Am Ende gibt es sogar einen Dialog:

"Fridays for future"-Aktivisten sorgen für Sitzungsunterbrechung im Kreishaus

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Erst verklebt, dann im Dialog: Sören Meffert, Nikola Miethe (oben rechts), Lea Wilhelm und Noura Hammouda (unten rechts) kamen mit den Politikern ins Gespräch. Zur Vollansicht oben rechts klicken.

Soest – Was passiert, wenn jugendliche Ungeduld auf etablierte Verwaltungsstruktur trifft? Oder anders formuliert: Was geschieht, wenn sich die heimische „Fridays for future“-Gruppe und der neue Klima-Kreisunterausschuss begegnen? Die Antwort: Trotz anfänglicher Abwehrhaltungen lernen sich alle kennen – und am Ende gibt es sogar einen Dialog.

Der Besuch des „Unterausschusses für Energie und Klima – Digitalisierung und Innovation“ des Aktivisten-Quartetts am Montagabend im Soester Kreishaus begann mit einer ersten Hürde: Schon am Eingang mussten die Jugendlichen ihre selbst gebastelten Plakate abgeben. Mitnehmen verboten!

Weil sie in der Sitzung eigentlich nicht gehört werden sollten, klebten sich Sören Meffert, Nikola Miethe, Lea Wilhelm und Noura Hammouda aus Protest mit Klebeband den Mund zu – und positionierten sich auf den Zuschauerstühlen des Sitzungssaales. Da hörten sie sich eineinhalb Stunden geduldig die Erkenntnisse zum Thema E-Mobilität und ÖPNV an, ehe nach einem Einwurf von Ulrich Vennemann (Grüne) der Unterausschuss-Vorsitzende Matthias Ruthemeyer (CDU) ein Einsehen hatte: Mit dem Einverständnis aller anwesenden Lokalpolitiker unterbrach er die Sitzung, um den Aktivisten nun „während einer zehnminütigen Pause“ doch noch das Wort zu erteilen.

„Lasst und gemeinsam die Zukunft gestalten“, forderte Noura Hammouda alle Anwesenden auf. Dann forderte sie den Ausruf des Klimanotstandes und ganz persönlich an alle Anwesenden richtete sie den Appell, sich in Sachen Klima zu bilden und dann mutige Entscheidungen zu treffen.

So richtig in Gang kam der Dialog, als Sören Meffert in die Runde fragte, wie man die Soester „Fridays for future“-Bewegung wahrnehme. Hans-Joachim Kayser (SPD) lud zum Fraktionsgespräch und warnte davor, dass die Bewegung schon bald wieder schwächer werden könnte. „Versucht das zu stabilisieren, aber wie weit das trägt, das ist die Frage.“

Serie: Unsere Umwelt

Michael Luig (CDU) verwies auf die Arbeit im gerade tagenden Ausschuss, meinte: „Die Dinge werden angefasst und wir haben schon eine Menge getan. Ich freue mich auf die Diskussion mit Euch auf parteipolitischer Ebene.“ Weil er für seine Enkel alles tue, lud auch Guenter Muenzberger (FDP) zum Austausch: „Ihr seid ungeduldig und wollt, dass wir das umsetzen. 

Aber wir müssen das in unseren Gremien von allen Seiten betrachten.“ Ulrich Vennenmann (Grüne) hielt dagegen, dass man sich doch von der „Ungeduld der jungen Leute anstecken lassen“ solle. Inga Schubert-Hartmann (SPD) bedankte sich für die Sitzungsunterbrechung, lobte den Mut der Gruppe. Und Brigitte Siebken (Die Linke und SO!) freute sich, weil die jungen Leute mit ihren Aktionen „das Bürgertum wieder aufgerüttelt haben“. 

Am Ende lud Noura Hammouda noch einmal dazu ein, gemeinsam mutig zu sein. Und während die Sitzung mit dem nächsten Punkt auf der Tagesordnung weiterging, verließen die „Fridays for future“-Aktivisten die Sitzung –und holten sich am Eingang ihre Plakate wieder ab.

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