In Soest getauften Christen droht die Todesstrafe

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Viele Flüchtlinge lassen sich taufen, um zur christlichen Gemeinschaft zu hören. Pfarrer Stefan Weyer, Pfarrer Dr. Christian Welck und Superintendent Dieter Tometten bieten ihnen Schutz an.

Soest -  „Wenn ein Christ an Leib und Seele bedroht ist, dann lassen wir ihn nicht allein, sondern schützen ihn. Wenn vermeintlich Fehler passieren, dann muss es auch erlaubt sein zu widersprechen – bis hin zum zivilen Ungehorsam.“ So eindeutig formulieren es der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises, Dieter Tometten, sowie die Pfarrer Dr. Christian Welck (Petri-Pauli) und Stefan Weyer (Johannes).

Klar in der Sprache und hart in der Sache äußern sie sich zur Abschiebung von (getauften) Flüchtlingen. Die Solidarität der kirchlichen Gemeinschaft sei gefordert, betonen die Seelsorger. Sie sehen in der aktuellen Praxis Beispiele für „Grenzüberschreitungen“, wenn nämlich Menschen aus dem Iran oder Afghanistan vorgehalten werde, sie hätten durch den Übertritt zum christlichen Glauben in Deutschland nun einen klassischen „Nachfluchtgrund“ geliefert.

Muslime, die sich vom Islam abkehrehren und sich dem  Christentum zuwenden, müssen in ihrer Heimat mit härtesten Strafen rechnen. Im selbsternannten Gottesstaat können sie hingerichtet werden.

Auch in Soest liefen im vorigen Jahr mehrere Glaubenskurse mit Flüchtlingen aus dem Nahen Osten. Es sei deutlich zu spüren gewesen, wie wichtig es den Teilnehmern gewesen sei, zu einer kirchlichen Gemeinschaft zu gehören, die sich zum Geist der Freiheit bekennt, berichten Dr. Christian Welck und Stefan Weyer.

 Niemand habe, ihrer Erfahrung nach, ins Kalkül gezogen, sich mit dem Taufschein leichtfertig ein Bleiberecht zu sichern. Immer sei die tiefe Überzeugung und der ehrliche Wunsch zu spüren gewesen, nun endlich offen Christ sein zu dürfen und sich aufs Evangelium zu beziehen. Bewusst sei die Verbindung gesucht worden.

Sie beten das Vaterunser, besuchen die Gottesdienste, kommen zu den Bibelabenden und fassen in der Gemeinde mit an, wenn Hilfe gefragt ist. Von Taktik könne keine Rede sein.

Superintendent Dieter Tometten weist auf zwei konkrete Fälle im Kirchenkreis hin, „die Anlass zu großer Sorge liefern“. Zwei Flüchtlinge aus dem Iran haben einen negativen Bescheid erhalten. Der Asylantrag der Konvertiten sei abgelehnt worden, weil ihnen schlichtweg kein Glaube geschenkt werde. Sie seien somit der unmittelbaren Todesgefahr ausgesetzt, hebt Tometten hervor. Es stehe dem Staat nicht zu, der Ernsthaftigkeit des Glaubensbekenntnisses zu misstrauen. Hier werde ein genereller Grundverdacht geäußert, meint Pfarrer Stefan Weyer, „doch es geht um herbe Menschenschicksale.“ „Wir werden alle Register ziehen und sämtliche Möglichkeiten des Beistandes ausschöpfen. Mit seinem Anliegen wendet sich der Kirchenkreis auch an die Leitung der Landeskirche.

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