Ferienfreizeiten fallen reihenweise ins Wasser 

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Ein typisches Bild: So geht es zu, wenn die Soester Wangerooge, ihre Trauminsel in der Nordsee, erobern. Spiel und Spaß sind inclusive.

Kreis Soest – Das Sehnsuchtsziel vieler junger Soester heißt Wangerooge. Das ist ihre Insel, die sie jeden Sommer im Sturm erobern. Mehr als 70 Kinder, Jugendliche und Betreuer wollten sich jetzt wieder den Wind um die Nase wehen lassen, dann allerdings wirbelte Corona die Planungen durcheinander.

Auch die Freizeit auf dem Nordsee-Eiland, die sich im Pastoralen Raum großer Beliebtheit erfreut, fällt ins Wasser – wie so viele andere Ferienklassiker. Wir haben uns einmal umgehört.

„Schade“, meint Gemeindereferent Andreas Krüger von Albertus Magnus in Soest der weiß, wie enttäuscht viele begeisterte Wangerooge-Fahrer sind. Wer einmal dabei war, der meldet sich gleich für den nächsten Sommer wieder an und freut sich riesig, wenn er endlich gen Norden startet.

„Hier entsteht das dicke Albertus-Blut“, beschreibt Andreas Krüger die gute Stimmung im Lager. Doch Gesundheit geht vor! Wie sollte das auch funktionieren, Spiel und Spaß in der Gemeinschaft zu erleben, aber auf Abstand zu gehen? Wie soll etwa das Essen in großer Runde klappen? 

In der katholischen Gemeinde im Soester Norden laufen jetzt Überlegungen, einen Ersatz zu bieten, vielleicht ein Wochenende aufzuziehen. Die Corona-Regeln machen aber vieles schwieriger.

Als Herzensangelegenheit bezeichnet Mark Steppuhn vom Leiterteam die Ferienfreizeit von Heilig Kreuz in Soest. Im Laufe vieler Jahre habe sich beinahe so etwas wie eine Familie entwickelt, die jeden Sommer auf Tour geht. Das hat Tradition. Doch jetzt heißt es: „Bye-bye Verthe“.

Der Ort liegt im Osnabrücker Land, und die Soester werden ihn – anders als vorgesehen – nicht ansteuern. „Wir haben lange hin und her überlegt“, berichtet Elena Schmidt vom Jugendmigrationsdienst der Awo. Anfangs glimmte noch ein Fünkchen Hoffnung, doch allmählich zeichnete sich ab, dass Corona noch lange nicht ausgestanden ist. Das bedeutet: Ferien in Detmold wird es in diesem Jahr nicht geben.

Das sei sehr bedauerlich, so Elena Schmidt, die weiß, dass sich viele Familien im Soester Süden keinen Urlaub leisten können. Für die Kinder sind die Tage in der Jugendherberge oft die einzige Möglichkeit, mal rauszukommen. Jugendmigrationsdienst, Bewohnerzentrum, Ortsverein, Förderverein ziehen an einem Strang, Nachbar in Not springt ein, um dieses Vergnügen zu ermöglichen. „Wir brauchen eine Unterkunft, die preislich infrage kommt und gut zu erreichen ist“, beschreibt Elena Schmidt, was im Vorfeld alles bedacht werden muss. 

Außerdem muss das Haus als Ausgangspunkt für ein spannendes Programm günstig gelegen sein, so dass die meisten Punkte zu Fuß zu erreichen sind. Der Treffpunkt Süd sollte jetzt erstmals als Kooperationspartner mit im Boot sitzen, und alle waren schon gespannt auf Abwechslung und Abenteuer. 

Daraus wird nichts, obwohl die Vorbereitungen schon weit gediehen waren. Ob es gelingt andere, kleinere Aktionen im Viertel auf die Beine zu stellen? „Darüber denken wir nach“, sagt Elena Schmidt. Ist von der Pappstadt die Rede, glänzen die Augen vieler Soester Kinder und auch der Eltern. Zwei Gruppen sind dort jedes Jahr zu Gast, und bauen sich aus Kartons genau die Welt, die ihnen gefällt. „Die Pappstadt wird abgesagt“, meldete die Stadt Soest bereits im April. Die Pappstädter müssen zuhause bleiben, sie werden in diesem Jahr kein Bürgermeister-Duo wählen.

„Schweren Herzens haben wir uns nach Absprache mit allen zuständigen Behörden und dem Caritasverband dazu entschlossen, die Ferienfreizeit abzusagen“, teilen auch die Organisatoren der Caritas-Freizeit in Wickede mit. 

Eigentlich sollte es nach Ameland gehen. Doch, so heißt es weiter: „Ein Ferienlager mit sehr beengten Schlaf-, Sanitär- sowie Tagesräumen lässt sich unter den erschwerten Rahmenbedingungen, wie den Kontaktbeschränkungen und den Abstands- und Hygieneregeln, nicht durchführen.“ 

Um einen kleinen Lichtblick zu geben, habe man sich entschlossen, alle angemeldeten Teilnehmer automatisch in die Liste für 2021 zu übernehmen.

 „Ungewöhnliche Ereignisse erfordern ungewöhnliche Maßnahmen.“ „Zusammengehörigkeitsgefühl, Hilfsbereitschaft, Hand in Hand für eine gute Sache. Für manche ein alter Hut, aber nicht für das Ferienlager der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Westönnen“, so formuliert es Brudermeister Christoph Zeppenfeld. Er und alle anderen im Verein sind stolz auf eine „langjährige Erfolgsgeschichte“. Natürlich sind die 140 Jugendlichen und Erwachsenen traurig, dass sie sich diesmal nicht auf dem Weg machen werden, um zwei aufregende Wochen zu verbringen, doch ihnen ist klar, dass ein solches Unternehmen in Zeiten des grassierenden Virus nicht zu verantworten ist. 

„Wir arbeiten gerade daran, eine Alternative zu finden“, betonte Christoph Zeppenfeld gestern. Im März hatte sich Uli Butterschlot noch zuversichtlich gegeben. Er ist der Leiter des Angebotes, das die Katholische Junge Gemeinde Herzfeld „schon seit ewigen Zeiten“ veranstaltet. Die Ferien im Sauerland genießen Kultstatus, standen vor einigen Wochen auf der Kippe und sind nun ganz gestrichen.

Als der Anzeiger Ulrich Butterschlot damals nach dem Stand der Dinge fragte, lautet seine Antwort: „Das gute Wetter, die Betreuer und alles Weitere haben wir bestellt. Fehlt noch die Normalität im Alltag, hoffen wir das Beste.“ Die Erde hat sich weitergedreht, die Situation ändert sich beinahe stündlich, Corona hat die Welt fest im Griff. 

In Oestinghausen hieß es gestern, die Messdiener überlegen noch und treffen ihre Entscheidung mit Ordnungsamt und Pfarrer. Eigentlich soll es zum Lippesee gehen, „doch es sind noch viele Faktoren offen“.

In Büderich fällt die Entscheidung am Sonntag.

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