Dreck in Soester Wohnung landet nun vor Gericht

Wie in dieser Wohnung in Hamm sieht es auch in Soest aus – was naturgemäß Ärger mit sich bringt.
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Wie in dieser Wohnung in Hamm sieht es auch in Soest aus – was naturgemäß Ärger mit sich bringt.

Soest - Der Ärger um eine restlos vermüllte Wohnung in der Soester Innenstadt, in der zuletzt ein unter Betreuung stehender Rentner gelebt hat, ist eskaliert. Die Vermieterin hat das Diakonie Ruhr-Hellweg auf Schadenersatz verklagt, weil sich die vom Amtsgericht bestellte Betreuerin nicht ausreichend um den Mann gekümmert habe.

Aber auch die Diakonie setzt auf gerichtliche Hilfe: Sie hat Anzeige wegen Hausfriedensbruchs gegen die Vermieterin eingereicht, weil die ohne Genehmigung die Wohnung betreten haben soll.

„Verwahrlost im eigenen Zuhause“, hatte der Anzeiger im vergangenen Dezember die Geschichte über das Schicksal des Rentners getitelt. Der 69-Jährige lebte offenbar über längere Zeit in einer zunehmend vermüllten und verwahrlosten Wohnung: Essensreste und Abfälle stapelten sich in den Zimmern, Schimmel kroch vor allem im Bad die Wände hoch. Mitbewohner schlugen Alarm, als sie im Treppenhaus unangenehmen Geruch aus der Wohnung entdeckten.

Nach einer Wohnungsbegehung mit der Betreuerin der Diakonie erhebt die Vermieterin schwere Vorwürfe, trotz des täglichen Besuchs des Pflegedienstes habe sich niemand um das Chaos gekümmert. Der Betreuungsverein des Wohlfahrtsverbands weist die Vorwürfe zurück und pocht auf das „Selbstbestimmungsrecht“ des Rentners: Wenn es dessen Wunsch sei, in einem solchen Umfeld zu leben, dann müsse man sich dem fügen.

Im Mai, als weitere Vorwürfe gegen die Betreuerin laut wurden, hat der Anzeiger die Diakonie erneut mit den Vorwürfen konfrontiert. Vorstand Steffen Baumann erklärte damals: „Wir nehmen das sehr ernst.“ Auf die konkreten Fälle – ein anderer Rentner soll sogar seine Wohnung verloren haben, weil seine Betreuerin die Stromrechnung nicht bezahlt habe – ging Baumann zwar nicht ein. Er versicherte aber, die Diakonie prüfe sorgfältig Strukturen und Abläufe beim verbandseigenen Betreuungsverein, der sich täglich um viele hundert Hilfebedürftige kümmere. Sollte etwas völlig aus dem Ruder laufen, seien in letzter Konsequenz die Amtsgerichte zuständig, die eigentlichen Kontrolleure der gesetzlich bestellten Betreuer.

Womöglich werden demnächst die Vorwürfe und möglichen Missstände geklärt, wenn das Soester Amtsgericht über die Klage der Vermieterin verhandelt. Sie will auf den Kosten für die Entrümpelung und Sanierung ihrer Wohnung nicht sitzen bleiben und fühlt sich von der Betreuerin „finanziell erheblich geschädigt“, heißt es in der Klageschrift.

„Eine rechtliche Klärung tut gut“, sagt auch Christian Korte, der den Betreuungsverein der Diakonie leitet. „Wir haben das mehrfach angeregt; nur so kommen wir auf eine sachliche Ebene.“  So gesehen sei der Gang zum Gericht auch „keine Eskalation“; der in der Öffentlichkeit aufgebaute Druck habe dem Wohlfahrtsverband „erheblichen Schaden“ zugefügt.

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