Bundesgerichtshof (BGH) hebt Urteil des Landgerichts Arnsberg auf

Erstes Urteil zu mild: Dreifacher Soester Taxi-Räuber muss erneut vor Gericht

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Gleich drei Taxifahrer hat der Soester Student überfallen, bevor die Polizei ihn im vergangenen Jahr schnappte.

Soest - Der Soester Student, der seine obendrein durch missratenes Glücksspiel klamme Kassenlage mit drei Taxi-Überfällen aufgebessert hat, muss erneut vor Gericht. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das Urteil des Landgerichts Arnsberg aufgehoben.

Das Landgericht hatte den 29-jährigen Ghanaer im Sommer 2017 zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. „Zu milde“, findet der BGH.

Die Arnsberger Strafkammer hat nach Ansicht des Gerichtshofs darauf verzichtet, den Mann zusätzlich zum schweren Raub auch wegen räuberischen Angriffs auf einen Kraftfahrer zu verurteilen. Allein für dieses Verbrechen sieht das Strafgesetz schon eine Mindeststrafe von fünf Jahren vor.

Die Arnsberger Richter hatten damals davon abgesehen, weil sich die Taxen während der räuberischen Erpressung nicht bewegten. Vielmehr griff der Räuber das Portemonnaie der Fahrer, als abkassiert werden sollte und die Wagen am Straßenrand standen.

Taxifahrerin eine Schnittwunde am Unterarm zugefügt

Bei zwei der drei Überfälle mag das auch so in Ordnung gehen. Beim dritten Raub allerdings sieht der BGH den Fall anders. 

Hier finden Sie mehr zum Fall des Taxi-Räubers

Konkret geht es um den zweiten Überfall auf eine 54-jährige Taxifahrerin, die bei dem Handgemenge mit dem Täter eine vier Zentimeter lange Schnittwunde am Unterarm davontrug, die vom Messer des Angeklagten stammte. Vermutlich durch den damit verbundenen Schreck rutschte der Fuß der Taxifahrerin vom Bremspedal; das Auto rollte an und prallte gegen eine Mauer auf der gegenüberliegenden Straßenseite. 

Räuberischer Angriff auf einen Kraftfahrer

Zum Glück entstand dabei nur Materialschaden; wäre ein Passant angefahren worden, sähe die Sache anders aus. Genau diesen Aspekt hat auch der Gesetzgeber im Sinn gehabt, als er vor 20 Jahren die Bestimmung „räuberischer Angriff auf einen Kraftfahrer“ neu ins Strafgesetzbuch schrieb. Mit ihr sollen Räuber gesondert bestraft werden, die billigend in Kauf nehmen, dass durch ihren Angriff im Straßenverkehr womöglich noch Dritte zu Schaden kommen.

Der Raubüberfall auf die Soester Taxifahrerin hatte am 22. Januar 2017 zunächst mit einer Irrfahrt durch Soest begonnen; schließlich dirigierte der Ghanaer die Frau kurz vor Mitternacht zur Fachhochschule am Windmühlenweg. Tagsüber hatte er hier noch studiert. 

Nach seiner Festnahme nur wenige Tage nach dem dritten Überfall hat er die Bücher zuklappen müssen; er sitzt seither in Haft und dürfte nach Verbüßung der jetzt womöglich noch längeren Gefängnisstrafe in seine Heimat abgeschoben werden.

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