Konfirmationen und Kommunionen

Kirchlicher Unterricht läuft im Lockdown digital - doch die Gemeinschaft fehlt

Fraglich ist, ob Konfirmationen und Kommunionen in diesem Jahr zu den geplanten Zeitpunkten stattfinden können.
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Fraglich ist, ob Konfirmationen und Kommunionen in diesem Jahr zu den geplanten Zeitpunkten stattfinden können.

Wäre kein Corona, stünde es fest, dass die Jungen und Mädchen der katholischen Kirchengemeinden am Weißen Sonntag ihre heilige Erstkommunion empfangen würden. Das wäre in diesem Jahr der 11. April. Auch die evangelischen Kirchengemeinden würden im April und Mai ihre Konfirmationen feiern. Doch wie sieht es in Zeiten von Corona und Lockdown aus? Und wie werden zurzeit der Konfirmandenunterricht und die Kommunionvorbereitungen organisiert? Der Anzeiger hat sich in den Gemeinden umgehört. „Normale Gruppenstunden finden nirgendwo statt, das ist klar“, sagt Propst Dietmar Röttger. Die Kommunionvorbereitung findet, wie alles Unterrichtliche, zurzeit digital statt.

Soest - „Die Kinder kommen aber zu kurzen Weggottesdiensten in die Kirchen, auch in der Advents- und Weihnachtszeit besuchten sie Messen“, so der Propst. In den kommenden Wochen will man mit Mitgliedern des Pastoralen Raums, den Katecheten und Eltern darüber sprechen, ob man am Termin für die Kommunionen festhalten kann. „Man weiß ja heute nicht, wie sich die Corona-Zahlen entwickeln“, meint der Propst. Im vergangenen Jahr wurden die Kommunionen auf August und September verschoben. Vielleicht müsse man das in diesem Jahr auch tun.

Normalerweise bekommen die Jungen und Mädchen kirchlichen Unterricht im dritten Schuljahr an ihrer Schule. Einmal in der Woche nachmittags erhalten sie zum Beispiel im Patroklushaus Kommunionvorbereitung. Diese übernehmen häufig Eltern, die Katecheten. Gemeindereferent Detlev Gethmann leitet die Kommunionvorbereitung auch für St. Patrokli. Er sagt: „Einige Eltern sind digital sehr fit, sie haben Online-Treffen mit ihren Kommuniongruppen organisiert. Die sind dann zeitlich auf eine halbe Stunde reduziert, aber immerhin. Die Kinder kommen damit jedenfalls sehr gut klar und sind auch sehr fit.“ In den Videogruppen wird gebetet, gesungen, spielerisch werden Rätsel gelöst, man spricht über die Erfahrungen der Woche und bespricht Bibeltexte. Es wurde auch Arbeitsmaterial verteilt, das die Kinder zu Hause mit Blick auf Glaube und Kommunion bearbeiten. „Man bleibt in Kontakt, Anfang Februar treffen wir uns wieder in einer Videokonferenz“, so Gethmann. Dennoch: „Die Gemeinschaft fehlt“, betont auch Propst Röttger. „Dass keine Nähe, keine Kirchengemeinschaft stattfinden darf, dass trifft uns im Kern unserer Aufgabe.“

Treffen der Messdienergruppen können derzeit auch nicht stattfinden, die mussten auf ein geselligen Messdiener-Wochenende in Hardehausen, das für Dezember geplant war, verzichten. Propst Röttger: „Die Ausbildung der neuen Messdiener nach der Kommunion im Herbst haben wir gerade noch geschafft. Und die dürfen auch dienen bei der Messe.“

Ganze acht Wochen konnte der Konfirmandenunterricht an der evangelischen Petri-Pauli-Gemeinde stattfinden. Dann machte der Lockdown einen Strich durch die Rechnung. Die Konfirmationen wurden 2020 von Mai auf den Spätsommer verschoben, danach begann der Unterricht für die neuen Konfirmanden. Die Pfarrer kommunizieren digital mit den Jugendlichen, nehmen Videos auf und versenden diese. „Die Konfirmanden erhalten von mir Aufgaben, die sie digital lösen und bearbeiten“, sagt Petri-Pauli-Pfarrer Bernd-Heiner Röger. „Dabei sind richtig tolle Sachen herausgekommen.“ Die Jugendlichen sollten zum Beispiel Texte und Fotos zu Themen wie „Wofür bin ich dankbar?“, „Toll, dass es das gibt“, Lob, Dank, Klage und Fürbitte erstellen. „Die Konfis sind da sehr kreativ und haben tolle Montagen erstellt. Da sieht man, manche reden nicht so gerne, haben dafür aber andere Talente“, so Röger. Er plant, die Montagen in der Petrikirche auszustellen. Die Konfirmanden hätten auch 20 Plakate zum Thema Wünsche zu Weihnachten und dem neuen Jahr erstellt. Diese Plakate kann man sich im Infokasten vor dem Petrushaus ansehen. Röger bilanziert den Konfirmandenunterricht im Lockdown: „Es ist nicht nichts, funktioniert aber anders und viel individualisierter. Wir gehen neue Wege“ Jeder sitze zu Hause allein vor dem Rechner oder dem Smartphone, die Gruppe fehle und vieles, wie die beiden Freizeiten und die Praktika in Kitas oder Altenheimen, die nicht stattfinden können, werden vermisst. An den Konfirmationen, die regulär Ende April und im Mai stattfinden sollen, hält die Kirchengemeinde derzeit noch fest.

„Bei uns stehen die Konfirmationen erst im Juni an, so dass wir diese hoffentlich auch zu dem Zeitpunkt durchführen können“, sagt Kai Hegemann von der evangelischen Emmaus-Gemeinde. Nach den Sommerferien sei der Konfirmandenunterricht gestartet unter anderem mit einer gemeinsamen Radtour durch die Gemeinde. „Wir haben viel draußen unternommen, es ist eine tolle Truppe“, so Hegemann. Nach dem Lockdown sei in der Gruppe eine App eingerichtet worden, über die die jungen Leute Aufgaben erhalten, die sie bearbeiten und einstellen. Auf Videokonferenzen verzichtet Pfarrer Hegemann. „Das ist schwierig, weil nicht alle Jugendlichen Zugang zum Netz haben.“ Sollte der Lockdown länger dauern, gibt es die Überlegung, einzelne Konfirmanden Zugang zum Gemeindehaus und einem dortigen Computer zu gewähren.

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