Erst drei Jahre alt und womöglich schon von vorgestern: Das Verkehrskonzept für Soest

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Die halbe Ringstraße gehört den Radfahrern: Zumindest für ein paar Minuten und unter Polizeischutz war dies bei deiner Fahrraddemo im April 2018 möglich.

Soest – Als der Verkehrsentwicklungsplan für Soest vor drei Jahren beschlossen wurde, gab es noch nicht die aufgewühlte Diskussion ums Klima. Jetzt liegt ein  Zwischenbericht für den bis 2030 geltenden Verkehrsplan auf den Tisch. Und es deutet vieles darauf hin, das Konzept gründlich  neu auszurichten.

„Das Thema Klima ist damals wenig ambitioniert behandelt worden“, sagt Werner Liedmann. Überhaupt habe sich der Stadtrat seinerzeit mit grundsätzlichen Veränderungen schwer getan und sich lieber für „Stillstand“ entschieden. Deshalb müssten jetzt die Ziele des 2016 verabschiedeten Verkehrsentwicklungsplan neu beschlossen werden. 

So sollte der Verkehr in Soest bis 2030 nur ein wenig verschoben werden: 19 Prozent zu Fuß, 24 Prozent Rad, 4 Prozent Bus, 53 Auto. Bereits für die kommende Ratssitzung haben die Grünen deshalb beantragt, die Quote für den Autoverkehr auf 35 Prozent zu senken und mehr Soester fürs Laufen (20 Prozent), fürs Radeln (35 Prozent) und fürs Busfahren (10 Prozent zu erwärmen. 

Dazu freilich, so Liedmann, müsste eine regelrechte Begeisterung fürs Radfahren entfacht werden. Denn dies sei „das Verkehrsmittel der Wahl“. Straßenräume müssten neu geschnitten werden: also mehr Platz für zwei, weniger Raum für vier Räder. Davon sei Soest heute meilenweit entfernt: Wann immer zusätzliche Parkplätze am Straßenrand benötigt würden, knabbere man dafür die ohnehin schmalen Velospuren weiter an – siehe Westenhellweg.

Liedmann weiter: „Unsere Radwege sind so grottenschlecht, da kann gar keine Begeisterung aufkommen.“ Deshalb muss nach Ansicht der Partei erst einmal ein Report auf den Tisch, wie groß der Sanierungsbedarf für die Radwege ist. 

Noch am Donnerstagabend erst hat sich ein Soester in der Einwohnerfragestunde darüber beklagt, in welch miserablem Zustand sich der Radweg entlang der Ringstraße befindet. Der Mann hakte nach, wann endlich die von Straßen NRW versprochene Sanierung erfolge. Die Antwort soll ihm demnächst nachgeliefert werden. 

Eigentlich sollte der Zwischenbericht des Verkehrsentwicklungsplans schon vergangene Woche im Stadtentwicklungsausschuss debattiert werden. Doch der hielt sich mit anderen Themen fünfeinhalb Stunden bis nach 22.30 Uhr auf und setzte den Verkehrsplan von der Tagesordnung ab. Neuer Anlauf: am 24. Oktober. 

Die Stadtverwaltung versichert, der aktuelle Verkehrsentwicklungsplan sei für sie nicht in Stein gemeißelt: „Zusätzliche Maßnahmen sind selbstverständlich möglich“, so Rathaus-Sprecher Thorsten Bottin. 

Auch wenn beim Fahrradverkehr noch Luft nach oben sei, in den vergangenen Jahren seien durchaus Verbesserungen erzielt worden. Beispielhaft nennt er den neuen Radweg am Paradieser Weg zwischen Soest und Paradiese, die Fahrradstraße am Windmühlenweg, zusätzliche Abstellplätze für Räder an den Bushaltestellen oder der neue, breitere Rad-/Fußweg in der Gräfte am Brunowall.

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