Zeitzeuginnen berichten über Stasi-Bespitzelungen

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Ingrid-Ellen Rudat (rechts) und Annette Donner (Mitte) berichteten als Zeitzeuginnen. Unser Bild zeigt sie mit Landrätin Eva Irrgang, Oberstleutnant der Reserve Dirk Pälmer, den Journalisten Michael Dittrich und Prof. Dr. Thomas Großbölting.

Soest -  „Wow. Du bis endlich in Freiheit, nun kannst du sagen und denken, was du möchtest.“ Annette Donner, die in der früheren DDR aufwuchs, weiß noch genau, was ihr damals durch den Kopf ging, als sie endlich in den Westen gehen durfte. „Wir müssen alle froh sein, in diesem Land leben zu dürfen, das ist ein Gut, das ich nie mehr hergeben möchte“, sagte sie bei der Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit im Kreishaus – Worte, die ihre Zuhörer mit spontanem Beifall bedachten.

S Annette Donner sprach als Zeitzeugin, ebenso Ingrid-Ellen Rudat. Die langjährige CDU-Kreistagsabgeordnete engagierte sich lange für die Organisation „Hilferufe von drüben“ mit Sitz in Lippstadt. Wegen seiner Arbeit stand der Verein als „Feindeszentrale“ im Visier der Stasi. Ingrid-Ellen Rudat agierte trotzdem. „Wir waren vielleicht blauäugig und wussten nicht, in welcher Gefahr wir schwebten“, schilderte sie am Dienstag, „doch man darf sich auch nicht unterkriegen lassen.“

In einer vom Journalisten Michael Dittrich geleiteten Talkrunde erzählten die beiden Frauen, was es heißt, ständig beobachtet, ausgehorcht und bespitzelt zu werden. Die Musikerin Annette Donner berichtete von Schikanen, denen sie und ihr gesamtes familiäres Umfeld mit dem „Antrag zur Aberkennung der Staatsbürgerschaft“ ausgesetzt waren. „Wir wussten immer, dass wir abgehört wurden, schon als Kinder haben wir nie das gesagt, was wir meinten“, beschrieb sie ihre Erfahrungen mit dem SED-Regime.

 Professor Dr. Thomas Großbölting vom Lehrstuhl „Neuere und neueste Geschichte“ der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster ordnete die Beiträge in den historischen Kontext ein. „Die großen Leistungen der Wiedervereinigung lassen uns nicht vergessen, was sich in den 40 Jahren Teilung zugetragen hat und in wie viele Schicksale der Unrechtsstaat DDR eingegriffen und persönliches Leid gebracht hat“, hob Landrätin Eva Irrgang in ihrer Begrüßung hervor. 

Schon zum zehnten Male lud der Kreis gemeinsam mit dem Internationalen Garnisonsclub Soest am 3. Oktober zum Empfang ein. Oberstleutnant d. R. Dirk Pälmer betonte: „Überwachung, Bespitzelung und Unterdrückung waren die Kehrseite der DDR. Die Kehrseite eines Staates, der sich Solidarität und Gleichheit für alle seine Bürger auf die Fahne geschrieben hatte.“

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