Nach Machtwort von Papst Franziskus

Frauen in der katholischen Kirche: "Bockigkeit hilft nicht weiter"

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In und rund um die katholischen Kirchen wie dem Soester Patroklidom wird derzeit heiß diskutiert.

Kreis Soest – Das letzte Machtwort des Papstes empfinden viele Frauen in der katholischen Kirche als Schlag ins Gesicht: weiterhin keine Lockerung des Zölibats, weiterhin keine Frauen als Priesterinnen oder als Diakoninnen.

Gründe, aus der katholischen Kirche auszutreten, gibt es eh schon genug: Für die einen ist die Kirchensteuer, für die anderen der Missbrauchskandal. Wieder andere kritisieren eben den frauenfeindlichen und patriarchale Ton der Kirchenoberhäupter. Wie etwa Mechthild Wohter, geistlicher Beistand in der kfd der Soester Heilig-Kreuz Gemeinde. Sie machte ihrer Enttäuschung bereits in einem Leserbrief Luft. Ergänzend dazu meint sie: „Ich bin der katholischen Kirche und meiner Gemeinde wirklich sehr verbunden und werde den Synodalen Weg in den kommenden zwei Jahren auf jeden Fall noch begleiten.“ 

Mit dem von den Frauen initiierten Kirchenstreik „Maria 2.0“ lehne man sich bereits weit aus dem Fenster und erwarte nun konkrete Handlungsschritte: „Erfolgen die nicht, so kenne ich genügend Frauen in meinem Umfeld, die mit dem Gedanken an einen Kirchenaustritt spielen.“ 

An der angeblichen Unfehlbarkeit des Heiligen Vaters haben die Frauen nach seinem Basta in allen Pfarreien ihre Zweifel, wie in Gesprächen deutlich wird. Doch der Umgang damit fällt selten so drastisch auf wie in Heilig Kreuz – und das liegt vor allem am Altersdurchschnitt. 

Besonders hoch ist der in Bad Sassendorf. Marlies Brune von der kfd St. Bonifatius hierzu: „Nur eine Handvoll von uns ist jünger als 60. Die Älteren hängen an den Traditionen.“ Dass es so nicht weitergehen dürfe, sei jedoch klar, nicht allein aus Gründen der Gleichberechtigung: „Wo will die Kirche denn die Männer noch herbekommen? Dass er irgendwann nicht mehr ums uns Frauen herumkommen wird, das muss auch ein Papst irgendwann endlich erkennen.“ 

Das werde ihre Generation allerdings wohl nicht mehr erleben, meint Sabine Hornkamp, Vorsitzende der St.-Antonius-Gemeinde Wickede. „Wir sind eine sehr große Gemeinschaft, doch von unseren 750 Frauen sind 400 jenseits der 70. Sie glauben doch nicht, dass die austreten und auf die Sakramente verzichten würden? Auch ich würde das nicht wollen. Und wenn die Jüngeren aus der Kirche austreten, dann treten die Älteren aus Protest gegen sie aus der kfd aus.“ 

Das sei ja kontraproduktiv, denn die Arbeit müsse schließlich getan werden. Doch auch die Umstände in den Gemeinden spielen eine Rolle: „In Wickede leben wir in einer Komfortzone. Denn mit Thomas Metten haben wir einen sehr weltoffenen Pfarrer, der uns freie Hand lässt.“ Dies sei nicht selbstverständlich, einer seiner Vorgänger habe darauf bestanden, zu jedem Handschlag der Frau erst sein Ja und Amen zu geben. „Aber mit Renitenz und Bockigkeit erreicht man doch nichts“, fährt Hornkamp fort. „Auch wenn das, was der Papst da geäußert hat, unterirdisch ist. Doch ich habe den Eindruck, selbst er kann nicht frei sagen, was er will. Der hat auch seine roten Eminenzen im Rücken.“ 

Für „kleine Schritte“ spricht sich auch Anne Billecke, Sprecherin der kfd St. Walburga Werl, aus. „Das Bodenpersonal ist eben mal mehr und mal weniger reformfreundlich, manche wollen alles so lassen, wie es ist. Damit müssen wir leben, aber wir können unsere Wünsche aussprechen. Doch wenn die Kirche sich nicht den jüngeren Generationen öffnet, dann wird es sehr eng für sie werden.“

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