Gartenserie

Erster Nachtfrost: Was jetzt im Beet unbedingt erledigt werden muss

Der erste Nachtfrost hat auch Garten-Experte Klaus Fischer überrascht. Er hat Tipps, was noch schnell in den heimischen Beeten erledigt werden muss.

Soest - Es war eine Überraschung am Sonntagmorgen, beim Blick aus dem Fenster eine bereifte Wiese zu sehen – Überraschung deshalb, weil der Wetterbericht gar keinen Nachtfrost angekündigt hatte. Aber eigentlich sind Nachtfröste Mitte Oktober in unseren Breiten durchaus normal, also für einen Gartenbesitzer keine wirkliche Überraschung.

JahreszeitHerbst
Beginn (astronomisch)22./23. September
Ende21./22. Dezember

Gleichwohl ist es ein erster Warnschuss gewesen, auf den wir reagieren sollten. Denn mit Sicherheit lassen die nächsten Fröste nicht mehr lange auf sich warten. (Alle Tipps vom Garten-Experten)

Erster Nachtfrost: Was jetzt im Beet unbedingt erledigt werden muss

Als erstes sollten wir alles Frostempfindliche ernten, soweit es einigermaßen reif und in Ordnung ist, als da sind Tomaten, Paprika, Gurken, Zucchini, Auberginen, Andenbeeren und andere Südgemüse. Sie sind sehr empfindlich und werden auch durch leichten Frost schon deutlich geschädigt und ungenießbar. Salat ist etwas robuster, wir sollten ihn aber im Auge behalten und ernten, sobald Nachttemperaturen ab minus drei Grad angekündigt werden.

An den Bäumen hängen jetzt fast immer nur noch Äpfel mit Ausnahme der Winterbirnen. Zum einen muss die Nacht schon kälter sein, damit diese zuckerhaltigen Früchte gefährdet werden. Zum anderen spielt auch die Höhe eine Rolle. Die ersten Frostnächte bestehen fast immer nur aus Bodenfrost. Kalte Luft ist schwerer und sinkt zu Boden. Schon einen halben Meter über dem Boden kann es deshalb schon frostfrei sein. So war es auch jetzt – ein Glück für die Dahlien und andere für Kälte empfindliche Schönheiten, die den kalten Morgen schadlos überstanden haben.

Erster Nachtfrost: Winterquartier für Kübelpflanzen

Gedanken müssen wir uns wegen unserer Kübelpflanzen machen. Wir sollten ihr Winterquartier vorbereiten, damit wir sie gegebenenfalls gleich einräumen können, wenn es kälter wird. Viele der aus südlicheren Gefilden stammenden Kübelpflanzen leiden schon bei Null Grad oder sterben sogar ab, also müssen sie unbedingt vorher eingeräumt werden. Idealerweise ist unser Winterquartier frostfrei, kühl, hell und trocken, wobei kühl bedeutet, dass die Temperaturen fünf bis zehn Grad betragen sollten. Ich habe beispielsweise vor Jahren mal versucht, meine Zitrusgewächse in der beheizten Wohnung zu überwintern, was ihnen gar nicht gut bekommen ist. Mit viel Mühe habe ich sie anschließend wieder hochpäppeln müssen. Jetzt gebe ich sie im Winter immer in die Gärtnerei meines Vertrauens zur Überwinterung.

Oleander und Oliven sind etwas robuster und können auch drei, vier Minusgrade ab. Aber wenn die Temperaturen noch tiefer fallen, müssen auch sie rein. Allgemein gilt aber, dass es den Kübelpflanzen draußen besser geht als im Winterquartier, heißt also, dass wir das Einräumen so lange rauszögern sollten, wie es möglich ist – und im Falle eines Falles müssen wir sofort reagieren.

Eigentlich stehen hier 20 Zentimeter hohe Nelken. Das „Franzosenkraut“ oder kleinblütiges Knopfkraut hat die Zierpflanzen aber innerhalb weniger Tage völlig überwuchert und droht sie zu ersticken. Den ersten sehr leichten Frost hat es aber überstanden.

Geranien und Fuchsien können im dunklen Keller überwintern. Die Fuchsien verlieren dann ihre Blätter, treiben aber im Frühjahr wieder aus. Um das Vergeilen der Geranien zu vermeiden, damit sind die langen, hellen und schwachen Triebe gemeint, sollten sie möglichst hell stehen. Alle Überwinterungspflanzen müssen gelegentlich gegossen werden, aber nicht zu viel, um Fäulnis zu vermeiden.

Erster Nachtfrost: Bei null Grad machen viele Pflanzen schlapp

Es gibt einige Zeigerpflanzen, die uns etwas über die Stärke des Frosts aussagen. Bei null Grad machen bei den Kräutern bereits beispielsweise Basilikum und Kapuzinerkresse schlapp. Die Gemüsepflanzen Gurken, Zucchini und Kürbis streichen bei null Grad auch schon die Segel. Bei den Blumen ist es bei dieser Temperatur vorbei bei Fleißigem Lieschen wie auch ihrer Impatiens-Verwandtschaft, Eisbegonien (auch wenn der Name etwas anderes suggeriert) und allen anderen Begonien und den Dahlien natürlich, die allerdings wegen ihrer Größe durchaus mehrere leichte Frostnächte überstehen können. Wir lassen sie stehen, bis der Frost sie regelrecht gefällt hat. Dann müssen ihre Knollen ausgegraben und im Keller überwintert werden. Meine Canna (indisches Blumenrohr) werde ich diesmal im Boden lassen und durch Fichtenreiser schützen. Man wird sehen.

Auch bei den Wild-, Bei- oder Unkräutern gibt es eine Zeigerpflanze. Das Franzosenkraut wächst dort, wo der Boden nährstoffreich und warm ist. Es mag viel Sonne und geht beim ersten Frost sofort ein – eine kleine Genugtuung für den Gärtner. Das einjährige Kraut samt sich nämlich in Unmengen aus und hat die unangenehme Eigenschaft, viele unserer Zier- und Nutzpflanzen zu überwuchern und ihnen Licht und Nahrung wegzunehmen.

Erster Nachtfrost: So viel Unkraut wie selten zuvor

In diesem Jahr wucherte es meinen Garten regelrecht zu, sodass ich beim Unkrautzupfen kaum dagegen ankam. Man kann es allerdings essen. Ursprünglich wurden das kleinblütige und auch das behaarte Knopfkraut, so der richtige Name der beiden Arten, Ende des 18. Jahrhunderts aus Lateinamerika bei uns wegen ihres guten Geschmacks eingeführt. Sie haben sich aber in Windeseile verselbstständigt und inzwischen fast ganz Europa erobert. Da das massenhafte Auftreten mit den Feldzügen Napoleons zusammentraf, wurden sie in der Bevölkerung „Franzosenkraut“ getauft, obwohl sie gar nicht aus Frankreich stammen.

Endspurt bei der Tomaten-Ernte: Klaus Fischer weiß, wie Tomaten haltbar gemacht werden.

Rubriklistenbild: © Klaus Fischer

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare