E-Book & Co.: Soester Stadtbücherei setzt auf elektronische Medien

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Inessa Fliegner (links) hat es sich in einem gemütlichen Sitzsack mit einem Schmöker bequem gemacht, während Bücherei-Chefin Alexandra Eckel ihrer Schwester Daniela zeigt, wie man hier online geht. Der Jugendbereich der Stadtbücherei ist ein beliebter Anlaufspunkt geworden – nicht nur für Bücherwürmer.

SOEST - Man kennt das Haus unter dem Namen „Stadtbücherei“. Mittlerweile geht es jedoch auch als „Medienzentrum“ durch. Denn die Bibliothek geht mit der Zeit – nur so kann sie am Ball bleiben.

„Das Buch ist unsterblich. Es sind nicht nur die vielen Totsagungen, die wie ein ständig sprudelnder Jungbrunnen wirken. Es sind auch die köstlichen Fehlversuche, aus gemütvollen Freunden des Papierbuches [...] Jünger der digitalen Verkümmerung zu machen.“

Diese Zeilen stammen ausgerechnet von einem Blogger, nachzulesen auf kostblog.de. Doch es ist ein Text, der sich Alexandra Eckel besonders eingeprägt hat. Die junge Frau gehört zu der Generation, die mit moderner Technik aufgewachsen ist, hat sich als Leiterin der Soester Stadtbücherei jedoch dem zutiefst analogen Medium Buch verschrieben – und weiß, dass man beides verknüpfen muss, um eine Leihbücherei ins neue Jahrtausend zu retten, und zwar nicht vorbei an digitalen Speichermedien, sondern mit ihnen.

Seit Oktober hat die Bücherei wieder geöffnet. Monatelang war sie umgebaut und erweitert worden. Vor allem Jugendlichen kommt der Aufwand zugute: Sie haben jetzt einen eigenen Bereich, abgetrennt von dem der Kinder, so dass sie nicht fürchten müssen, dass ihnen beim Schmökern, Recherchieren oder Internetsurfen Bauklötzchen zwischen den Füßen herumkullern. „Das ist wichtig für die Jugendlichen“, weiß Alexandra Eckel, die mit ihren 28 Jahren dieser Zielgruppe selber noch recht nahe steht. „Seither kommen sie auch viel mehr hier her.“Dazu hat sich die Bücherei auch mehr denn je den neuen Medien geöffnet. Über Musik-CDs und CD-Roms oder DVDs hinaus gibt es Konsolenspiele und Internetzugänge – eine Stunde Surfen am Tag ist kostenlos. Entweder an einem fest installierten PC oder über Laptops, die man gegen ein Pfand ausleihen kann – natürlich ist es auch möglich, den eigenen mitzubringen. Dafür gibt es Hotspot-Zugänge, deren Passwort nach einer Stunde abläuft.Damit stößt die Bücherei in eine Marktlücke: „Es gibt nur wenige öffentliche Internetcafés – wenn, dann sind sie erst ab 18 Jahren zugänglich oder in einem Spielcasino.“ Der Zugang in der Bücherei verfügt daher natürlich über einen Jugendschutz.„Durch diese Angebote fällt auch eher die Hemmschwelle, mal zu einem Buch zu greifen“, weiß Alexandra Eckel. „Da stößt man dann auf eines, das einen anspricht oder das man vielleicht für ein Referat benötigt.“

Lernsoftware werde zunehmend für Konsolen entwickelt, „die CD-Rom ist auf dem absteigenden Ast.“ Für Jugendliche und junge Erwachsene habe sich gerade die Wii etabliert, Spiele für Kinder gibt es vornehmlich für Nintendo DS und das Angebot für Erwachsene werde in erster Linie für die Playstation 3 entwickelt.

Außerdem bietet die Bücherei mittlerweile Facharbeitsschulungen an, in denen sie ganzen Klassen zeigt, wie man seine Facharbeit anlegt und korrekt zitiert – es soll ja schließlich keiner den Guttenberg machen.

Und noch eine andere große Neuerung kommt auf die Bücherei zu: Das E-Book. Wie es genau funktionieren wird, ist noch nicht im Detail klar, da sich auch hier die Technik permanent weiter entwickelt. Aber es wird darauf hinauslaufen, dass man sich ein Buch daheim leihweise vom Server der Bücherei lädt und dieses so lange auch den Status „verliehen“ erhält, so dass sonst niemand es lesen kann. Nach Ablauf der Leihfrist kann man es verlängern oder es ist nicht mehr auf dem Gerät – E-Reader, PC, Notebook oder Tablet – verfügbar.

Auch so viel ist klar: Die Bücher wird man in diversen Dateiformaten anbieten müssen, damit die Möglichkeit gegeben ist, dass jeder eines findet, dass er sich mit seinem Gerät auch wirklich anzeigen kann. Ferner wäre es möglich, dass sich Soest dazu einem Verbund mehrer Bibliotheken anschließt, so wie es Hamm, Iserlohn, Lüdenscheid und Lünen getan haben, die gemeinsam die „Onleihe Hellweg Sauerland“ auf den Weg gebracht haben, aus der man sich auch vorübergehend Musik, Filme und Zeitschriften oder Zeitungen herunterladen kann.

Denn, so viel weiß man in der Soester Bücherei: Man darf sich den neuen Medien nicht verschließen, sondern sie vielmehr als Chance begreifen. Alexandra Eckel: „Es geht darum, eine grundsätzliche Medienkompetenz zu vermitteln – und dazu zählen eben schon lange nicht mehr nur Bücher, sondern das gesamte Spektrum an Büchern.“ - kb

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