Initiative der 14-jährigen Jonnan Biermann:

Friedensmarsch startet in Soest

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Trotz des lauten Glockengeläuts auf dem Petrikirchhof verschaffte Jonna Biermann (Mitte) sich und ihrem Anliegen Gehör.

Soest – „Wir wollen Frieden für alle!“ – das sangen mehr als 100 Teilnehmer eines viertägigen Friedensmarsches, als sie am Sonntagmittag aus Soest in Richtung Meschede auszogen. 

Dass dieser Wunsch ganz besonders die Menschen in Israel und in Palästina einschließt, hat sich die Initiatorin Jonna Biermann auf die Fahne geschrieben. Die 14-Jährige will im Rahmen ihrer Achtklassarbeit an der Soester Waldorfschule ganz besonders auf das Schicksal ihrer (Brief-) Freundin Alaa aus dem Gaza-Streifen aufmerksam machen. „Alaas größte Angst ist es, irgendwann bei einem neuen Krieg unter Trümmern begraben zu sein – ohne dass sich jemand an sie erinnert“, macht die Schülerin klar, warum sie ihre Freundin einer möglichst breiten Öffentlichkeit präsentieren will. Nicht nur das: Sie hofft, dass „viele Menschen meinem Beispiel folgen und auch ganz konkrete Kontakte zu den Menschen dort suchen, ganz konkrete Freundschaften aufbauen“. 

Viele Tränen der Rührung gab es schon zu Beginn, als sich ein Gruppe von 130 Menschen – darunter viele Kinder – auf dem Petrikirchhof im Kreis zusammenfand und eine Viertelstunde lang für den Frieden schwieg. Danach gab’s Gesang, untermalt von Gitarre und Geige – und Jonna fasste Situation und Sichtweise ihrer Freundin noch einmal in Worte: „Ich habe Alaa noch nie gesehen, aber sie ist mir immer sehr nahe.“ Und: „Sie will nicht, dass wir traurig sind, deshalb wünscht sie sich, dass wir viel Spaß haben, singen und auch Witze erzählen.“

Tatsächlich gab es kurz darauf einen Stimmungswechsel. Denn als bei Sonne und Gesang endlich Bewegung in die Gruppe kam, bot sich ein vielfältiges Bild: Hier bunte Fahnen mit der mehrsprachigen Aufschrift „Frieden“, etwas weiter Menschen ins Gespräch vertieft und dort eine singende Pilgerschar. Und als sei es ein Zeichen der Zustimmung, läuteten auch die Glocken des Doms und der Petrikirche. 

Zur guten Stimmung trugen auch die organisatorischen Kleinigkeiten bei. Kekse mit Friedenszeichen aus Schokolade etwa; ein Gepäck-Anhänger, der Schweres zur Übernachtungsstelle, Leichtes wie Tee und Gebäck für alle zur Pausenstelle bringt; oder die Idee eines gemeinsamen Singens, an dem auch Menschen in Israel und Palästina teilnehmen.

„Gut, dass es nach all dem Organisieren endlich losgeht“, meinte Jonna Biermann. Und: „Jetzt kann ich nur noch hoffen, dass alles gelingt.“ 

Die Chancen dafür jedenfalls stehen gut. Und weil Alaa zwar nicht körperlich, dafür aber in Gedanken ständig präsent ist, dürften sie und ihr Schicksal vorm Vergessen gerettet sein.

Stationen

Am Sonntagabend erreichen die Teilnehmer des Friedensmarsches mit der Turnhalle in Möhnesee-Völlinghausen das erste Nachtquartier. Am Montag geht es weiter in die Schützenhalle nach Hirschberg und am Dienstag soll mit der St.Walburga-Kirche in Meschede das letzte Nachtquartier erreicht werden. Am Mittwochvormittag soll es dann noch eine Abschlusskundgebung geben, ehe der Friedensmarsch endet.

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