Erst die Trauer um den getöteten Sohn, dann der Ärger über die verlotterte Grabstätte

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Wolf Siewert ist erleichtert, dass nun Rindenmulch das Urnenfeld bedeckt, in dem sein Sohn beigesetzt ist.

Soest – Das Leid der Eltern, die ein Kind verlieren, ist unermesslich. Doch für Familie Siewert ist seit dem Tod ihres Jungen vor drei Monaten noch handfester Ärger über den Zustand der Grabanlage hinzugekommen. „Es sieht aus wie auf einer Müllhalde“, sagt Wolf Siewert.

Statt das Urnenfeld herzurichten, seien hier nur Lehm und Erde gestampft worden. Absolut „unwürdig“, so der Vater.

Siewerts Sohn war mit 34 Jahren Anfang Juni bei einem Autounfall ums Leben gekommen. „Das reißt einen völlig aus der Bahn“, sagt Wolf Siewert. Er hat über 40 Jahre bei der Polizei gearbeitet und solch grauenhafte Verkehrsunfälle aus nächster Nähe miterlebt. Trotzdem: „Ich habe mir nicht vorstellen können, dass es uns auch einmal trifft.“ 

Sein Sohn hatte zu Lebzeiten gewünscht, für den Fall des Falles ein Urnengrab auf einem Gemeinschaftsfeld zu bekommen. Doch als seine Eltern ihn auf dem letzten Weg begleiteten, reagierten sie fassungslos: Nur eine Wüste aus Lehm – und das blieb den gesamten Sommer über so. „Unserer Trauerarbeit ist dieser Anblick nicht zuträglich; auch unsere Verwandtschaft und unsere Freunde sind erbost über diesen Anblick der Grabstätte“, schildert Siewert.

Er rechnet vor: Bei über 20 Urnen, die hier beigesetzt worden sind, und bei 1187 Benutzungsgebühr (pro Urne) sowie weiteren 246 Euro für die „Grabbereitung“ müsste längst „genug Geld“ da sein, alles würdig herzurichten. Vergangene Woche hat Siewert den Kommunalbetrieben geschrieben und ein Foto dazugelegt. Und er hat darauf hingewiesen, er werde mit dem Soester Anzeiger reden. 

Gestern Morgen nun beim Ortstermin auf dem Friedhof kommt Wolf Siewert mit einem Lächeln auf uns zu: „Sie glauben es nicht!“, sagt er. Just am Morgen in aller Frühe waren die Friedhofsgärtner an der Grabstätte und haben sie picobello hergerichtet und mit Rindenmulch abgedeckt. Es sieht wirklich ordentlich und gepflegt aus. 

Siewert zieht einen Brief aus der Tasche, den er am Wochenende vom Leiter der Kommunalbetriebe erhalten hat: „Der von Ihnen vorgebrachte schlechte Zustand entspricht leider den Tatsachen. Ihren Ärger kann ich nachvollziehen und möchte mich hierfür in aller Form entschuldigen.“ 

Man habe einfach gehofft, der bereits im November eingesäte Rasen würde sich besser entwickeln, sagt Rathaus-Sprecher Thorsten Bottin auf Anfrage. Doch die vielen Löcher für die Urnen und der trockene Sommer hätten den Plan durchkreuzt.

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