Coronadefizite

Nachhilfe-Institute rechnen mit stärkerer Nachfrage im Herbst 

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Nachhilfe-Institute meinen, dass die Schüler ihre  Defizite erst merken, wenn die Schule wieder richtig los geht. 

Soest – „Summer School für Schüler – Jetzt Coronadefizite aufholen“: So wirbt das Kurpfalz-Internat Schüler an, die über die Ferien büffeln und Versäumtes nachholen müssen. Und schon ist ein neues Wort geboren, das es vor sechs Monaten noch nicht gab: Coronadefizite. Doch wie sieht es in Soest aus? Rennen dort die Nachhilfeschüler die Türen der Institute ein?

 „Nein, zurzeit noch nicht“, sagt Sandra Multhaupt vom Abacus Nachhilfeinstitut. Die Nachfrage sei in diesen Sommerferien nicht höher, alles halte sich im Rahmen. „Ich vermute, dass die große Welle erst ein oder zwei Monate nach Beginn des neuen Schuljahres kommt. Denn dann werden die Schüler merken, dass ihnen wichtiger Lernstoff fehlt“, so Multhaupt. 

In der Zeit des Corona-Lockdowns hätten Lehrer und Schüler die Schwächen in den verschiedenen Fächern ausgeblendet. Doch im neuen Schuljahr würden die verstärkt zu Tage treten, meint Multhaupt. Überrascht ist sie davon nicht, denn auch sie hat zwei Kinder zu Hause, die in den Wochen vor den Sommerferien im Homeschooling unterrichtet wurden. „Das hat eigentlich geklappt, und wir sind damit gut zurecht gekommen.“ Auf großen Druck hätten die meisten Lehrer in Corona-Zeiten verzichtet, auch Blaue Briefe wurden nicht verschickt, kein Schüler blieb in diesem Jahr sitzen. Besonders eng werde es in den kommenden Monaten für die Schüler, die im nächsten Jahr Abitur machen, glaubt Multhaupt. 

Denn die hätten seit März viel verpasst. Auch das Nachhilfe-Institut Studienkreis bietet spezielle Sommerferienkurse an, darunter auch Intensiv-Kurse, bei denen die Schüler täglich für eine Stunde das Institut besuchen. Brigitte Fussel, Soester Studienkreis-Leiterin seit zwölf Jahren, bestätigt, dass die Nachfrage in diesem Sommer eher verhalten ist. Sie vermutet, dass durch die Corona-Krise einige Familien weniger Geld zur Verfügung haben.

„Einige Familien haben sich schon bei uns gemeldet und darum gebeten, einen Ruhemonat einzulegen, damit kein Geld abgebucht wird.“ Vor den Ferien habe 60 bis 70 Prozent der Nachhilfe beim Studienkreis online über Skype stattgefunden. Inzwischen werde in Kleingruppen von ein bis zwei Schülern die Nachhilfe wieder als Präsenzunterricht angeboten. Auch die Leiterin des Studienkreises glaubt, dass einige Jungen und Mädchen in den kommenden Wochen und Monaten des neuen Schuljahres Probleme bekommen werden. „Wenn der reguläre Unterricht wieder losgeht, werden viele Schüler und deren Eltern merken: Hoppla, da sind doch gewaltige Lücken.“ Präsenzunterricht sei nur schwer durch Online-Angebote zu ersetzen. Fussel: „Wir haben mit vielen Eltern gesprochen, die meinen, die Kinder sollen sich jetzt erst mal von der Schule und dem Druck erholen und sich entspannen.“ 

Die Nachfrage nach Nachhilfe in Mathematik steht übrigens an erster Stelle, gefolgt von den Fächern Englisch, Deutsch und Latein.

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