Carla Bökenbrink: Als Niederländerin in Soest zuhaus

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Carla Bökenbrink leebt als Niederländerin fast 50 Jahre in Soest. 

Soest.  „Zusammen geht’s viel leichter als allein“, sagt Carla Bökenbrink. Sie ist überzeugt: Was schon im Kleinen durch den Zusammenhalt in der Familie klappt, das gelingt erst recht in der großen Gemeinschaft von 28 Staaten in der EU. Gemeinsamkeit mache stark. Die 72-Jährige hat immer noch ihren niederländischen Pass, doch sie kam schon vor 50 Jahren in die Börde und blieb – der Liebe wegen. S

ie hatte ihrem Mann Wilfried das Jawort gegeben und sich entschlossen, ihre Heimat zu verlassen. Irgendwann habe sie mal überlegt, sich einbürgern zu lassen, schildert sie, aber dann hätte sie die ihrer Meinung nach „ganz schön schwere Prüfung“ ablegen müssen. Die Fragen aus dem Testheft zu den Bereichen „Leben in der Demokratie“, „Geschichte und Verantwortung“ sowie „Mensch und Gesellschaft“ habe sie sich angesehen – dann aber doch gedacht, nach so langer Zeit könne ruhig alles beim Alten bleiben, sie komme doch prima zurecht. Also ist sie auf dem Papier Niederländerin. Dass sie Soest besser kennt als mancher, der hier geboren ist, liegt sicher auch an ihrem Mann: Der nämlich ist ambitionierter Gästeführer, der beim Gang durch die Stadt viel zu erzählen weiß. Carla Bökenbrink stammt aus der Nähe von Alkmaar. Sie ging dort zur Schule und arbeitete später als Chemisch-technische Assistentin im Labor. 

Als Kind standen vier Jahre Deutsch-Unterricht auf ihrem Stundenplan. Die Sprache habe ihr dann auch den Start in der neuen Umgebung erleichtert, betont sie. Dem Polterabend in Soest folgte die Hochzeit in Haarlem – verbunden mit dem Abschied von der Familie und Freunden. Was ihr in der ersten Zeit zu schaffen machte? „Ich hatte mir alles etwas einfacher vorgestellt“, berichtet Carla Bökenbrink, „die Niederländer sind in der Mentalität doch etwas lockerer als die Deutschen. In den Niederlanden ist es üblich, sich zu duzen, da sind die Deutschen viel zurückhaltender. Daran musste ich mich erst gewöhnen.“ 

Ob sie sich an Probleme erinnert? „Ja“, lautet die Antwort, „man wollte meine Zeugnisse nicht anerkennen.“ Die Wahl-Soesterin freut sich über die freien Grenzen, die das Reisen viel leichter machen. Sie zeigt auf die Wahl-Unterlagen, die sie bereits aus Den Haag erhalten hat.

 Für sie ist es selbstverständlich, ihr Kreuzchen zu setzen und somit an der Entscheidung über die Zusammensetzung des Parlamentes mit offiziellem Sitz in Straßburg teilzuhaben. Wie gut die Europa auf persönlicher Ebene funktioniert, das sieht sie an Sohn Ralf und an den Enkelkindern: Ist die niederländische Elf bei wichtigen Spielen am Ball, dann sitzen der Vater und seine Söhne in Oranje auf der Bank und drücken die Daumen. Wilfried Bökenbrink versteht diese Begeisterung sehr gut: Schon als Junge schwang er sich aufs Rad, um sich im Land der Windmühlen umzusehen. Dann besiegelte er mit Carla – damals noch Pesch mit Nachnamen – eine dauerhafte binationale Verbindung. Sie gehen als Europäer gemeinsam durchs Leben.

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