Elke Sittler erzählt über das Kriegesende in Soest

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Elke Sittler war sechs Jahre jung, als sie das Kriegsende in Soest erlebte.

SOEST - Drei gut aufgelegte Offiziere, die eine weiße Fahne schwenkten, dieses Bild hat Elke Sittler bis heute nicht vergessen. Und sie weiß auch noch, was ihre Mutter sagte, als sie die beiden Deutschen und den Franzosen sah, die frohgemut über die Straße zogen und einen glücklichen Eindruck machten: „Jetzt ist Frieden!“

Wie war das vor 70 Jahren, als feststand, der Krieg ist vorbei? Elke Sittler erzählt als Zeitzeugin über die Ereignisse und ihre Empfindungen damals: „Es war eine ganz große Erleichterung.“

Was hatte sich in den Tagen zuvor zugetragen? Wie verlief der Anfang vom Ende? Die Familie wohnte damals am Kölner Ring. Der Vater wurde in Frankreich vermisst. Ostern nahte, und die Mutter backte einen Kuchen für die Feiertage. Niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt etwas von der Aufforderung zur Evakuierung, die wenig später Unruhe und Ungewissheit auslöste.

Mutter und Tochter mussten wie viele andere Soester ihr Zuhause verlassen. Wohin sollten sie gehen? Wo die Nacht verbringen? Sie wussten es nicht. Schnell wurden die nötigsten Sachen zusammengepackt, die Habseligkeiten in einen Kinderwagen geladen. Als sie Richtung Westenhellweg liefen, stießen sie auf eine Menge Menschen, die sich ebenfalls auf den Weg gemacht hatten – „wie ein Treck“, berichtet Elke Sittler. Kaum einem war klar, wo genau er über Nacht Zuflucht finden sollte. Zunächst ging’s Richtung Meiningser Weg. Am Offiziersgefangenenlager angekommen, sprach sie ein Soldat an. „Es hat keinen Zweck weiterzuziehen“, sagte er, „kommt rein!“

„Alles war eng“, schildert die Soesterin, damals ein Mädchen von sechs Jahren. „Ich sehe mich noch auf dem dunklen Flur sitzen.“ Die Mutter kehrte zwischendurch immer wieder zur Wohnung zurück, um nachzuschauen, ob alles in Ordnung ist. Nach etwa zwei Tagen brach sie mit ihrer Tochter auf, um wieder am Kölner Ring zu sein.

Kurz darauf habe Beschuss eingesetzt, fährt Elke Sittler fort. Als endlich Ruhe herrschte und sich die Leute draußen auf der Straße trafen, kamen die drei eingangs erwähnten fröhlichen Offiziere vorbei – eine Szene, die der Soesterin über die Jahrzehnte hinweg im Gedächtnis blieb. Als ein amerikanischer Soldat ihr damals Schokolade schenken wollte, habe sie zunächst die Mutter angeschaut und ihr zustimmendes Nicken abgewartet: „Uns ist ja immer erzählt worden, der Feind wirft vergiftete Süßigkeiten ab.“

„Unser Haus wurde beschlagnahmt“, ergänzt Elke Sittler. Die Großeltern wohnten in der Lavauengasse, dort zogen Mutter und Tochter fürs Erste ein. „Das Gebäude sah unversehrt aus“, so die Soesterin, beim näheren Hinsehen entdeckten die Bewohner aber einige Beschädigungen. Die Ärmel wurden hochgekrempelt und das Haus hergerichtet. Man kam zurecht – auch unter schwierigen Verhältnissen. -  Köp.

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