Künstler auf der Suche nach  dem zeitgemäßen Ausdruck

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Die Ausstellung ist eröffnet: Museumsleiterin Dr. Annette Werntze (rechts) im Gespräch mit Finalisten und Förderern des Morgner-Preises.

Soest. Das sind die Zahlen des aktuellen Morgner-Preises, dessen zehn Finalisten derzeit im Museum Wilhelm Morgner ihre Arbeiten zeigen: 1100 Bewerbungsbilder von 215 Frauen, 176 Männer und zwei Kollektiven, ein Nationalitätengemisch aus 29 Herkunftsländern. Künstler von 23 bis 89 Jahren meldeten sich, sie kommen aus der Provinz oder aus den Hochburgen der Kunst. „Hinter dieser Statistik verbirgt sich die Wucht des künstlerischen Schaffens unserer Zeit, die Arbeit von Künstlern, die auf der Suche nach dem zeitgemäßen Ausdruck sind.“ Das sagte jetzt Dr. Thomas Oyen, der Vorsitzende des Fördervereins Wilhelm Morgner und Initiator, bei der Vernissage.

Beschränkungen seien den Bewerbern nicht auferlegt worden, berichtete er, weder thematischer noch formaler Art. Mit einer Einschränkung: Sie müssten das, was sie zu sagen haben, malerisch umsetzen. Stadt Soest, die Sparkasse Soest-Werl und Kloster Paradiese sowie engagierte Bürger unterstützen das Projekt.

 Wer bekommt diesmal den Wilhelm-Morgner-Preis, der alle drei Jahre, nunmehr zum 25. Male, verliehen wird und der, so Oyen, über das Medium Kunst die Nachkriegszeit bis zum heutigen Tag spiegelt, und zwar in allen Irrungen und Wirrungen?

 Die Auslobung geht in die heiße Phase. Die Ausstellung läuft, die Jury wird tagen, das Ergebnis dann am 16. November bekannt gegeben. Das Publikum nutzte die erste Gelegenheit, die Werke von Hella Berent, Marcela Böhm, Hugo Boguslawski, Christian Hiegle, Beate Hönig, Thomas Prautsch, Gerhard Riesbeck, Melanie Siegel, Anne Worbes und Zarah Zagefka (wir berichteten) zu betrachten. 

Gern folgten die Besucher der Einladung mit den Nominierten, die nach Soest gereist waren, ins Gespräch zu kommen. „Wir sind stolz und dankbar, dass wir diesen Preis haben“, betonte Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer und bezog auch diejenigen ein, die schon bei Erstauflage 1953 in der Stadt in Verantwortung standen und ein Zeichen für Kunst und Kultur setzten. In der Gesamtschau werde deutlich, wie sich die Kunstszene in ihrer Zeit entwickelt. 

Michael Supe von der Sparkasse Soest-Werl ging auf den Brückenschlag von junger Kunst und historischem Vermächtnis ein. Dr. Thomas Oyen stellte die Frage: „Hat Kunst etwas mit Politik zu tun?“ Seine Meinung lautet? „Ja, ohne Zweifel. Sei es dadurch, dass die Kunst sich selber positioniert, sei es dadurch, dass ihre Positionierung verhindert wird. Sei es dadurch, dass sie agitiert, sei es dadurch, dass ihre Agitation unterdrückt wird. Sei es dadurch, dass sie manipuliert, sei es dadurch, dass sie manipuliert wird. Kunst und Politik, Kunst und Gesellschaft, Kunst und Kapital? Das ist nur allzu häufig ein Pakt der gegenseitigen Instrumentalisierung.“ 

Die Soester und Wilhelm Morgner – sie hatten es zu Lebzeiten des Malers nicht leicht miteinander. Was würde Morgner wohl heute zu seinem Renommee in der Geburtsstadt sagen? Der Preis sei nicht nur eine Reminiszenz an den Künstler, sondern ebenso an die Bürger der Stadt, sagt Oyen, ihnen würde er – anders als überliefert – sicher erlauben, „ihre Fratzen über seine Bilder zu beugen“ (siehe: "Der widerständige Maler").

Der widerständige Maler

Auszug aus der  Rede von Dr. Thomas Oyen im Namen des Fördervereins Wilhelm Morgner.„Wilhelm Morgner – ein Expressionist der ersten Stunde, jung im Ersten Weltkrieg gefallen, wie seine Künstlerkollegen Franz Marc und August Macke – verkörpert mit seinem Namen all die Widerständigkeiten und Widersprüchlichkeiten, wie sie nur die Kunst hervorrufen kann. Widerständig zeigte sich Wilhelm Morgner, der stets neugierig nach neuen Ausdrucksformen in der Kunst suchte, indem er (ich zitiere) den ,Spießbürgern’ seiner Heimatstadt Soest verbat, ihre hässlichen Fratzen’ über seine ,Bilder zu beugen’. Widersprüchlich zeigte er sich, weil es ihn stets nach kurzer Zeit zurück zu seiner Scholle zog, in die offene, liebliche Landschaft der Soester Börde mit ihren tendenziell verschlossenen und herben westfälischen Zeitgenossen. Eingebettet in seinen Familien- und Freundeskreis fand er dort die Themen, die es ihm ermöglichten, die Fragen des Lebens malerisch zu beantworten.“

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