Ein Fest für die Stadt der Orgeln

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Die älteste und zweifellos auch die berühmteste der Soester Orgeln ist die in der Ostönner Andreaskirche. Sie stand zuerst in der Soester Kirche Alt-St. Thomä. Johann Patroclus Möller nahm sie in Zahlung, renovierte sie und verkaufte sie nach Ostönnen. Die ältesten Pfeifen sollen aus dem 15. Jahrhundert stammen.

Soest - Orgelbau und Orgelmusik haben das geschafft, was das Bauhüttenwesen erst noch erreichen will: Sie gehören offiziell zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit. 

Grund genug für die Evangelische Kirche von Westfalen, der „Königin der Instrumente“ einen eigenen Tag zu widmen: Der erste Orgeltag in Westfalen am kommenden Samstag, 24. Juni, wird natürlich auch in Soest gefeiert. Denn Soest ist und war stets eine Stadt der Orgeln.

Die sechs der sieben Altstadtkirchen sind mit Orgeln bestückt. Nicht jedes, aber die meisten dieser Instrumente wurden eigens für den architektonischen Raum geschaffen, in dem sie gespielt werden. Das gilt besonders für das jüngste – die Späth-Orgel in der Petrikirche. Im Jahr 2006 konnten Gemeinde und Interessierte erleben, wie die eigens für die „Alde Kerk“ konzipierte Orgel auf der Empore eingebaut und intoniert wurde.

Soest kann sich auch rühmen, eine der ältesten, funktionsfähigen Orgeln der Welt zu besitzen. Von den 576 Pfeifen der Orgel in der Ostönner Andreaskirche stammen mehr als die Hälfte aus der Zeit vor 1500. Am Bau der Orgel war Johann Patroclus Möller beteiligt. Erst kürzlich brachte der Experte Koos van der Linde, der Anfang des Jahrtausends an der Renovierung der Orgel beteiligt war, Renaissancemusik auf dem Instrument zu Gehör.

Johann Patroclus Möller (1698-1772) galt als der wichtigste westfälische Orgelbauer der Barockzeit. Er stammte aus Soest, seine Orgeln stehen noch heute in ganz Westfalen. Sein wichtigstes Instrument für den Dom in Münster wurde im Krieg zerstört.

Jede Orgel in Soest hat eine besondere Bedeutung: Die 1895 eingebaute Walcker-Orgel in der Paulikirche besticht durch ihren schönen Prospekt und ihren romantischen Klang. Einen auffallend schönen historischen Barock-Prospekt besitzt auch die Orgel in der Hohnekirche. Während das Gehäuse aus dem Jahr aus dem Jahr 1679 stammt, ist die Orgel modern. Sie wurde 1976 von Paul Ott gebaut.

Die Orgel in der Wiesenkirche mit ihren 33 Registern auf drei Manualen und Pedal betreuen die Gebrüder Stockmann aus Werl. Sie wird wegen der ungünstigen Akustik in der Wiesenkirche selten für Konzerte genutzt.

Ganz anders die Schuke-Orgel in Neu-St. Thomä. Auf dem regelmäßig renovierten Instrument aus dem Jahr 1970 gastieren internationale Organisten an dem von Alexander Schuke gebauten Instrument.

Nicht nur die protestantischen Kirchen in Soest haben interessante Instrumente aufzuweisen. Die Orgel im katholischen Patroklus-Dom, 1967 von der Firma Anton Feith eingebaut und zehn Jahre später um ein Bombardewerk erweitert, wartet mit 68 Registern auf vier Manualen und Pedal auf. Auch hier wird regelmäßig konzertiert.

Präses Annette Kurschus richtet den Blick auf die Menschen, die an den Orgeln spielen: „Ein filigraner Tastenanschlag, eine kluge Registrierung, ein angemessen gewähltes Tempo stellen sich nicht von selbst ein. Beharrlichkeit und Fleiß der Organistinnen und Organisten sowie ihre Vision einer gleichsam ,himmlischen Musik’ sind wichtige Voraussetzungen für das Orgelspiel“, schreibt sie in ihrem Grußwort zum Orgeltag.

In Soest gibt’s beides – hervorragende Instrumente und gute Spieler wie die zahlreichen Konzerte immer wieder beweisen.

Orgeltag in Thomä

In der Reihe „Internationale Solisten“ spielt am Orgeltag um 17 Uhr Moritz Backhaus an der Schuke-Orgel in Neu-St. Thomä. Der Organist der Marktkirche Hannover lässt Werke von Dieterich Buxtehude, Johann Sebastian Bach, Camille Saint-Saëns, Naji Hakim und Charles Villiers Stanford hören. Der gebürtige Hildesheimer studierte Musikwissenschaft und Kirchenmusik an der Musikhochschule in Hannover und erhielt viele Impulse durch Orgelkurse bei verschiedenen internationalen Lehrern. Seit 2012 ist Assistent im Kantorat der Marktkirche Hannover. Er ist als Kantor und Organist tätig und organisiert wöchentlich internationale Orgelkonzerte. Seine eigenen musikalischen Schwerpunkte setzt er regelmäßig mit eher selten zu hörender Orgelmusik des 19. bis 21. Jahrhunderts.

Orgeltag in Werl

In der Paulus-Kirche in Werl gestaltet der Soester Musikwissenschaftler Dr. Wolf Kalipp ab 11.15 Uhr einen Workshop zum Thema „Bach und Schweitzer“. Dazu wird er neben einer Einführung und einer Dokumentation auch klingende Beispiele an der Eule-Orgel von 1990 geben.

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