"Enkeltrick" & "falsche Polizisten"

Misstrauen am Telefon ist nicht unhöflich - sondern Schutz vor Betrügern

Einfach nicht rangehen oder gleich auflegen, wenn jemand Unbekanntes anruft - das ist nicht unhöflich, sagen Polizei und Verbraucherberatung.
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Einfach nicht rangehen oder gleich auflegen, wenn jemand Unbekanntes anruft - das ist nicht unhöflich, sagen Polizei und Verbraucherberatung.

Soest - Die Betrugsfälle - vor allem gegenüber alten Menschen - häufen sich. Die Polizei, die Verbraucherberatung und die Sparkasse geben Tipps, wie man sich schützen kann. 

Bankkonten leer, Schmuck futsch, alles Ersparte weg. Der alte Mensch steht mit leeren Händen da, weil ihm skrupellose Täter durch perfide Trick alles genommen haben. 

Erst kürzlich wurde eine alte Frau um Geld und Besitz gebracht, weil sie auf "falsche Polizisten" am Telefon reingefallen war. Mehrfach innerhalb einer Woche versuchten schon Telefon-Betrüger, ältere Menschen im Kreis Soest um viel Geld zu bringen.

Wie kann denn so etwas passieren? Das fragen sich hinterher nicht nur die Betroffene und ihre Angehörigen.

"Enkeltrick" & "falsche Polizisten": Opfer werden drangsaliert

Die echte Soester Polizei kennt solche Tricks. Die Täter drangsalieren ihre Opfer oft tagelang am Telefon, machen ihnen Angst und untergraben das Vertrauen in seriöse Institutionen. Sie behaupten zum Beispiel, Sparkassen- und Bankangestellte seien ebenfalls Täter. 

741  Fälle im Bereich SÄM-ÜT (Straftaten zum Nachteil älterer Menschen mit überregionaler Tatbegehung) registrierte die Soester Polizei vergangenes Jahr. Ein Großteil konnte aufgeklärt werden. 

Doch muss es erst gar nicht so weit kommen, dass ein alter Mensch um sein Erspartes gebracht wird. „Vor dem bekannten Enkeltrick warnen wird immer wieder“, sagt Polizei-Pressesprecher Holger Rehbock. Aber inzwischen werde der „falsche Polizist am Telefon“ unter Gaunern immer „beliebter“. 

"Enkeltrick" & "falsche Polizisten": Niemals Geld und Schmuck abgeben!

Die wichtigste Regel gegen diesen Tricks: Niemals fremden Menschen Geld oder Wertsachen übergeben, auch wenn sie sich als Boten oder Mitarbeiter von Polizei, Gerichten oder Geldinstituten ausgeben. 

Und in Zweifelsfällen immer erst mit Vertrauten – Ehepartnern, Kindern, Nachbarn oder Freunden – sprechen. „Wer aber niemanden hat, kann sich an uns wenden oder die Caritas oder die Diakonie benachrichtigen“, sagt Heike Herzig von der Soester Verbraucherberatung. 

Wer angerufen wird, sollte immer misstrauisch werden, selbst wenn die 110 im Display erscheint. Für Gauner ist es kein Problem, diese Telefonnummer zu fälschen. Die 110 ruft niemals an! Die Soester Polizei empfiehlt, sofort aufzulegen, seinerseits die 110 zu wählen und den Beamten den Fall zu schildern. Sie werden die Strafverfolgung aufnehmen. 

"Enkeltrick" & "falsche Polizisten": Telefon einfach klingeln lassen

Bei unbekannten Telefonnummern sollte man entweder gar nicht erst rangehen oder einfach gleich auflegen, bevor der Anrufer seine Geschichte erzählen kann, sagt auch Verbraucherberaterin Herzig. Das sei nicht unhöflich. 

Im Gegenteil: Es sei verboten, am Telefon etwas zu verkaufen. Und was Trickdiebe tun, sei kriminell. Die alten Menschen könnten ja manchmal vor Angst nicht schlafen: „Auf keinen Fall sollte man sich irgendwie unter Druck setzen lassen.“

"Enkeltrick" & "falsche Polizisten": Vorname aus Telefonbuch streichen

Um nicht von unliebsamen Anrufern behelligt zu werden, sollte am besten der Vorname aus dem Telefonbuch gestrichen werden. Statt Meyer Wilhelmine kann es einfach Meyer heißen. 

Viele Betrüger orientieren sich am Vornamen und ahnen, bei wem es sich um einen alten Menschen handelt. Am besten ist es, die Nummer völlig aus dem öffentlichen Telefonbuch zu streichen und sie nur Freunden, Verwandten und Bekannten zu geben. 

Den Banken und Sparkassen sind bei der Vorsorge die Hände gebunden. „Selbst wenn wir beim Leeren des kompletten Sparkontos stutzig werden, können wir nichts machen“, sagt Thomas Schnabel, Sprecher der Sparkasse. Die Angestellten seien unter anderem an den Datenschutz und das Bankgeheimnis gebunden.

"Enkeltrick" & "falsche Polizisten": Gewinnversprechen als Masche

Schnabel rät, in guten Zeiten eine Vorsorgevollmacht zu unterschreiben. Bevor Betroffene ihr ganzes Geld weggeben, sollten sie mit Vertrauten sprechen.

Nach dem Enkeltrick und falschen Polizisten kamen Betrüger auch schon mit falschen Gewinnversprechen um die Ecke. Im Raum Lippstadt und Soest kam es zu mehreren Anrufen, bei denen insbesondere ältere Menschen betrogen werden sollten.

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