Polizei war eingeweiht und findet klare Worte

200 Friday-for-Future-Aktivisten gehen in Soest mitten auf die Straße

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Manche hatten ihr halbes Wohnzimmer angeschleppt.

Soest - Einmal nicht auf dem (ohnehin autofreien) Markt, sondern mitten auf der Straße am Jakobitor haben 200 Aktivisten von Friday for Future am Freitagnachmittag für mehr Anstrengungen in der Klima-Politik demonstriert.

Es blieb absolut friedlich, zumal die Polizei die „No-go-Area“ direkt am Wall weiträumig für den Autoverkehr abgesperrt hatte. Dennoch: Eine Handvoll Autofahrer ignorierte am Binnerwall die halbstündige Blockade und versuchte, sich durch die quergestellten Streifenwagen zu mogeln. 

Die große Masse aber bog friedlich-freundlich nach links oder rechts ab, ohne die Konfrontation zu suchen. 

Am Ende auch "den Ignoranten den Ar... retten"

Stichwort Ignoranten. Aktivistin Madee Pande fand harsche Worte für ihre Mitmenschen, die sich abseits stellen und womöglich den Klimawandel leugnen. „Es ist jetzt Zeit zu handeln“, am Ende werde man auch den Ignoranten den „Ar... retten“. Mitten auf der Straße zu stehen, so Aktivist Joscha Ellersiek, mache sich richtig gut, zumal es sich gerade anbiete, die Soester Altstadt nicht mit dem Auto, sondern mit dem Rad zu erobern. 

Sitz-Demo in Soest: Die Fotos

Sitz-Demo am Jakobitor

Aber bitte: „Wir stehen hier nicht für eine autofreie Innenstadt“, sondern nur für eine autoarme. Denn natürlich gebe es Menschen, die zu schleppen hätten oder körperlich nicht in der Lage seien, ohne Auto Wohnung und Läden zu erreichen. 

Die Demo am Jakobitor jedenfalls strahlte bei allen klaren Ansagen viel Gemütlichkeit aus: Die (meist jungen) Demonstranten hatten von Teppichen und Stehlampen bis hin zu leckerem Kuchen so ziemlich alles angeschleppt und auf dem Asphalt aufgebaut, was an Wohnzimmer-Atmosphäre erinnert. 

Die Soester Polizei war seit Tagen in die Aktion eingeweiht, sagt ihr Sprecher Holger Rehbock. Demonstranten und Ordnungshüter hätten sich vorab an einen Tisch gesetzt und Ort und Zeit exakt besprochen. Den Verkehr aufzuhalten, sei in diesem Fall keine Nötigung, sondern „im Rahmen des Demonstrationsrechts“ durchaus legitim. 

Polizeisprecher findet klare Worte

Das Bundesverfassungsgericht habe dies wiederholt in seiner Rechtsprechung klargestellt. Rehbock: „Was wäre das auch für ein Protest, wenn alle im Wald stehen, niemanden dort stören, aber auch von niemandem wahrgenommen würden?!“

Straßensperre fürs Klima – ist das okay?

Wer sich (aus welchen Gründen auch immer) um die Friday-for-Future-Demos bislang nicht sonderlich scherte, konnte einen großen Bogen um die Aktion auf dem Markt machen. Seit Freitag ist das anders. 

Wer am Nachmittag mit dem Auto von Westen her in die Stadt wollte, kam an den Demonstranten buchstäblich nicht mehr vorbei. Die Polizei hält das für rechtens und verhältnismäßig, die Meinung der aufgehaltenen Autofahrer aber ist gespalten. 

Wie sehen Sie das? Dürfen Straßen besetzt werden? Demnächst vielleicht auch Läden und Kaufhäuser, die nicht auf Öko stehen? Bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung an stadtredaktion@soester-anzeiger.de!

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