Die Allerheiligenkirmes aus Sicht eines Busfahrers

110 Fahrgäste bei einer Kirmes-Fahrt: Trotzdem herrscht bei Thomas Böckler Entspannung – meistens

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Die Tage der Allerheiligenkirmes bezeichnet Thomas Böckler als "positiven Ausnahmezustand". Er ist seit mehr als 30 Jahren Busfahrer bei der RLG und weiß, wann es bei den "Kirmes-Fahrten" stressig wird. Ein bestimmtes Vorkommnis ist ihm bislang erspart geblieben - einigen seiner Kollegen nicht.

Soest – Thomas Böckler (60) zählt zu den Urgesteinen der Regionalverkehr Ruhr-Lippe GmbH (RLG). Seit seinem Dienstantritt im Jahre 1988 war der Soester mit nur einer einzigen Ausnahme bei jeder Allerheiligenkirmes dabei und befördert auch in diesem Jahr hunderte Kirmesbesucher, die nicht mehr fahren können, dürfen oder wollen, quer durch den Kreis Soest.

Böckler und RLG-Sprecherin Annette Zurmühl, die während der Kirmes selbst mit allerlei Verwaltungsarbeit in der Dienststelle am Bahnhof und an den Ersatzhaltestellen am Hammer Weg und am Marienkrankenhaus beschäftigt ist, sind sich einig: Die Kirmeszeit ist für alle RLG-Beschäftigten zwar die stressigste Zeit im Jahr, aber mache auch eine Menge Spaß. „Es herrscht positiver Ausnahmezustand“, sagt Thomas Böckler. 

„99 Prozent“ seiner Fahrgäste seien sehr glücklich, dass sie Dank ihm und seinen rund 100 Arbeitskollegen aus allen RLG-Dienststellen in Soest, Lippstadt, Brilon und Arnsberg nicht aufs eigene Auto und die damit verbundenen Einschränkungen wie Parkplatzsuche und Alkoholverbot angewiesen sind. Das eine, übrige Prozent falle auf diejenigen, die bei ihrem Kirmesbesuch zu tief ins Glas geschaut haben und ohne Grund die Auseinandersetzung suchen. Eine entsprechende Ansprache wirke da in den meisten Fällen Wunder. 

„Der größte Stress“, sagt Böckler, „herrscht während der Anfahrt auf eine Haltestelle. An denen ist es vor allem zu später Stunde sehr eng, deshalb muss man dort doppelt aufmerksam sein, dass niemand vor den Bus gerät.“ Wenn sein Bus dann erst mal rolle, sei die Fahrt nach Böcklers Empfinden „so entspannt wie eine normale Fahrt außerhalb der Kirmes“ – und das, obwohl er in einem Gelenkbus bis zu 110 Personen gleichzeitig befördert. 

Das liegt wohl auch daran, dass er noch nie das Pech hatte, dass sich ein Fahrgast in einem seiner Busse übergeben musste. „Manchen Kollegen ist das schon dreimal passiert.“ Dann gibt es nur eine Lösung: an der Dienststelle den Schlauch in die Hand nehmen und schnell sauber machen, bevor die nächste Fahrt ansteht.

Während der Kirmes hat Böckler einen freien Tag: Sonntag. Da wird der Kirmesfan mit Frau und Enkelkind selbst – zumindest ein bisschen – in den Genuss kommen, die Allerheiligenkirmes als ganz normaler Besucher zu erleben. Es soll ein entspannter, kurzweiliger Familientag werden. Denn: „Am Montag geht der ganz normale Alltag wieder los.“ Und in einem Jahr singen seine Gäste dann wieder: „Ein Hoch auf unser’n Busfahrer.“

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