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Frauenberatungsstelle: „Die Gender-Pay-Gap ist eine Form von struktureller Gewalt“

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Von: Wissam Scheel

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Aufmerksam machen und sensibilisieren wollen die drei Beraterinnen der Frauenberatung Soest (v.l.) Lena Sauerland, Sawina Kordistas, Barbara Batzik gemeinsam mit der leitenden Pfarrerin der Frauenhilfe in Westfalen, Birigt Reiche, anlässlich des Tages gegen Gewalt an Frauen.
Aufmerksam machen und sensibilisieren wollen die drei Beraterinnen der Frauenberatung Soest (v.l.) Lena Sauerland, Sawina Kordistas, Barbara Batzik gemeinsam mit der leitenden Pfarrerin der Frauenhilfe in Westfalen, Birigt Reiche, anlässlich des Tages gegen Gewalt an Frauen. © Peter Dahm

Die Beraterinnen und die leitende Pfarrerin der Frauenberatungsstelle im Kreis Soest erläutern ihr Anliegen und äußern ihre Meinung. Demnach sei Gewalt vielschichtig, es gäbe viele Arten davon und es sei weiterhin ein gesellschaftliches Problem.

Kreis Soest – „Die Nachfrage war vom ersten Tag an sehr groß. Da merkten wir sofort, wie sehr ein solches Angebot hier im Kreis Soest vermisst wurde“, berichtet Lena Sauerland, Beraterin in der Frauenberatungsstelle in Soest. Sie will gemeinsam mit Barbara Batzik und Sawina Kordistas sensibilisieren, auf das Problem aufmerksam machen, „dass zwischengeschlechtliche Gewalt kein privates, sondern ein öffentliches Problem ist“. Die Frauenberatung Soest bietet seit dem 1. Dezember 2020 ein Angebot für alle Frauen und Mädchen ab 16 Jahren an. Im April dieses Jahres wurde diese um die Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt erweitert.

Die Gender-Pay-Gap ist eine Form von struktureller Gewalt.

Manuela Schunk, Referentin der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen

Tag gegen Gewalt an Frauen: Sexualisierte Gewalt

Jede dritte Frau in Deutschland hat bereits sexualisierte Gewalt erlebt. Das geht aus einer Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahr 2004 hervor. Es brauche mehr Aufklärung, damit Betroffene sich trauten, zur Beratungsstelle zu kommen, erklärt Batzik. Das Thema Gewalt sei häufig mit Scham besetzt und ziehe sich durch jede Gesellschaftsgruppe, erläutert Batzik weiter. Es sei wichtig zu verstehen, dass Gewalt sehr komplex ist: „Für viele Frauen ist es schwierig, sich beispielsweise von ihrem gewalttätigen Ehemann zu trennen“, sagt Sauerland.

Tag gegen Gewalt an Frauen: Unterschiedliche Gründe

Die Gründe dafür seien meist vielfältig, weiß Birgit Reiche, leitende Pfarrerin der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen. Ökonomische und emotionale Abhängigkeiten spielten demzufolge eine große Rolle. Andererseits stellten familiär begründete Ängste vor den Folgen einer Trennung eine Begründung dar; besonders falls gemeinsame Kinder im Spiel seien, äußert sich Reiche. Wegschauen ist für sie keine Lösung, verschärfe die Problematik eher: „Es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit dafür sensibilisiert wird und dass Anlaufstellen für alle betroffenen Frauen und Mädchen geschaffen werden“, betont die Pfarrerin.

Tag gegen Gewalt an Frauen: Unterschiedliche Arten von Gewalt

Es gebe viele unterschiedliche Arten von Gewalt; nicht nur die körperliche, wie häufig vermutet werde. Eben das sei ein Indikator dafür, dass das Problem gesellschaftlicher Art sei, sagt Reiche. Neben der körperlichen und psychischen Gewalt gebe es viele weitere Formen: Eine wirtschaftliche Abhängigkeit vom Mann sei demnach ebenfalls eine Form von Gewalt. Manuela Schunk, Referentin der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen, ist davon überzeugt, dass beispielsweise die so genannte „Gender-Pay-Gap“, also das geschlechtsspezifische Lohngefälle zwischen Mann und Frau, eine Form struktureller Gewalt sei.

ORANGE DAYS: Ein Zeichen gegen Gewalt

Der 25. November ist der Tag gegen Gewalt an Frauen - und der Auftakt zu den „Orange Days“. Das Motto der Orange Days in diesem Jahr lautet: Stopp Gewalt gegen Frauen! Die Aktionstage finden bis zum 10. Dezember, dem internationalen Tag der Menschenrechte, statt. Die Farbe Orange steht dabei symbolisch für eine gewaltfreie Welt. Die von „UN Women“ initiierte Kampagne soll Mut machen, ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen und auf Hilfsangebote wie etwa Frauenhäuser oder das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ aufmerksam machen. Die Farbe Orange steht dabei symbolisch für eine gewaltfreie Welt für Frauen und Mädchen. UN Women ist die Einheit der Vereinten Nationen, die sich für die Gleichstellung der Geschlechter einsetzt. Weiterführende Informationen sind im Internet unter der Seite www.unwomen.de zu finden.

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