In der Dombauhütte: Die Lehre von den alten Steinen

er frühere Passauer und Kölner Dombaumeister Dr. Michael Hauck (dritter von rechts) unterrichtet seit 20 Jahren an der Meisterschule an der Dombauhütte der Wiesenkirche, hier mit Schülern sowie Mitarbeitern der Dombauhütte. -  Foto: Fischer

Soest - Aufmerksamen Soestern werden die jungen Leute nicht entgangen sein, die in diesen Tagen intensiv Soester Grünsandsteinmauern studieren. Es handelt sich um Meisterschüler im Bildhauer- und Steinmetzhandwerk, ihr Dozent ist Dr. Michael Hauck. Ihre Ausbildung absolvieren sie an der Meisterschule der Handwerskammer Dortmund, die an der Dombauhütte der Wiesenkirche angesiedelt ist.

Die Meisterschule wurde vor fast 20 Jahren gegründet, die einzige deutschlandweit an einer Dombauhütte und mit Schwerpunkt Denkmalpflege. Von Anfang an unterrichteten namhafte Dozenten die jungen Meisterschüler aus dem Kammerbezirk, etwa der frühere Bau- und Innenminister in NRW, Franz-Josef Kniola, von Beruf Steinmetzmeister, Pater Donatus aus Freiburg (der Anzeiger berichtete) und eben auch Hauck.

Der gebürtige Würzburger war nach seiner Ausbildung zum Steinmetzmeister, Holzbildhauer und Restauratour sowie dem Studium der Kunstgeschichte und Romanistik 24 Jahre Dombaumeister in Passau, dann ab 2012 Dombaumeister am Kölner Dom.

Grünsandstein – keine einfache Geschichte

Nach seinem Weggang aus der Domstadt vor einigen Wochen hat er sich jetzt in Hutthurm bei Passau mit dem Beratungsbüro „Concept M“ für Problemlösungen in der Denkmalpflege selbstständig gemacht. Außerdem ist er Dozent an der Universität Bamberg.

Das intensive Mauerstudium der Meisterschüler, speziell an Petri-, Pauli- und Hohnekirche, gehört zu einer Projektarbeit, die die Schüler während ihrer Ausbildung hier absolvieren müssen, ein „weiteres Alleinstellungsmerkmal der Soester Meisterschule“, befindet Hauck. Es geht darum, die Probleme und Schäden am Grünsandstein zu analysieren sowie Wege zur Behebung der Schäden aufzuzeigen. „Das ist beim hiesigen Grünsandstein keine einfache Geschichte“, sagt Hauck.

Er unterrichtet an der Soester Meisterschule Werkstoffkunde, dazu gehören die Chemie und Physik der Baustoffe, Gesteinskunde und Mörteltechnologien. Außerdem lehrt er Grundlagen der Denkmalpflege und geht auf rechtliche Fragestellungen in Sachen Denkmalschutz ein.

Zehnter Lehrgang auf der Zielgeraden

Zwei Jahre dauert die Ausbildung zum Meister, zumeist in Wochenendseminaren. Wenn aber beispielsweise Hauck in zwei Blockseminaren über jeweils eine Woche unterrichtet, quartieren sich die Schüler für diese Zeit in der Dombauhütte ein. Sie erleben dann in Soest eine Zeit besonders intensiver Beschäftigung mit ihrem Handwerk und ihren Werkstoffen.

Der zehnte Ausbildungsgang geht jetzt auf die Zielgerade. Im Frühjahr 2016 stehen die Prüfungen an. Hauck hat dann in mittlerweile 20 Blockseminaren sein Wissen an den beruflichen Nachwuchs weitergegeben, und längst ist Soest für ihn zu einem „Stück Heimat“ geworden. Mit dem Soester Dombaumeister Jürgen Prigl verbindet ihn eine Freundschaft. Und die Vermutung, Soest sei verglichen mit anderen Ausbildungszentren, etwa in Köln, Düsseldorf oder München, nur „Provinz“, schiebt er gleich beiseite: „Wir arbeiten hier auf dem gleichen hohen Niveau.“ Er jedenfalls sei sehr gerne in dieser Stadt mit ihren vielen Denkmälern, und er wolle weiterhin junge Handwerker an der Soester Meisterschule ausbilden. -  kf

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