Zur Fehde

So befreien Retter die Ritter aus ihrer Rüstung

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Frauke Droste kümmert sich um Ritter Dirk Spork 

Soest - Wie kommt der arme Ritter aus der Rüstung? Mit dieser im Notfall lebenswichtigen Frage beschäftigten sich am Montagabend die Ehrenamtlichen des DRK-Sanitätsdienstes in der Soester Fehde-Woche.

Sie wissen nämlich aus der praktischen Erfahrung vieler Dienste: Auch den stärksten Kerl haut’s einmal um. 

Was tun, wenn der tapfere Haudegen im Eifer des Gefechts aus den Latschen kippt oder wenn so ein schwertschwingender und wohl gepanzerter Recke bei brütender Hitze angeschlagen in die Knie sinkt?

„Am besten von oben nach unten vorgehen und immer gucken, wo sich Gurte befinden!“ Diesen Tipp gab Markus Dolch von den Mittelalter-Freunden beim Besuch im DRK-Heim am Ferdinand-Gabriel Weg. 

Er erklärte damit das Grundprinzip, um Kämpfer, die dringend Hilfe brauchen, von Helm, Klapp-Visier, Armkachel, Bruststück, Beinröhre, von dicken Platten und von schweren Ketten zu befreien. Die Rotkreuzler staunten, als sie sahen, welche Knöpfe sie drücken, an welchen Schnüren sie nesteln, welche Steckverbindung sie lösen müssen, um Kriegern nahezukommen und sie versorgen zu können. 

„Sollen wir nicht einfach die Schere oder den Dosenöffner ansetzten?“, fragte ein Teilnehmer mit einem Augenzwinkern. Davon sei dringend abzureiten, meinen Markus Dolch sowie seine Kollegen Dirk Spork und Geert Blondeel, die sich beide in voller Montur vorstellten. 

Mit beherzten Schnitten sei nicht viel auszurichten, schilderten sie, „das dauert viel zu lange. Schneller geht’s, nach den passenden Befestigungen zu suchen.“ Und überhaupt: Harnisch und Halsberge werden gehegt und gepflegt, billig sind sie nämlich nicht. Es dauert nur noch ein, zwei Tage. 

Dann lagern historisch gekleidete Soldaten aus ganz Europa entlang der altehrwürdigen Mauern, sie rüsten sich zum Sturm auf Soest oder zu deren Verteidigung. Beim großen Mittelalter-Fest stellen Hunderte von Akteuren die Stadtgeschichte nach, die Truppen zeigen mit viel Krach und Kanonendonner, was damals geschah. 

Dann herrscht wildes Schlachtgetümmel, Waffengattungen gehen aufeinander los, um live zu inszenieren, was die Krieger einst mit Büchsen, Bogen, Speeren und Streitkolben ausrichteten. „Wir sind aber keine Gegner“, sagt Markus Dolch, „sondern Kampfpartner.“ Auch der Sanitätsdienst rückt aus. 

Bei allen Vorführungen in den vorherigen Jahren sei glücklicherweise nichts Schlimmes passiert, hieß es am Montagabend während der Übungsstunde. Markus Dolch: „Wir haben strenge Regeln, und daran halten wir uns.“ Glimpflich sei vor zwei Jahren auch die Augenverletzung einer jungen Dame ausgegangen. 

Sie war, als sie sich umdrehte, von einem Pfeil getroffen worden, wolle in diesem Jahr aber wieder auf dem Feld stehen. Schauwaffen und viel Schwarzpulver bestimmen die Szene am Wall nahe dem Osthofentor. Und wenn’s wieder so heiß wird wie bei vorherigen Fehden? Echte Ritter kennen weder gutes noch schlechtes Wetter, verriet Markus Dolch. 

Unter sengender Hitze gießen sich diese Furchtlosen ohne Fehl und Tadel ein paar Liter Wasser über den Balg, bevor sie im Blech losmarschieren. So bewahren sie einen kühlen Kopf.

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