Offene Ohren in Soest für Forderung nach härteren Strafen

Einzelhändler: Gegen Ladendiebe ist so recht kein Kraut gewachsen

Ein kurzer Moment – schon verschwindet der teure Nagellack in der Jeanstasche.
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Ein kurzer Moment – schon verschwindet der teure Nagellack in der Jeanstasche.

Soest – Ladendiebe werden viel zu selten erwischt und wenn doch, werden sie entweder gering oder gar nicht bestraft. Der Deutsche Handelsverband hat daher nun härtere Strafen gegen Ladendiebe gefordert. Diese Forderung trifft bei vielen Einzelhändlern in Soest auf offene Ohren.

Abgeschnittene Etiketten in den Umkleidekabinen, auf dem Boden liegende Warensicherungen, leer geräumte Regale, Fehler bei der Inventur – wenn Ladendiebstähle auffallen, ist es meist schon zu spät. Die Diebe sind auf und davon und die Ware ist futsch.

Karsten Nüsken, Betreiber mehrerer Edeka-Märkte auch in Soest, weiß, dass etwa zwei Prozent seines Umsatzes durch Diebstähle verloren gehen. „In Soest haben wir aber eigentlich noch heile Welt. Je größer die Stadt, desto schwieriger wird es“, sagt er mit Blick auf seine Märkte in Dortmund.

Aber auch in der Soester Fußgängerzone sind immer wieder Ladendiebe unterwegs. „Uns regt das immer wieder auf, wenn wir in den Umkleidekabinen hinter den Spiegeln die abgeschnittenen Etiketten oder Sicherungen finden“, berichtet Annette Fischer, Filialleiterin von C&A. Sie hat in Sachen Ladendiebstahl schon Einiges erlebt. „Wir hatten hier Jugendliche, die uns den Mittelfinger zeigten, oder einen Drogenabhängigen, der uns mit der Spritze bedrohte.“ Wegen solcher Fälle sind Fischer und ihre Mitarbeiter auch vorsichtig geworden, wenn es um die Verfolgung von ertappten Tätern geht. „Viele kommen mit Scheren, Kneifern oder kleinen Messern. Schon aus Selbstschutz kann man da nicht einfach hinterherlaufen“, findet sie.

Auch Yvonne Girgin, Filialleiterin des Drogerie-Kaufhauses Müller, hat ihre Erfahrungen mit Ladendieben gemacht: „Meist kommen sie zu dritt oder viert, einer späht aus und wenn unsere Mitarbeiter in der Pause sind oder von Kunden abgelenkt werden, räumen sie uns die Regale leer.“ Verdächtig seien immer junge Männer in Gruppen, die schon mit offenen Taschen reinkommen. „Leider ist es auch auffällig, dass die Diebe meist einen südländischen Typ haben“, meint sie.

Aber selbst wenn die Diebe sich auffällig verhalten und dann geschnappt werden – zu einer richtigen Bestrafung kommt es selten. „Wir bekommen immer Post von der Staatsanwaltschaft, dass die Verfahren eingestellt wurden“, ärgert sich Annette Fischer. Mal ist kein Wohnort des Täters zu ermitteln, mal ist er noch minderjährig, oder der Diebstahl war zu geringfügig, um das Verfahren weiter zu verfolgen. Gerade Letzteres kann Karsten Nüsken nicht nachvollziehen: „Wenn ich falsch parke, muss ich das auch bezahlen. Es kann nicht sein, dass Leute fünfmal beim Stehlen erwischt werden und immer davonkommen.“

Statt nur härteren Strafen fordert er daher mehr „Konsequenz in der Strafverfolgung“. Denn eine abschreckende Wirkung, sei durchaus zu spüren. „Wenn Jugendliche mal beim Richter erscheinen müssen, hat das seine Wirkung und wenn unsere Ladendetektive zuschlagen, geht die Diebstahlquote in den nächsten Wochen auch erst einmal zurück.“

Schaden kann es also nicht, wenn nicht nur Ladendiebe, sondern auch Strafverfolger mal ein wenig „Green Day“ hören.

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