Wer macht mit?

Einkaufen ohne Verpackungsmüll - geht das?

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Sabine Menzel bringt als Kundin ihren Korb mit in den "Lebensgarten". Neben ihr steht Geschäftsführer Hendrik Sauermann. 

Soest - Darf’s ein bisschen mehr sein? Wenn es um Verpackungsmüll geht, lieber nicht. Das ist für die Industrie seit Jahresbeginn bindend - und auch viele Geschäfte und Kunden achten auf Müllvermeidung. Der Anzeiger nimmt das Thema genauer unter die Lupe - und sucht Familien, die mitmachen. 

Um den Verwertungskreislauf zu stärken, ist seit dem 1. Januar 2019 das neue Verpackungsgesetz in Kraft. Deutlich mehr Verpackungen müssen nun recycelt werden. Welche Möglichkeiten aber haben die Kunden beim ganz normalen Lebensmitteleinkauf, etwas für die Umwelt zu tun?

Verschmutzte Meere rütteln die Menschen auf

Im Biomarkt „Lebensgarten“ eine ganze Menge. Melena Pendzich vom Leitungsteam verweist auf die Möglichkeiten, Käse in eigene Behälter, Brote in mitgebrachte Beutel und Obst in Netze zu packen. 

Auch Produkte aus dem Restaurant werden ohne Verpackungen aus dem Markt abgegeben. Der Kaffee zum Mitnehmen wird seit geraumer Zeit nicht mehr im Pappbecher abgegeben. „Außerdem bieten wir viele Eigenprodukte in Pfandbehältern an“, erläutert Milena Pendzich. 

Insgesamt verstärke sich die Tendenz zum verpackungsarmen Einkauf deutlich. „Das liegt auch an den Bildern von vermüllten Meeren“, ist sie überzeugt. 

Waren in mitgebrachte Tupperdosen füllen? Umstritten!

Karsten Nüsken betreibt mehrere konventionelle Supermärkte, unter anderem den Edeka am Rigaring. Er hält wenig vom Verpackungsvermeidungswahn. Gerade an der Frischetheke sei das Herausgeben der Ware in mitgebrachte Tupperdosen hygienisch „höchst bedenklich“. 

„Es ist unmöglich, zum Einkauf einen wirklich sauberen und kühlen Behälter mitzubringen“, sagt Karsten Nüsken. Das Problem der Kontaminierung bei frischen Wurstwaren sei einfach zu groß.

Karsten Nüsken: „Man denke nur an den letzten Sommer mit Außentemperaturen von über 30 Grad. Kein Mensch schafft es, unter diesen Bedingungen eine gekühlte Tupperdose an die Theke zu bringen.“ 

"Umweltschutz lässt sich anders viel sinnvoller realisieren"

Nicht umsonst sei es Vorschrift, den Bedienbereich mit einer Belüftungsanlage auszustatten, die die Luft von der Theke weg bläst. Der Soester Unternehmer bezweifelt zudem den Umweltnutzen des verpackungsfreien Einkaufs an der Frischetheke. 

Im Vergleich zur abgepackten SB-Ware falle an der Fleischtheke nämlich ohnehin nur ein Drittel an Verpackungsmaterial an. Deshalb lehnt er für seine Geschäfte weiterhin das Umfüllen in mitgebrachte Behälter ab. „Umweltschutz lässt sich anders viel sinnvoller realisieren“, meint Karsten Nüsken. Zum Beispiel durch eine Umrüstung der Beleuchtung auf LED.

So viel Verpackungsmüll entsorgt jeder Soester im Schnitt

Im Kreis Soest wurden im Jahr 2017 knapp 9000 Tonnen Verpackungsmüll entsorgt. Das entspricht einem Wert von knapp 30 Kilo pro Einwohner. 

Das neue Gesetz legt bei Kunststoffverpackungen grundsätzlich fest, dass fast 60 Prozent wieder zu neuen Materialien verarbeitet werden müssen statt bislang 36 Prozent. 

Nikolaus Windsheimer von der Entsorgungswirtschaft Soest (ESG) ist da skeptisch. Derzeit befinde sich kaum recyclefähiges  Material in den Gelben Säcken. Und das Gesetz enthalte „keine zwingenden Maßnahmen und Instrumente, die eine kurzfristige Wende erwarten lassen.“

Wer wagt mit dem Anzeiger den Selbstversuch?

Der Anzeiger möchte das gesamte Jahr 2019 über am Thema Müll „dran bleiben“ und es unter vielen Aspekten beleuchten. Dazu suchen wir Familien, die sich darauf einlassen, ganz bewusst Müll zu vermeiden und uns daran teilhaben lassen, wo das im Alltag gut funktioniert, wo es schwierig wird und was am Ende weniger in Mülltonnen und Gelbem Sack landet. Kontakt: stadtredaktion@ soester-anzeiger.de.

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