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Soester CDU-Frauen wollen Team statt Quote

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Von: Kathrin Bastert

Fraktionssitzung der CDU Baden-Württemberg
Die CDU muss sich neu ausrichten. Die Frauen in der Union fordern ihren Anteil. © Marijan Murat

Welche Rolle sollen eigentlich die Frauen künftig in der CDU spielen? Wenn es nach der Bundesvorsitzenden der Frauenunion, Annette Widmann-Mauz geht, eine große.

Soest – „Die Neuaufstellung der CDU Deutschlands kann inhaltlich, personell und strukturell nur mit den Frauen in der Partei gelingen“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Elke Koch ist Vorsitzende der Frauenunion in Soest und eine der stellvertretenden Vorsitzenden auf Kreisebene. Sie sei mit Widmann-Mauz einer Meinung, gleichwohl sei sie „persönlich nicht der Ansicht, dass man Frauen nach vorne schieben sollte, wenn es nicht passt.“ Vielmehr müsse es darum gehen, Konzepte zu entwickeln, um junge Frauen für die Politik zu gewinnen.

Helena Brüggemann führt seit Mitte des Jahres den Soester CDU-Stadtverband. Sie betont, „kein Fan der Frauenquote“ zu sein. „Ich sehe da aber kein Problem, weil wir viele gute Frauen haben.“

Es gehe also nicht darum, die „Eigenschaft Frau“ nach vorn zu stellen. Viel wichtiger: „Ein ausgewogenes Verhältnis, weil ausgewogene Teams leistungsfähiger sind.“ Überhaupt, sagt Brüggemann, wünsche sie sich, dass sich die CDU „bald mal wieder mit Inhalten beschäftigt und nicht mit Personaldebatten“.

Wen sie selbst sehe, der oder die so eine inhaltliche Debatte anführen könnte? „Ich spekuliere nicht über Namen“, sagt die CDU-Politikerin, „ich weiß, dass wir gute Frauen und Männer haben.“ Im Vorstand des Stadtverbands jedenfalls habe es keine Rolle gespielt, ob jemand Frau oder Mann sei. „Wir haben geguckt: Wer möchte sich engagieren? Dann haben wir ein gutes Team aufgestellt.“

Neben der Vorsitzenden Brüggemann ist mit Heidrun Müller auch der Posten der Geschäftsführung weiblich besetzt, Carina Tietz als Sprecherin und Margret Leifert als Schriftführerin gehören ebenfalls dem geschäftsführenden Vorstand an. Im Kreisverband Soest sitzen drei Frauen im Vorstand, dazu, qua Amtes, die Landrätin. Unter 25 Beisitzern seien zehn Frauen, sagt Kreisgeschäftsführer Guido Niermann. 28 Prozent der 3277 CDU-Mitglieder im Kreis Soest seien weiblich.

Christiane Mackensen engagiert sich seit zwei Jahrzehnten in der Soester Politik. „So katastrophal finde ich die Frauensituation in der CDU nicht“, sagt die stellvertretende Bürgermeisterin – „und in Soest schon gar nicht!“ Die Rolle, die die Frauen in der Partei spielen, müsse „von der Basis raufwachsen“.

„Nicht erzwingen“

Sie sehe durchaus einen Wandel, „den man auf gar keinen Fall erzwingen darf“, ist auch Mackensen „nicht für die Quote.“ Politisches Engagement müsse in gewisse Lebensphasen passen.

Je mehr Männer auch in Familienzeit gingen, desto mehr werde sich der Anteil von Frauen und Männern im Politikbetrieb künftig angleichen. Elke Koch berichtet von ihrer Teilnahme am Landesdelegiertentag. Sie sei „positiv überrascht gewesen, wie viele junge, engagierte Frauen wir haben“, sagt sie. „Viele, die da jetzt kommen, sind noch nicht so bekannt.“ Ein leuchtendes Beispiel für die gute Arbeit der Frauen in der CDU sei NRW-Ministerin Ina Scharrenbach. Sie sei bei der Ministerpräsidentennachfolge zwar aus dem Rennen, weil sie kein Landtagsmandat habe – „aber ihre Zeit wird kommen, da bin ich 100-prozentig sicher.“

Die Zukunft der Frauenunion im Kreis Soest können die CDU-Frauen gerade jetzt aktiv mitgestalten: Kommende Woche steht eine Mitgliederversammlung an, bei der sich die Vereinigung neu aufstellen wird. „Auch unsere Arbeit hat zuletzt unter Corona gelitten“, sagt Elke Koch.

„Ich will, dass sich junge Frauen in der Politik engagieren“, fordert Helena Brüggemann passende Rahmenbedingungen: „Familie, Beruf und Ehrenamt müssen miteinander vereinbar sein, dann bringen sich die Frauen auch ein.“ Christiane Mackensen wünscht sich für die Zukunft der CDU vor allem Menschen, „die auch im Berufsleben stehen. Das ist viel wichtiger als das Geschlecht.“ kab

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