.

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