Uhren laufen ferngesteuert

Zeitumstellung: Mainflingen dreht an Soester Uhren

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Außen alt, innen auf dem neuesten Stand: Auch für das Umstellen der vier Zifferblätter der Petrikirche muss niemand mehr rauf auf den Turm.

Soest -  In vielen Wohn-, Schlaf und Badezimmern wird am Samstagabend oder Sonntagmorgen wieder das große Uhrenvorstellen ebenso lästige wie unerlässliche Pflicht sein. Im öffentlichen Raum geht das deutlich entspannter über die Bühne: Dort laufen die allermeisten Uhren längst ferngesteuert – umgestellt wird vollautomatisch.

 Die große Uhr über dem haupteingang des Soester Bahnhofes ist ein weithin sichtbares Beispiel dafür: Hier muss schon lange niemand mehr die Leiter anlegen, um sie wahlweise vor- oder zurückzustellen – wie immer die aktuelle Zeitrechnung gerade aussieht, sie wird zuverlässig und punktgenau auf dem Zifferblatt angezeigt. Und zwar im harmonischen Gleichklang mit allen anderen Uhren an den Gebäuden der Deutschen Bahn im Bundesgebiet – sie alle bekommen ihre Zeit nämlich von der Mutter aller Mutteruhren aus Mainflingen. 

Mainflingen? Nie gehört? Da wird es Ihnen wie den meisten Deutschen gehen, nicht aber wie Dr. Andreas Bauch. Der arbeitet bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig und erklärt Wissbegierigen nicht nur in diesen bewegten Tagen den Weg, den die Zeit aus dem beschaulichen Ortsteil der Gemeinde Mainhausen in Südhessen bis zum Soester Bahnhof nimmt. 

Supergenaue Zeit

Ziemlich vereinfacht gesagt geht der so: In Mainflingen steht ein Zeitzeichensender, der die meisten Funkuhren in Westeuropa mit supergenauer Zeit versorgt. Vor dort aus, also im Landkreis Offenbach, wird ein Impuls ausgestrahlt, der unter anderem bei der PTB in Braunschweig von Dr. Bauch und seinen Kollegen empfangen und weitergesendet wird. Nicht nur, aber eben auch nach Soest, wo die Bahnhofsuhr dann jeden, der es wissen will, mit der Information versorgt, wie pünktlich (oder auch nicht) der Zug einläuft. 

Bastian Woyczechowski ist der Mann, dem die Reisenden diesen Erkenntnisgewinn ebenfalls zu verdanken haben: Sein Familienunternehmen „Elektro Woy“ war es nämlich, das 2010 im Zuge der grundlegenden Sanierung des damals arg in die Jahre gekommenen Bahnhofsgebäudes die große neue Uhr installierte. 

Wobei sein Auftraggeber da bereits nicht mehr die Deutsche Bahn war, sondern die Soester Wirtschaftsförderung, die das gebäude damals übernommen hatte und wieder auf Vordermann brachte. 

Seitdem hat sich der Elektromeister allerdings nicht mehr um das gute Stück kümmern müssen: „Da muss nichts mehr repariert oder gewartet werden, die läuft von ganz alleine“, weiß er.

Zeiger der Uhren brauchen eine Weile

Und das bezieht sich auch auf die Umstellung der zeit am Wochenende. Wann genau die Uhr die neue Zeitrechnung anzeigen wird ist zwar klar, sie „springt“ von 1.59 Uhr auf 3 Uhr, wie zügig sie das aber hinter sich bringen wird, da kann der versierte Dr. Bauch auch nur raten – das hängt nämlich von der jeweils verwendeten Technik ab, und die ist ihm im Falle der Soester Bahnhofsuhr unbekannt. Relativ sicher ist er aber, dass es ein (mehr oder weniger kleines) Weilchen dauern wird, bis die Zeiger in der neuen Zeit angekommen sind. 

Auch hier kann eine gewisse Vereinfachung nicht schaden: Der Empfänger in der Uhr ist nämlich eigentlich so programmiert, dass er auf die „korrekte“ Zeit, also 2 Uhr, vorrücken möchte. Daher wird ihm digital bereits einige Minuten zuvor mehrfach eine „Fehlinformation“ angekündigt, gut verpackt in die digitalen Signalpakete, bis er die neue Zeit „akzeptiert“ und gleich eine ganze Stunde überspringt. 

Wie zügig die Uhr am Soester Bahnhof das tun wird, das weiß der gute Dr. Bauch nicht – auch das hängt wieder von vielen kleinen technischen Details ab. Grundsätzlich kann es „ziemlich schnell“gehen oder auch „ein Weilchen“. 

Wer rast- und schlaflos ist und in der Nacht von Samstag auf Sonntag nichts besseres zu tun hat, kann sich also gerne auf die Lauer legen und auf 1.59 Uhr warten.

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