Feuerwehren sind alarmiert: Flaschen für Atemluft fallen bei TÜV-Prüfung durch

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Wenn der Atemschutz dringend benötigt wird, wie hier bei einem Brand in Welver, muss er auch funktionieren. Mit einigen der Atemluftflaschen gibt es jetzt zum großen Leidwesen der Feuerwehrleute Probleme.

Kreis Soest – Einsatzkräfte der Feuerwehr müssen sich auf ihr Gerät blind verlassen können. Versagt das den Dienst, kann es schnell lebensgefährlich werden. Das gilt natürlich auch für die Versorgung mit Atemluft. Deshalb schlägt eine Nachricht bei den Freiwilligen Feuerwehren im Kreis jetzt hohe Wellen: TÜV-Prüfungen haben gravierende Probleme mit den bei fast allen Löschzügen im Kreis verwendeten Atemluftflaschen zutage gefördert.

Die Mail von der Abteilung Rettungsdienst, Feuer- und Katastrophenschutz beim Kreis Soest ist datiert vom 18. September und ging an alle heimischen Feuerwehrleute: „Bei der TÜV-Prüfung in diesem Jahr sind wir auf erhebliche Probleme mit den Flaschen des Atemschutzverbundes ... gestoßen“, heißt es darin. Und weiter: „Konkret haben bei den ersten Überprüfungen 17 Prozent der Flaschen die TÜV-Prüfung nicht überstanden“. 

Der Grund für diese hohe Quote wird in der Mail nicht konkret benannt, es heißt lediglich, dass sich die „inneren“ PET-Flaschen, in denen sich die Atemluft befindet, im Laufe des fünfjährigen Betriebs „verändert“ haben. Diese innere Flasche wird von einer robusten äußeren Composite-Flasche umschlossen. 

Betont wird aber, dass die Probleme „im Normalbetrieb“ nicht auftreten würden – im Klartext: Es besteht kein Grund zur Sorge, dass während eines Einsatzes plötzlich die Luft weg bleibt.

Wann denn dann? Und welche Probleme? Kreisbrandmeister Thomas Wienecke beantwortete gegenüber dem Anzeiger beide Fragen. Danach seien die ersten 150 von insgesamt 1100 angeschafften Flaschen nach fünf Einsatzjahren fällig für eine TÜV-Prüfung gewesen. Dabei wird ein Druck von 400 bar erzeugt, im Normalbetrieb liegt der bei lediglich 300 bar. 

Bei den schadhaften Flaschen zeigte sich, so Wienecke, nach dieser hohen Belastung eine Art „Blasenbildung“ (Blistering) beim verwendeten PET-Kunststoff, die in der Folge offenbar nicht bei allen, aber doch bei einer besorgniserregend großen Zahl der geprüften Flaschen zu Undichtigkeiten führte. 

Bereits Ende Juni seien die Bürgermeister und Feuerwehrleitungen im Kreis über die Entwicklung informiert worden, Details aber, so heißt es in der bereits erwähnten Mail, seien damals „wegen der fehlenden Belastbarkeit noch zurückgehalten“ worden. An dieser „Belastbarkeit“, versicherte Wienecke jetzt gegenüber dem Anzeiger, sei aber in der Zwischenzeit mit Hochdruck gearbeitet worden. 

So habe er auf der Suche nach der Fehlerursache und den daraus resultierenden Sicherheitsrisiken unter anderem die Herstellerfirma CTS, das Bundesamt für Materialforschung und die Berufsgenossenschaft Chemie eingeschaltet sowie den Sachverständigen Dr. Ulrich Cimolino um ein Gutachten gebeten. 

In ihrer vorläufigen Beurteilung seien sich, so Wienecke, die Experten darin einig, dass die Nutzung der Flaschen „zeitlich begrenzt“ weiterhin erfolgen könne, sie aber mit der jeweils fälligen TÜV-Prüfung ausgetauscht werden sollten. Weil die Flaschen im Kreis Soest in mehreren Schritten angeschafft wurden, muss die nächste Charge von rund 250 Flaschen am 1. Dezember geprüft werden. 

Nach Angaben von Thomas Wienecke strebt die Feuerwehrführung im Kreis aber einen möglichst kurzfristigen Austausch aller 1100 Flaschen an, ein entsprechender Antrag sei für die Sitzung des Kreisausschusses bereits formuliert worden. Die Neuanschaffung einer derart großen Zahl von Flaschen wird nicht ganz billig werden: Es soll dabei, so heißt es, um einen Betrag von insgesamt rund 400 000 Euro gehen.

Die Geschichte der Anschaffung

2015 schlossen der Kreis Soest und 13 Kommunen eine vertragliche Vereinbarung zur gemeinsamen Anschaffung und Wartung von Atemschutzgeräten für die Einsatzkräfte der Feuerwehr. Werl gehört diesem Atemschutzverbund nicht an und schaffte in der Folge auch nicht die Atemluftflaschen des Herstellers CTS an, die unter anderem wegen ihres geringen Gewichts ausgewählt wurden. CTS wurde in der Zwischenzeit von dem Unternehmen Interspiro aufgekauft. Dessen Deutschland-Vertriebschef Andre Jänicke lehnte eine Stellungnahme ab und verwies darauf, dass sein Unternehmen vor fünf Jahren ebenfalls ein Angebot für Atemschutztechnik im Kreis Soest gemacht habe, damals aber unterlegen sei.

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