"Elterntaxi" blockieren den Bürgersteig vor der Patroklischule

Mama und Papa sind mit ihren Autos die größte Gefahr auf dem Schulweg

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Mit selber gemalten Plakaten und Parkverbotsschildern besetzen die Kinder in dieser Woche täglich den Bürgersteig vor ihrer Schule

Soest - „Unglaublich, das müsste man jetzt eigentlich filmen“, sagt eine Mutter und zeigt auf zwei Autos, die in der Enge zwischen Hagengasse und Schonekindstraße aneinander vorbeimanövrieren während sich ein drittes Auto aus der Gegenrichtung dazugesellt und das Blechballett bereichert.

So sieht es zum Ärger von Lehrern und vielen Eltern jeden Morgen vor der Patroklischule aus. Parkplätze gäbe es ein paar Meter weiter reichlich, aber viele Eltern wollen ihre Kinder unbedingt bis direkt vor den Schuleingang chauffieren.

Appelle hat es in der Vergangenheit genug gegeben, wissenschaftliche Untersuchungen, dass es für Kinder pädagogisch und gesundheitlich besser ist, vor dem Unterricht ein paar Schritte gelaufen zu sein, sowieso. Nur gefruchtet hat all das bislang nicht. 

Und so muss Schulleiterin Astrid Hartmann am Montagmorgen kurz vor Schulbeginn nicht lange warten, bis es sich das erste Elterntaxi im absoluten Halteverbot bequem macht, um den Nachwuchs in den Unterricht zu verabschieden. 

„Der Gehweg gehört uns“ 

Hartmann steht mit anderen Lehrern und einigen Eltern auf dem Gehweg vor ihrer Schule. Die Kinder haben große Pappen mit der Aufschrift „der Gehweg gehört uns“ gestaltet und Parkverbotsschilder gemalt. Die gibt es zwar hochoffiziell unübersehbar und ausreichend vor der Schule, Beachtung finden sie aber wenig.

Deswegen belassen es Lehrer, Eltern und Kinder auch nicht mehr nur bei den Schildern, sondern verteilen sich so auf den Gehwegen, dass sie für Autos blockiert sind. Das nächste Auto hält direkt hinter den Kindern im Halteverbot. Astrid Hartmann will mit dem Vater reden, der da gerade sein Kind bringt, erntet aber Unverständnis.

Papa empfindet die höfliche Kritik an seinem Verhalten fast als Eingriff in seine persönliche Freiheit und erzieherische Autorität. Es halte doch nur ganz kurz mal eben an, meint der Vater, das sei ja wohl seine Sache. Dass das viele andere auch nur mal eben kurz machen und beim Anhalten und Abfahren in der unübersichtlichen Straße Kinder gefährdet werden, will er nicht so recht einsehen. Als er wieder losfährt, kommen gerade die Kinder um die Ecke, die jeden Morgen zu Fuß mit dem Walking-Bus zur Schule kommen. Die müssen jetzt schon etwas zusammenrücken, damit Papas Auto vorbeipasst.

 Nächster Autokorso ein paar Meter weiter

Heute sei es noch fast harmlos gewesen, meint Schulleiterin Hartmann kurz bevor die Schulglocke läutet. Die Eltern waren schließlich per Elternbrief vorgewarnt. Viele kommen auch aus der Hagengasse, sehen die Kinder auf den Bürgersteigen und biegen schnell nach rechts in die Schonekindstraße ab – freilich nur, um hier in das nächste Autoknäuel zu fahren, das sich dort um die gleiche Zeit allmorgendlich vor dem Kindergarten bildet. 

Auch heute und an allen weiteren Tagen dieser Woche stehen die Kinder wieder auf den Gehwegen und Astrid Hartmann und ihre Kollegen hören sich wieder etliche Ausreden an, warum es ausgerechnet heute mal wirklich und ganz ausnahmsweise so gar nicht möglich war, ein paar Meter weiter am Nöttentor oder im Parkhaus Leckgadum zu parken, wo es um diese Zeit nichts kostet und niemand in Gefahr ist. 

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