Autokorso und Gegendemonstration

Querdenker-Demo am Samstag in Soest: „Extinction Rebellion“ hält dagegen

Demonstranten der Gruppe „Extinction Rebellion“
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Demonstranten der Gruppe „Extinction Rebellion“ hatten sich mit ihren Plakaten am Nelmannwall postiert.

Das Ritual der Querdenker-Bewegung, samstags mit einem Autokorso durch Soest zu fahren, wiederholt sich - die Zahl der Gegendemonstranten aber wächst. Rund 30 Aktive und Sympathisanten der Gruppe „Extinction Rebellion“ flankierten den Autokorso der Querdenker am Samstagmittag.

Soest - Samstagmittag, etwa 11.50 Uhr auf dem Nelmannwall in Soest: Ein Polizist verzerrt entnervt das Gesicht und hält sich ein Ohr zu, als ein Auto aus dem Korso der Querdenker laut hupend einen Meter hinter ihm vorbeifährt.

Der Beamte steht mit einigen Kollegen am Nelmannwall und soll aufpassen, dass die Demonstranten von „Extinction Rebellion“ (XR) sich auch an alle Auflagen halten, beispielsweise die kleine Rasenfläche, die ihnen zugewiesen ist, nicht zu verlassen und keinesfalls den Radweg zu betreten.

Die Polizisten passten auf, dass sich Autokorso und Gegendemonstranten nicht zu nahe kamen.

Das Querdenker-Korso hält zu diesem Zeitpunkt schon seit gut 50 Minuten den Verkehr in Soest auf. Im Industriegebiet an der Langen Wende sind sie diesmal gestartet. Rund 80 Fahrzeuge, viele mit Nummernschildern aus den Nachbarkreisen oder von noch weiter her.

Aus den Lautsprechern einiger Autos rieseln die hinlänglich bekannten Querdenker-Parolen vom Band. Einige Teilnehmer greifen auch zum Megafon, die Hand dabei immer wieder gerne auf der Hupe. Die Leute von „Extinction Rebellion“ halten stumm ihre Plakate in die Höhe und antworten dem automobilen Hupkonzert mit Fahrradklingeln.

Querdenker im Kreis Soest: Klimakatastrophe und Pandemie

Sven Keitel ist einer von ihnen. Er ist Versammlungsleiter und hat die Demo bei der Polizei angemeldet. „Wir stehen hier dafür ein, dass die Gesellschaft eine Zukunft hat“, sagt Keitel. „Extinction Rebellion“, das heiße übersetzt etwa soviel wie „Aufstand gegen das Artensterben“.

Warum stellen sich ausgerechnet Umweltschützer Corona-Leugnern entgegen? „Ganz einfach“, sagt ein anderer Teilnehmer. Sowohl bei der drohenden Klimakatastrophe als auch bei der Corona-Pandemie gebe es Menschen, die wissenschaftliche Fakten einfach leugnen. Und, so sagt Keitel, „der Ausbruch des Virus kommt ja gerade daher, dass Menschen immer weiter in die Natur eindringen. Da gibt es noch jede Menge anderer Viren, die wir noch gar nicht kennen. Alles nur eine Frage der Zeit, bis die auch auf die Menschen überspringen.“

Mit Parolen wie „Abstand statt Aufstand“ fordern die Demonstranten die Einhaltung der Corona-Regeln.

Und es gehe ihm um die Demokratie und die Grundrechte, sagt ein älterer Teilnehmer. Die Querdenker-Bewegung sei voll von Leuten, die teils offen rechtsextrem seien und auch sonst mit „unserem Staat und der Demokratie nicht allzu viel am Hut“ hätten. Er ist mit 70 der älteste Demonstrant, hat schon die 68er miterlebt, wie er sagt.

Ansonsten sind alle Altersgruppen vertreten. Die jüngste Aktive auf Seiten von Extinction Rebellion ist 14, berichtet Keitel. Die sei leider heute nicht dabei, weil sie erkrankt ist. Als Keitel das berichtet, fährt hinter ihm das nächste hupende Auto vorbei. Im Fenster ein Zettel mit roter Schrift: „Wir fahren auch für Eure Kinder.“

Alle aktuellen Informationen zur Corona-Pandemie finden Sie hier.

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