Sie finden keine feste Bleibe

Großfamilie aus dem Irak sucht vergeblich eine Wohnung - Wer kann weiterhelfen?

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Die Eltern Murad Heider Shekho und Intisar Khalaf Alyas Alyas mit ihren Kindern Haval (13), Laila (15), Saiwan (7), Dakhaz (3), Dinaz (4), Talal (9) und Dolivan (17). Auf dem Foto fehlt der älteste Sohn Awrdirhan (19).

Soest - Vater, Mutter und acht Kinder suchen dringend eine Wohnung, um endlich für sich zu sein. Doch alle Mühen sind vergebens. Die Eltern Murad Heider Shekho und Intisar Khalaf Alyas Alyas, beide 39, schauten sich bisher vergeblich nach einer passenden Bleibe für den Neustart um. 

Die Familie stammt aus dem Irak. Als Murad Heider Shekho nach der Flucht über den Landweg mit dem strapaziösen Fußmarsch über die Balkanroute in Deutschland eintraf, da besaß er das, was er auf dem Leib trug und nur wenige Habseligkeiten. Er musste ganz von vorn anfangen. 

Sehnsüchtig wartete er auf seine Familie – glücklich und erleichtert schlossen sich nach langen Monaten der Trennung alle in die Arme. Die Angst war ausgestanden, sie waren wieder zusammen. Der Vater sah endlich seinen jüngsten Sohn Dakhaz, der geboren wurde, als Murad Heider Shekho bereits das Heimatland verlassen hatte.

Im Irak wegen des Glaubens verfolgt 

„Wir sind Jesiden“, berichtet er. Wegen seines Glaubens habe er fliehen müssen, um den Gräueltaten der IS-Kämpfer zu entkommen. Kaum eine Minderheit wird von der Terrormiliz Islamischer Staat im Irak so gnadenlos verfolgt. 

Doch nun sei die Familie außer Gefahr und in Sicherheit, niemand müsse sich mehr fürchten. Alle seien wohlbehalten, und es sei schön, gemeinsam eine neue, ganz bestimmt gute Zukunft aufzubauen, sagt Murad Heider Shekho. „In Soest möchten wir bleiben“, schaut er zuversichtlich nach vorn. 

Das Leben im Übergangswohnheim

Doch noch immer spielt sich das gesamte Leben in den Zimmern des Übergangswohnheims am Stadtrand ab. Dort treffen wir die Familie. Der Vater steht an der Tür, begrüßt uns herzlich, bittet uns höflich herein. Die Mutter deckt den Tisch, holt Kaffee, Kekse und lädt ein, später doch unbedingt noch zum Essen zu bleiben. Sie wolle etwas kochen. 

Die Kinder setzen sich zu ihren Eltern aufs Sofa, lachen, erzählen fröhlich von ihren Erlebnissen. Die Kleineren haben im Kindergarten Freunde gefunden, die älteren Geschwister gehen zur Schule. Vater und Mutter besuchen den Integrationskursus.

Der große Versuch, heimisch zu werden

Sie möchten es schaffen und lassen nichts unversucht, heimisch zu werden. Deshalb geben sie auch die Hoffnung auf eine Wohnung für sich und ihre Kinder im Alter von drei bis 19 Jahren nicht auf. Die derzeitige provisorisch eingerichtete Unterkunft – auch das Gemeinschafts-Wohnzimmer – teilen sie mit anderen Bewohnern, die von der Stadt dort untergebracht werden. 

Absagen sind an der Tagesordnung, Vermieter winken ab

Einige sind bereits wieder ausgezogen, andere nachgerückt. Wie lange sie bleiben und wann sie sich wieder verabschieden, wann die Nächsten eintreffen, steht anfangs nicht fest. Ständig gilt es, sich mit den Fremden auf demselben Flur zu arrangieren. Verständlich der Wunsch, dort rauszukommen. 

Doch das ist schwer, wie auch die ehrenamtliche Betreuerin erfährt. Sie möchte namentlich nicht genannt werden, steht den Shekhos aber zur Seite und berichtet, was sie schon alles unternommen und wie oft sie sich vergeblich um ein Dach über dem Kopf beworben haben. Häufig gab es Absagen, Vermieten winkten ab. Meistens aber kam gar keine Antwort.

Wer kann helfen?

Auch Wolfgang Ehlers, der im Gebäude nebenan den Dienst der Ehrenamtlichen in der Kleiderkammer koordiniert, kennt die Familie. Der Vater komme hin und wieder vorbei und bringe Kaffee, berichtet er. Alle seien freundlich, tüchtig, sympathisch, hilfsbereit. Es wäre ihnen zu wünschen, eine Wohnung zu finden, in der alle Platz haben. Wolfgang Ehlers: „Sie haben es wirklich verdient.“

Kontakt Wer der Familie helfen möchte, sollte sich unter 0151/11668985 melden.

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